Das Ziel rückt näher

.. heute habe ich nach 28 km bereits die 100 km-Marke überschritten. Mit anderen Worten, mir fehlen nur noch 92 km bis Santiago.

Ca 330 km liegen bereits hinter mir!

Heißt aber nun auch, dass die „Compostela-Jäger“ – zu erkennen an den winzigen Rucksäcken und manchmal äußerst unangemessener Kleidung – mit unterwegs sind.

Denn für das Erlangen der „Compostela“ genügt es 100 km zu Fuß oder 200 km mit dem Fahrrad zurück gelegt zu haben und dies durch jeweils zwei Stempel pro Tag im Pilgerpass bestätigt zu haben.

Ich habe heute darüber nachgedacht – Zeit hatte ich ja genug – und bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass mir die Compostela (ich könnte sie auch mit der gelaufenen km-Zahl bekommen) nicht wichtig ist, verschwindet diese doch eh in einem Schrank und brauche ich wirklich ein Zeugnis für mich? Ich selbst weiss doch am besten was ich geleistet habe und all meine Erfahrungen, Erlebnisse und Eindrücke stehen dort nicht darauf. Also wozu dieses Papier, ich habe meinen Pass mit wunderschönen Stempeln all der Orte, an denen ich übernachtet habe. Für mich Zeugnis genug 😊

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Ich verließ um kurz nach sieben die Herberge als grüner, dicker Zwerg. Bereits nach drei Kilometern hielt ich es für angebracht, doch noch die Regenhose über zu ziehen. Die Beine waren bereits ziemlich nass.

Die Wege matschig, schmal und von Bächen durchzogen – ein wahrer Balanceakt für Füsse und Gelenke. Das ging ordentlich auf die Knochen. Manche gingen einfach auf der Straße, um Verletzungen durch nasses Schuhwerk vorzubeugen.

Ich hielt mich tapfer an den originalen ausgezeichneten Weg. OK, einmal übersah ich einen Wegweiser weil die Augen permanent auf den Boden geheftet waren. Ein britisches Ehepaar verließ sich auf mich, Pech gehabt. Wir mussten zurück und haben 1,5km draufgelegt.

Dass Pferde und Hunde hier meist nur als Nutz, bzw. Arbeitstiere gehalten werden, habe ich schon erwähnt. Sie sind meist an Ketten gelegt und haben nur einen begrenzten Radius zur Bewegung. So auch leider dieses Pony, daß bereits weder Futter noch Wasser hatte und von vielen Pilgern mit Gras versorgt wurde. Julia und ich opferten unser Trinkwasser und füllten den Eimer auf.

sdr

An das saftige Gras im Hintergrund kam es nicht dran. So traurig 😢

Da es heute eine schwere Etappe war, gönnte ich mir zu Mittag einen leckeren Salat mit Gambas und A… (ich nenne Sie „Fischspaghetti“).

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Die letzte Stunde hörte es endlich auf zu regnen und ich konnte auch ein paar schöne Eindrücke der galicischen Wildnis festhalten, genau so wie unsere heutige kleine private Herberge, irgendwo in „The Middle of nowhere“

Morgen stehen uns über 30 km bevor, durch ewige Wildnis mit winzigen Dörfern.

Buen Camino 👣

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