Finesterre

Ich habe es langsam satt über das Wetter zu schreiben, aber es ist Tagesgespräch.

Bei bewölktem Himmel aber trocken startete ich wohl meine letzte Etappe nach Finisterre. Gut gelaunt beobachtete ich erst eine Weile die Muschelgräber.

dig

sdr

Keine 2 km weiter – ich kroch gerade langsam eine steile Piste durch einen Eukalyptuswald hinauf – fing es bereits wieder an zu regnen. Auf der anderen Seite des Berges sollte man eigentlich einen tollen Blick auf den Atlantik und das nahe Finisterre und das Cap haben. Was ich sah glich einem „Nichts“

dav

Na gut, dann wieder steil runter und an einer traumhaften Bucht vorbei, ein perfekter Ort für eine Frühstückspause – bei schönem Wetter versteht sich 😉

dav

Tapfer ging ich – ohne Frühstück – weiter bis ich nach ca 15 km den Strand von Finisterre erreichte. Ich sah das Meer, kaum zu glauben! Und – die Strandbar war geöffnet 👍

Die Besitzer trotzten dem Regen genauso wie ich mit allen verfügbaren Sonnenschirmen, ich bestellte einen Kaffee, nein doch besser einen Vino – es war ja bereits halb zwölf – bekam für meine Ausdauer als einziger Gast eine Banane und Chips dazu geschenkt und genoss den Ausblick in nassen Hosen. Aber eh egal, ob von unten oder oben. Ich bin am Meer 😆

Am Strand entlang ließ ich mir Zeit, war ich doch sowieso tropfnass, denn auch bei Regen verliert es nicht an Faszination.

Und schaut genau hin: ganz da hinten links ist das Capo Finisterre zu sehen! 🔎

Muscheln wohin man sah und ging.

dav

Jakobsmuscheln, von denen ich am Abend beim Strandspaziergang noch viele mehr finden sollte. Ich legte eine Muschel für Biene, meine Cousine, die das Meer und Muscheln genauso liebte wie ich an dieser Stelle hier ab. ❤️

Am Nachmittag traf ich Julia und Sevda, Julia fuhr weiter nach Muxia und Sevda kam gerade mit dem Bus an. Wir aßen in einem Restaurant, das deutsches Essen anbot, also heute kein Pulpo sondern Geschnetzeltes mit Nudeln, auch lecker 😂

Ich muss 54 Jahre alt werden um später am Abend noch in einer Hippie-Community einen Drink zu nehmen, ja, auch das ist der Camino. Nichts muss, alles kann..

Meine heutige Herberge ist wunderbar, blitzblank, modern und ein total netter und liebenswerter Hospilatero, der mich am Abend mit Putzhandschuhen und einem Wischmop begrüßte. Er kennt jeden Vornamen seiner Tagesgäste – Hut ab!

Falls ich es noch nicht erwähnt habe, Nachnamen spielen hier keine Rolle. Unter Pilgern duzt man sich. Sowieso. Du reservierst Dein Bett telefonisch mit Vornamen. Birgit, Brigitte oder Brigit, ganz egal. Es hat immer geklappt.

Ach ja, einen Besuch bei der Fischauktion haben Sevda und ich auch gemacht und wahre Monster von Seeteufeln begutachtet. Die Preise sind verblüffend gering – 3 Euro irgendwas (der redet so schnell, wie kein Mensch mitdenken kann) für eine ganze Wanne Fische, ein Seeteufel für knappe fünf. Kein Wunder dass das Fischerleben ein knallharter und schlecht bezahlter Job ist!

 

Ich werde morgen noch bleiben, um morgen Abend hoffentlich das Cap zu erreichen und den Sonnenuntergang zu genießen. Ich sage bewusst SONNE!

So, ich kuschel mich jetzt in mein Stockbett, Ohrstöpsel rein und gute Nacht – ich werde es vermissen….

Hinterlasse einen Kommentar