Zurück in Santiago

Mitten in der Nacht aufstehen ist nicht meine Stärke, ich hatte am Vorabend bereits Mochilla (Rucksack) und Co in den Aufenthaltsraum der Herberge gestellt

um die noch schlummernden Pilger nicht unnötig zu wecken. Nicht alle sind so rücksichtsvoll. Ein russischer Mitpilger allerdings war es auch und kochte um sechs Uhr Eier mit Schinken und Käse und Salat. Boa nee, mir reichte zum wach werden ein Kaffee, den es für 1 Euro in die „Dose“ aus einer Dolce Gusto selbst zu machen gab. Welch ein Genuss. Meist boten die Herbergen nur Automatenkaffee an, den man als deutsche „Schwarztrinkerin“ nur auf einmal runter kippen konnte oder gar nicht.

Soweit zu den Frühstücksgewohnheiten eines Pilgers, wobei – ich sah auch einen, der bereits morgens Nudeln mit Fleischsosse „schlürfte“ – egal.

Der Bus war pünktlich und die Busfahrerin schleuderte den Ameisen- Reisebus durch die Serpentinen und engen Gassen als wäre es ein Kleinwagen mit Sportfahrwerk. Ich schnallte mich an. 😌

Kein Wunder, dass wir bereits nach 11/2 Stunden in Santiago ankamen. Trotz mehrfacher Haltestellen und der Angabe, die Fahrt würde zwei Stunden dauern.

Ich lief den Weg vom Busbahnhof zur Kathedrale, kannte ich nun schon fast jeden Stein und laufen ist ja auch gerade meine Disziplin. 2km – ein Witz.

In der Nähe der Kathedrale kann man den Rucksack bei der Post deponieren. Denn in die Kathedrale drauf man ihn nicht mit hinein nehmen. Sicherheitskontrolle! Im übrigen gilt dies auch für den Rucksack. Er wurde durchleuchtet!

Der Vorteil, dass Santiago gerade erst aufwachte war, dass die Kathedrale nur wenig besucht war, der Nachteil war, ich hätte immer noch kein Desayuno (Frühstück). Egal, auch das bin ich gewohnt.

Lasst die folgenden Bilder einfach wirken, auch wenn die Kathedrale immer noch halb eingerüstet ist. Den heiligen Jakobus habe ich natürlich umarmt und auch wieder fünf Kerzen für meine Familie nebst Partnern angezündet. Die Kathedrale hat mehrere Seitenkapellen, ich habe aber nur das Hauptschiff fotografiert.

Nach einer Stunde verließ ich die Kathedrale und schlenderte durch die Gassen der Altstadt, es war inzwischen Mittag und die Sonne brannte. Nahm einen Vino mit Tapas – Tintenfisch natürlich – und genoss das Treiben und Schnattern von Pilgern, Touristen und Einheimischen, die Straßen waren brechend voll. Ganz anders als beim Einmarsch, als Santiago im Regenwasser versank und man eigentlich durch die Gassen schwimmen konnte.

Ich fühlte mich einfach gut. Es war schön wieder hier zu sein.

Auf dem Weg zu Gloria, wo ich auch schon letztes Jahr vor der Abreise übernachtete, machte ich, in meinem damals entdeckten kleinen ruhigen Paradies, ein ☀️ Stündchen mit den Füßen im Teich. Ruhig war es allerdings heute nicht, die ansässigen grünen Tierchen lebten lautstark ihr Liebesleben aus. Ich aber hatte danach zumindest annähernd Pilgerbräune: die Beine von der Fessel bis zum Knie, die Arme bis zum Shirt und das Gesicht. Endlich kam auch die Sonnencreme zum Einsatz, gut dass ich sie 440 km mitgeschleppt hatte 😜

dav

Kurz vor Glorias Casa – liegt logischerweise auf einem Hügel, den ich mich nochmal hochschleppen musste, noch einen Vino in der einzigen Bar und ein Schwatz mit dem Inhaber – man kennt sich 😂 und dann Einzug in das Casa Gloria. Die Bilder sprechen für sich – genau das Richtige zum finalen Abschluss.

Gloria freute sich, mich wieder zu sehen und wir schwatzten lange in der Küche, auf Englisch, auf spanisch und irgendwas zwischendrin.

Gerade sitze ich nun wieder „unten“ in einer Bar, nein, natürlich nicht „in“ sondern draussen bei Tortilla und Salat und – genau: Vino und Tapas und schreibe diesen heutigen Beitrag.

Wenn ich wieder hoch gekrabbelt bin – diesmal Gott sei Dank ohne Rucksack – soll ich Gloria Bescheid geben. Denke, das wird noch ein lustiger Abend 😋🍷🥂

Ich sag Mal tschüss bis morgen und wenn ihr wissen wollt, wie ich den Flug und das Nach-Hause-Kommen er- bzw. überlebt habe, dann schaut morgen Abend wieder vorbei.

Ach und dann noch ein Wort zur diesjährigen Statistik:

Gelaufen bin ich weit über 400 km, alles in allem bestimmt knappe 500. Bin durch Asturien und Galicien gelaufen, habe ca 1000 Fotos und einige Videos gemacht, hatte 2 1/2 Wochen täglich Regen. Brauchte neue Schuhe und Socken, hatte einen vereiterten Zeh und eine Rolle Tape verbraucht, letztendlich nur mit Ibuprofen die Touren überstanden, war im Hospital, bin mit Taxi, Zug und Bus gefahren, vom Fliegen ganz zu schweigen, habe tonnenweise Meeresfrüchte verspeist, Flaschen von Vino vernichtet, täglich mit 30 Euro und 9 kg Gepäck überlebt, und das wichtigste viel Spaß und interessante Gespräche mit Menschen aus aller Welt gehabt:

Deutschland, Österreich, Schweiz, Belgien, Frankreich, Holland,Dänemark, Kanada, Korea, Russland, Japan, USA, Mexico, Argentinien, Italien und natürlich Spanien 😆

Und: ich hab noch nicht genug davon!!!

Adios Santiago, Ciao Camino 🛩️hasta 2019 👣🇪🇸

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