„Hoch die Hände – Wochenende“ … Ja, auch hier gilt endlich nach der letzten Anwendung kurz vor dem Mittagessen – das für mich um 11:45 h eigentlich ein zweites Frühstück ist 🙂 – Zeit für die Insel zu haben. Die Wetterlage ist bescheiden. Schon heute Morgen fand die Sporteinheit im Freien bei Schneeregen und dezenten 3 Grad statt. Danach machte ich am Strand sicherheitshalber noch einen Kältetest…ok, die Skihose musste wohl für eine Wanderung herhalten.
Da danach noch ein Weihnachtsmarktbesuch in Kampen geplant ist – wird eine große Tasche mit Ersatzklamotten gepackt. Ich stopfe mich – anders kann man es nicht nennen – in Skiunterwäsche, Skihose, dickes Hoody, Fette Mütze und entscheide mich statt Regenjacke für den dicken und langen Mantel mit Wanderstiefeln. Irgendwie noch das Handy trocken aber in Reichweite für Fotos verstaut und die Trekkingschuhe in den Rucksack. Man weiß ja nie…am Ende Deutschlands…
Auf dem Weg zum Parkplatz komme ich mir vor wie ein Eskimo, aber wat mut das mut 🙂 Frieren ist uncharmant, wenn man 3 Stunden bei diesem Wetter an der Nordsee unterwegs ist. Die Frage ist nur, wie es sich mit mindestens 2 kg Klamotten am Leib wandern lässt? Bücken jedenfalls ist nicht drin, das wird mir sofort bewusst, als mein Schuhsenkel beschließt, dass meine hübsche Schleife nix taugt und ich ein zweites Mal ran muss. Uff. Doppelknoten. Sicherheitshalber.

Im Norden der Insel findet man den sogenannten „Ellenbogen“ Sylts. Ein großes Naturschutzgebiet der mit seiner Nordküsten den nördlichsten Ort Deutschlands bietet. Das ist unter anderem mein heutiges Ziel. Los geht’s ab Parkplatz Weststrand Nord am Ellenborgenberg kurz vor der Mautstation (für Autos) Ja. Richtig. Hier gibt es eine Mautstation mit deren Einnahmen der Naturschutz gefördert wird.
Ganz so einfach, wie ich es mir dachte, ging es natürlich nicht. Obwohl mir auch die App Komoot Pfade und Wege anzeigte, begleiteten mich auf der Straße alle 100 m diese Schilder:

Also blieb mir nichts anderes übrig als auf der Straße zu bleiben. Nur selten begegneten mir genauso verrückte wie ich , die bei diesem Wetter zu Fuß unterwegs waren. Einzig wenige Autos transportierten Touristen an die Punkte der Sehenswürdigkeiten. Dafür waren knuddelige, mit Schafwolle dick eingemummte Tiere unterwegs 🙂 (die leider sehr scheu waren und schnell das Weite suchten)




Erst ziemlich weit östlich konnte ich den Strand entlang laufen, es war Ebbe.



Zugegeben, ich kürzte ein Stück ab. Ich war bereits über eine Stunde unterwegs und musste am Auto zurück sein, dass am Parkplatz des nördlichen Weststrandes stand, bevor es dunkel wurde. Der Regen, der sich aufgrund des Ostwindes wie kleine Nadeln anfühlte, die eisige kalte Luft, die ich atmete machten mir zu schaffen. Auf Höhe des östlichen Leuchturms führte mein Weg zurück auf die Straße und bei erster Möglichkeit wieder zum Strand. Diesmal zum nördlichen Strand, der mich – hoffentlich – zum nördlichsten Punkt Deutschlands führte.
Schwierig und anstrengend, angezogen wie ein Eskimo, mit unbeholfenem Gang wie ein Astronaut sich durch den tiefen Dünensand durch eben diese Dünen zu kämpfen. Ich kam trotz eisiger Kälte zum Schwitzen und wünschte mir zum ersten Mal Sommer. In luftiger Kleidung mit leichten Schuhen, die Sonne im Gesicht und den Blick auf den blauen Himmel gerichtet ….. Seufz. Es war November. Winter. Fast. Jedenfalls saukalt und nass und die Füsse stampften tapfer Schritt für Schritt durch den Sand.

In diesen Momenten stelle ich mir immer die verdammte Frage: Warum kann ich nicht wie alle anderen einfach in der Freizeit shoppen gehen, Lesen oder maximal in der „Muckibude“ der Einrichtung etwas für die Gesundheit tun???
Die Antwort lautet jedes Mal: Weil ich ICH bin, seit dem ersten Jakobsweg vor 5 Jahren infiziert bin. Es liebe alleine unterwegs zu sein, fremde Landschaften zu erkunden. Am liebsten mehr am Meer. Und dabei auftanken kann, obwohl ich eigentlich an meine Grenzen komme. Und am Ende des Tages habe ich so viel erLEBT, habe so ein großes Glücksgefühl und Dankbarkeit, dass ich das genau So machen kann.
Vielleicht kann man es mir ein wenig nachempfinden, wenn man sich vorstellt, dass ich hier diesen Strand über eine Stunde ganz alleine entlang gewandert bin….weit und breit kein Mensch, so als wäre ich der erste Mensch, der diesen Boden betritt (die Fußspuren meiner Vorgänger blende ich mal aus 🙂 )





Und dann war da doch noch der nördlichste Punkt Deutschlands:


Wunderschön auch die zarten Zeichnungen im Sand, die das ablaufende Wasser der Ebbe malte.

Nach etwas über drei Stunden und einer Gesamtstrecke von 14 km komme ich am Parkplatz wieder an.
Kleidertausch für einen Weihnachtsmarktbesuch in Kampen’s Kaamp-Hüs. Ein leckerer Glühwein und ein heißes Stück Schmalzgebäck wärmen von innen und bilden einen schönen Abschluss des Tages.

Hallo Birgit, was ein toller Bericht aus Sylt. Ich kann so gut nachempfinden. Ich wünsche Dir eine tolle Zeit mit einem Wechselbad aus Gefühlen um am Schluss glücklich und gestärkt zu sein. Liebe Grüße von Gabi
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Hi Babe, vielen Dank für Deine sehr winterlichen Sylt-Impressionen. Ich freu mich für Dich, daß Du auf Sylt bist und ich hoffe doch sehr, daß Du es auch noch einmal mit etwas wärmenden Sonnenschein erleben kannst. Ich war nur einmal dort, ist lange her und es war Mai. Angekommen bei 25 Grad, am nächsten Tag Temperatursturz und plötzlich nur noch 12 Grad. Mir kam das eisig vor, Du wärest vermutlich glücklich darüber. (Haben uns alle erst mal dicke Fleece-Jacken gekauft) Aber: Ich habe noch nie so tolles Licht wie auf Sylt gesehen. Mein allererster Morgen nach der Anreise: Ich ging alleine mit Lara zum Strand. Obwohl das Haus in Meeresnähe lag, konnte man das Meer nicht sehen. Nachdem ich die Dünen durchwandert bin kam ganz plötzlich dieser erste Streifen Meer in Sicht und wurde mit jedem Schritt größer. Es war Ebbe und das Licht war einfach magisch. Es wird mir immer unvergessen bleiben. Ich war glücklich, ich war frei und genoß jeden Moment mit den nackten Füßen am Meeressaum. Davon kannst Du im Moment wohl nur träumen. Da ich Sommer und Hitze hasse, mag ich gar nicht mehr in den Süden. Ich glaube, ich bin im Herzen ein Nordlicht. (Dies zeigte sich ja schon früh bei der Aufteilung unserer regionalen Messen, Du erinnerst Dich bestimmt. Norden für mich, Süden für Dich, Osten für Martin Stenzel) Obwohl ich auch nie vergessen werde, wie Du mal in Hamburg souverän durch die Stadt gekurvt bist um unser Hotel Elysee zu finden – einfach super! Es gibt kein schlechtes Wetter, diesen Spruch unterschreibe ich sofort. Aber: Frieren darf man nicht, dann ist alles kacke und ungemütlich. Und da krieg ich ganz schlechte Laune von! Aber Du bist offensichtlich perfekt ausgerüstet und kannst bei jedem Wetter raus, das finde ich super. Ich wünsche Dir unvergeßlich schöne Zeiten auf dieser tollen Insel und daß auch Du einmal dieses ganz spezielle Licht sehen wirst. Sei umarmt! Deine Bine
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