Dünen und Mee(h)r

Der Terminplan diese Woche war so eng getaktet, dass ich tatsächlich drei Tage gar nicht zum Strand kam. Dann war da noch der Sylter Weihnachtsmann, dem ich einen Auftrag erteilen musste….

Endlich ist Wochenende, naja fast. Ich hatte mich morgens bereits für das Milontraining heute Abend eingetragen. Eigentlich ist mir jetzt lieber nach der Hydrojet-Massage, die ich am Vormittag hatte. Meinen Patienten-Barcode für das Training in der Muckibude mache ich jedenfalls wieder ab. Ich bin platt, kein Sport mehr heute, nur noch Beine hoch…aber zurück zum heutigen Mittag.

Vor dem Mittagessen plane ich meine heutige Tour. Das Wetter ist gruselig. Gestern noch Sonne satt, heute Wolken, Kälte und Wind. Schietwetter, das nur noch ein Regenschutt toppen könnte. Egal. Gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung lalala…kann man Motivation bitte auch zum Anziehen kaufen?

Also los. Mit dem Auto bis Kampen. Parken am Campingplatz. Der erste Schritt ist beinahe der letzte heute: es ist spiegelglatt! Nicht nur hier, das sollte sich schnell herausstellen.

Ein Griff zur Autotür rettet mich vorm Beinbruch. Bewaffnet mit den Wanderstöcken als Stabilisationshilfe geht es los.

Eisglatt

Selbst der Dünenweg ist eisglatt, die einzige Möglichkeit ist, auf der schmalen Grasnarbe am Rand zu laufen, wo das Gras den Schnee vom gefrieren schützte. Meine namhaften Wanderstiefel sind nicht winterfest, das ist schnell klar. Ich komme nur langsam, Schritt für Schritt vorwärts. Eine Wanderung wird das heute nicht, eher ein langer, kalter Spaziergang mit Gehhilfen 😳

Erst in Strandnähe erleichtert der Sand, der sich mit dem Schnee vermischte das Gehen.

Leider nur kurz. Die nächste Rutschpartie findet auf dem hölzernen Dünenweg statt. Eine Hand am Geländer hangele ich mich dort entlang. Winterdienst gibt es hier nicht. Die Brandung mischt sich mit dem Tok Tok meiner Wanderstöcke auf dem Holzsteg. Ich fürchte bereits, dass es nicht besser werden würde. Aber aufgeben? Ich bin im Dauerregen durch Galizien gelaufen, heute eben auf Glatteis ohne Spikes durch Sylt. Na und?

Daneben laufen ist heute ungefährlicher 😄

Ich klettere unter Lebensgefahr! die vielen eisglatten Stufen zur „Uwe-Düne“ empor und werde mit einem phantastischen Weitblick belohnt. Eiskalter Südwestwind inklusive.

Blick nach Norden
Blick nach Südwesten mit Kampener Leuchtturm

Noch langsamer geht es wieder runter und den Dünenweg weiter. Ich bin heute gefangen von der Konzentration beim Laufen. Nicht auszurutschen. Eine Unfall, eine kleine Katastrophe bei dieser Kälte und fast allein unterwegs. Immer wieder muss ich stehen bleiben, um Gedanken zuzulassen und die Natur und Landschaft, Geräusche und die kreisenden Möwen zu beobachten.

Das nächste Etappenziel ist der Kampener Findling. Ein Relikt aus der Eiszeit. Ein Fels der aus Skandinavien stammt und am Strand von Kampen gefunden wurde.

Von dort führt der Weg zum kleinen Leuchtfeuer. Und schon wieder eisglatte Stufen, also wieder einmal Nebendran vorbei…

Ich biege rechts ab auf einen breiteren asphaltierten Weg. Der Asphalt ist allerdings- wie sollte es auch anders sein – mit einer Eisschicht bedeckt.

Rechts eröffnet sich mit der Blick auf die Ostseite und das Wattenmeer. Juhu und ein kleiner Farbklecks in der winterlich grauen Dünenlandschaft. An dieser Stelle ist die Insel wieder sehr schmal. Und sogar ein winziger Kiefernwald taucht auf.

Der Weg scheint endlos. Caminofeeling stellt sich ein. Die Füße setzen wie automatisch einen Schritt nach dem anderen, vorsichtig am Rande, wo es etwas angetaut ist. Die Gegend menschenleer. Allein gefrorene Fußspuren zeugen davon, dass gestern wohl hier auch jemand lief. Mir begegnet niemand. Herrliche Einsamkeit und Stille.

Ein Blick auf die Uhr zeigt 7 km. Es wird Zeit zurück zu gehen, doch es ist noch kein Abzweig in Sicht. Laut Google Maps muss ich bis zur „Akademie am Meer“. Und das Laufen auf dem gefrorenen Untergrund ist echt anstrengend.

Endlich, nach der nächsten Biegung tauchen die Gebäude auf und kurz davor auch der Dünenübergang.

Endlich mal trittsicher!
Zurück am Weststrand

Und dann kam’s richtig dicke. Der Strand begrüßt mich mit schneidenden Windböen. Jetzt dringt die Kälte auch durch Jacke und Hose. Doch der Anblick verzeiht. So schön das rauhe Meer, der dunkle Himmel am Horizont. Und wieder. Ich bin allein. Der ewig lange Strand leer. Das entschädigt für alles!

Ich weiß nicht wie weit ich es schaffe bei diesem Wind. Und es ist Flut. Das Laufen an der Flutkante schwierig im weichen Sand. Anstrengend. Quälend langsam komme ich voran und immer wieder bin ich gefangen vom Anblick der Wellen, die langsam aber sicher immer mehr den Strand erobern. Mehr als einmal schnappen die Wellen nach meinen Füßen.

Der Schaum der aufgebrachten Wellen wird vom Wind wie Wattebällchen über den Strand geblasen. Verzweifelt versuche ich das einzufangen , aber es gelingt mir nicht wirklich. Schade. Ich muss weiter. Es wird spät.

Wattebällchen vom Winde verweht

Auf Höhe des roten Kliffs kapituliere ich. Mein rechter Fuß und die Achillessehne schmerzen. Zuviel Belastung. Ich nutze hier den „Ausstieg“. Wäre ich nicht so durchgefroren, ich hätte mir noch ein Viertelstündchen hier im Strandkorb gegönnt. Mit einem Glühwein wäre das durchaus eine Option. Aber auch hier gibt es zu dieser Jahreszeit nichts. Keine Touristen, keine Bewirtung. Die Insel ist im Winterschlaf.

Das „Rote Kliff“

Ein kleines Stück laufe ich den Dünenweg zurück, den ich mittags gekommen bin. Dann biege ich ab in Richtung Kampen „City“. Endlich geräumte Wege, hier residieren die Touristen, die am Ende des Monats noch sehr viel Geld übrig haben! Bei mir ist das leider anders herum 😂…

Da werden sogar die Baustellen in weihnachtlichen Glanz gehüllt…

Und dann habe ich endlich auch einmal die Gelegenheit einer dieser wunderschön beleuchteten Bushaltestellen abzulichten. Charmant und typisch sind sie auch so mit ihren Reetdächern.

Da als fällt mir ein…mitten auf dem Dünenweg steht eine Bushaltestelle … sicher auch im Winterschlaf 😅

Im Nirgendwo

Ich habe mein Auto nach 14,3 km erreicht. Müde aber voll mit Eindrücken und richtig frei. Freue mich auf das spartanische Abendessen und darauf diesen, meinen Tag mit euch zu teilen 🎄

Und vielleicht macht es auch mal Lust auf Me(e)hr…..

2 Kommentare zu „Dünen und Mee(h)r“

  1. Du bist ja voll fleißig Süsse.Aber Du bist hart im Nehmen.Pass bitte auf Dich auf und genieße die Zeit der Ruhe,bis der Alltag Dich wieder hat.Liebe Grüße Christa.😘😘😘😘😘😘

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