Der Tag startet klar, am Horizont erklimmt die Sonne die Insel. Es ist kalt. Saukalt. Der gestrige Tag steckt mir noch in den Knochen. Der eisige Untergrund, die Balance halten, nicht zu stürzen, hat die kleinsten der Muskeln stark beansprucht. Ich tape meinen rechten Fuß. Laut Wetter-App der letzte schöne Tag für die nächste Woche …. da muss ich einfach raus…
Mein Auto bringt mich nach Morsum auf einen Parkplatz nahe dem Morsumer Kliff. Ich wiederhole mich, aber auch heute befinde ich mich auf einem spiegelglatten Parkplatz und klettere ganz langsam testend aus dem Auto, hangele mich an der Tür entlang zum Kofferraum um an meinen Rucksack zu kommen. Ein einziges Auto aus HH parkt just neben mir. Das Ehepaar holt einen Rollstuhl aus dem Auto. Augenblicklich höre ich auf zu jammern und bin dankbar, auf meinen beiden Beinen laufen zu können. Auch bei Eis und Kälte 🙏
Geschafft. Bin gut verpackt und mit Stöcken bewaffnet. Ich habe mich für die Trekkingschuhe entschieden. Sie sind zwar nicht so warm, haben aber mehr Grip. Das wird schon!


Auch heute empfiehlt sich neben dem Holzsteg zu laufen. Neue Wege eben gehen, um ans Ziel zu kommen 😉
Ein schmaler, eisglatter Pfad führt oberhalb der Klippen entlang. Trotz eisiger Kälte wird mir heiß beim Anblick des zum Teil ungesicherten Weges. Aber es ist traumhaft schön, die Finger eiskalt, weil ich das Handy einfach nicht mehr wegpacken kann, so viele Eindrücke kann man gar nicht einfangen. Windgeschützt genieße ich einen Augenblick den Anblick dieser rauen aber sehr schönen Natur..







Mein Weg führt dann erst einmal in Richtung Hindenburgdamm. Ich erinnere: Ich kam hier vor drei Wochen im Dunkeln mit dem Autozug an. Jetzt habe ich die Chance den Damm und Zug mal im Sonnenlicht zu sehen – zumindest ein Stück, wenngleich auf Inselboden..


Vielleicht haltet ihr mich jetzt für Verrückt, aber diesen Weg balanciere ich zwischen gefrorenen Pfützen, die nur darauf lauern, dass man hinein- und durchtritt und gefrorenen holprigen Erd-und Grasnarben hindurch immer weiter in Richtung Hindenburgdamm.
Geduldig, sehr geduldig halte ich dem eisigen Wind stand, stehe auf vereisten Grasbüscheln und warte. Warte. Und warte. Zögere …. Nein. Warte, bitte.
Es ist Sonntag. Keine Ahnung in welchem Takt die Züge auf der eingleisigen Strecke verkehren. Ob überhaupt, in den letzten Tagen sind viele wegen Vereisungen ausgefallen.
Das Handy griffbereit sehe ich einen schmalen Schatten am Horizont. Jaaaa…tatsächlich…ein Autozug!

Und es sind noch Plätze frei…. 😀

Auf dem Rückweg entscheide ich mich dann für den unteren Klippenweg.


Neben zauberhaften Winterbildern wird mein Blick zu einer eine Million alten Kliffwand gelenkt. durch die eiszeitliche Auffaltung des Bodens entstehen hier Gemälde im Sandstein. Dazwischen Eisgebilde.


Eiszapfen in der Kliffwand

Inzwischen bin ich drei Stunden unterwegs. Ich bin durchgefroren, weil es so langsam voran geht.
Ich entschließe mich noch einmal an den Weststrand zu fahren. Aber erstmal auftauen im Auto mit Sitzheizung. Schöööön…
Zwischen der Sansibar und Hörnum gibt es noch zwei Abschnitte, die um Erkundung flehen. Eigentlich sieht der Strand hier nicht anders aus. Es ist das Wetter das Licht und der Wechsel der Gezeiten, die jedesmal ein anderes Bild vom Meer malen.

Ich finde einen schönen Weg durch die Dünen und ein Dünenbistro, das geöffnet hat. Welcome ❤️ Es sind sehr einladend aus, doch bin ich der einzigste Gast. Noch. Es wird gerade eingedeckt, wohl für den Abend. Ich schwanke zwischen Baby-Calamaris und belgischen Waffeln. Völlig gegensätzlich in der Tat … ich habe zwar kein Mittagessen gehabt und doch erhalten die Waffeln mit Kirschen und Vanilleeis den Zuschlag. Lecker.



Heute ist nicht mein Tag der Entscheidungsfreudigkeit. Ich merke das. Aber ok und akzeptiert. Dann eben langsam zum Auto zurück spaziert und den Bauch entscheiden lassen.
Hätte ich das mal besser gelassen, lach. Dieser nämlich entscheidet sich für die „Kupferkanne“ ein Künstlercafe in Kampen. Ein umgebauter ehemaliger Bunker.
Na dann. Ich folge meinen – nicht sehr gesunden – Bedürfnissen und steuere Kampen an.
Der Parkplatz empfängt mich mit einer eisigen Rutschpartie. Soll ich jetzt sagen, Gott sei Dank hielten die vielen tiefen Schlaglöcher meinen Arona davon ab, sich zu verselbstständigen?? Einzig ein gelbes Schild warnt vor Glatteis. Ach was! Ein bisschen enttäuschend finde ich das. Gerade weil es eine sehr „prominente“ Lokalität ist.
Drinnen ist es urgemütlich, groß, verwinkelt, teils im Keller, teils oben, sehr stilvoll mit vielen künstlerischen und antiken Elementen eingerichtet. Eine kleine Entschädigung für die uncharmante „Anreise“…



Der RhabarberKuchen schmeckt ausgezeichnet und für den hervorragenden Kaffee ist das Café eh bekannt.
Eine Besichtigung des kleinen Künstlerparks breche aus Lebensbedrohlichen Gründen ab. Er ist spiegelglatt gefroren. Schade eigentlich, aber es soll ja wärmer werden. Vielleicht auch hier ein zweiter Anlauf, bin ja noch da…
„Hallo Bauch?“ frage ich, als ich ins Auto falle. Nach Wenningstedt zu Gosch zum Abendessen? Das wäre jetzt die Krönung der Völlerei. Nein, ich bin doch zu müde vom langen Tag und der Bauch ist eh gerade voll. Eine Scheibe Brot aus dem äußerst attraktiven Speisesaal 🙃 tut‘s auch.
Und morgen? Beginnt die letzte Rehawoche und große Spannung wie ich die Feiertage hier verbringen werde….

Also meine Süße Maus,es war wieder herrlich,Deinen wundervollen Ausflug mitzuverfolgen.Ich glaube ich war irgendwie dabei und musste so oft lachen,wie charmant Du manche Hürden nimmst.Einfach große Klasse.Ich bin gespannt,was Du als Nächstes unternimmst.Sag Bescheid ich komme mit.🤗🤗🤗🙈🙈🙈Sea you.😘😘😘
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