Von Delfzijl nach Uithuizen

Es stehen heute 25 km an, bis Uithuizen. Sicherheitshalber habe ich gestern noch ein Zimmer reserviert, das kann ich bis 17:59 stornieren. 15 km Straße davon Asphalt. Na geil.

Heute morgen entscheide ich mich, eine Alternativroute mit KOMOOT zu planen. Und siehe da, es gibt auch Wege, die sich besser zum Wandern eignen! Aber dazu später mehr Impressionen.

Zuerst einmal habe ich mal wieder mein Hirn woanders geparkt. Ich bin früh wach und entscheide zudem, dass ich mit dem Zug raus aus der Stadt fahre. Noch einmal durchs Industriegebiet muss wirklich nicht sein. Meine Unterkunft liegt nahe des Bahnhof. Von dort fährt eine kleine Bahn nach Groningen und hält – wie für mich gemacht – nach 3 Minuten außerhalb Delfzijls.

Ich und Zeitdruck, das geht nicht gut. So auch heute. Ich packe meine Sachen, schnappe den Zimmerschlüssel und verlasse das Zimmer. Die Tür fällt ins Schloss. Auf der Theke der Rezeption der Hinweis, den Schlüssel hier abzulegen. Na dann. Ab zum Zug. Raus. Tür zu. Nach zehn Schritten fehlt mir was 😯 das was fehlt, steht brav in der Zimmerecke und nennt sich Wanderstöcke. Oh Nein! F… entfährt es mir laut. Logisch, zurück stelle ich fest, die Eingangstür ist zu. Ist ja auch erst 7:00 Uhr. Ich rufe an, keine Stöcke, das geht gar nicht. Nicht mit dem Wohnheim auf dem Rücken. Während das Telefon klingelt und mein schlechtes Gewissen sich angesichts der Uhrzeit meldet, erscheint aus der Küche des Restaurants gegenüber eine Frau mit fragendem Blick. Ich erzähle ihr von meinem Missgeschick und ihr glaubt es nicht. Sie gehört zum Haus und hat einen Schlüssel für die Haupttür. Ich bin gerettet, die Stöcke auch. Uff.

Die Bahn bekomme ich auch noch und steige an der nächsten Station aus. Leider im Regen…

Das ist mir aber ziemlich egal. Ich ziehe meinen äußerst attraktiven blauen Regenponcho aus dem Rucksack und verstecke mich und meinen Rucksack darunter. Er hält auch den steifen und kalten Wind ab, der mir um die Nase bläst. Mal sehen, wie lange ich als Blaukäppchen herumspazieren muss. Jedenfalls ist die Hitze vorüber und gut gelaunt beginne ich meine heutige Etappe.

Diese ist heute wirklich schön. Abwechslungsreich, liebevolle kleine Ortschaften, viele Pferde, Wasserläufe ohne Ende und freundliche Anwohner, die mich mit Hej begrüßen.

Der Regen hört auf und der Blaumann kommt wieder in die Hülle und wird griffbereit am Rücksack befestigt. Man kann ja nie wissen…

Ein langer Weg an einem Wasserlauf entlang entpuppt sich auf halber Strecke als kniehoher Uferbewuchs. Da muss ich jetzt durch. Die romantische und so herrlich stille Stimmung schlägt um. Schritt für Schritt kämpfe ich mich weitere 1,5 km durchs hohe Gras mit unebenem harten Boden. Nicht ungefährlich.

Meine Schuhe bieten nass und warm eine optimale Grundlage für ein Naturbiotop…wenn man sie ließe 😅

Im nächsten Dorf muss ich wieder schmunzeln als ich um die Kurve komme…

???

Ich stoße immer wieder auf die Markierung des Kustpads, also folge ich ihm offiziell und bin froh um diese Entscheidung.

Noch etwas überrascht mich heute. Gibt es doch tatsächlich inmitten des Weges neben einer Landstraße einen merkwürdig anmutenden Tisch und zwei Bänke. Sind da Steckdosen montiert?

In der Tat! Beim näher kommen entpuppt sich dieser Tisch als Solarplatte mit der Aufschrift: Chill and Charge 😆 eine geniale Erfindung und prompt chillen und Chargen auch wir beide!

Ich bin heute richtig angekommen. Ich habe meinen Rhythmus gefunden, der Rucksack sitzt nun richtig, den Füßen geht es gut, die Muskulatur hat sich an das zusätzliche Gewicht gewöhnt, ich habe wieder Augen und Ohren für die Natur und denke nicht daran, was mich morgen oder übermorgen oder …. erwartet. Apropos…welcher Tag ist heute? Jedenfalls nicht der 24. Juni. Autsch, habe den Geburtstag meiner Patentante vergessen.

Bereits gegen 13:00 Uhr erreiche ich mein heutiges Ziel. Ich hätte noch Kapazitäten frei und checke bei einem Softeis die Möglichkeiten in der Nähe.

Nix. Nix, was Sinn macht. Also bleibe ich hier und chille. Checke in der Unterkunft ein, gehe Proviant kaufen, hier hat heute eh jedes Restaurant oder Café zu weil Montag ist. Schon wieder so ein „toter“ Ort…. aber naja, er hat eine Wasserburg, die Menkemaborg mit herrlichen Gartenanlagen und einem Irrgarten, in dem ich mich vergnüge und den Ausgang auch wieder finde. Gott sei Dank, ich bin hier nämlich der einzige Besucher.

Zum Abschluss des Tages verweile ich noch am winzig kleinen Hafen, der aber, man staune trotz der Entfernung direkten Anschluss an die Nordsee hat. Die Boote, die hier liegen haben diese aber bestimmt schon lange nicht gesehen, seufz.

Dann ziehe ich mich mit meiner Verpflegung zurück aufs Zimmer und pflege meine Füße, die mich ja noch weit tragen wollen.

Goedenacht!

Hinterlasse einen Kommentar