Womit fange ich heute an? Die Nacht war unruhig, das Wetter hat sich verschlechtert aber unter Dach war es sehr warm ohne Klimaanlage. Eine Stechmücke tat ihr Übriges. Das Bein juckte wie verrückt. Sie musste sterben. Sorry.
Frühstück war auch nicht. Das Café am Ort noch zu. Die Verpflegung vom Aldieinkauf tiefgekühlt. Ja richtig. Gefroren. Ich hatte zwar einen Kühlschrank, der aber nicht richtig schloss. Ich drehte ihn auf 5 undm schob den Stuhl vor die Tür. Klappte. Der Inhalt war gefroren 😅 die Banane, die Wurst, das Brötchen. Kein Frühstück also, kein Kaffee.
Etwas frustriert ziehe ich los. Immerhin scheint die Sonne. Noch. Und. Ich streife den Camino. Das Tor zur Kirche gibt mir Aufschluss. Obwohl mich ein freudiges Gefühl durchzuckt, lasse ich diesen links liegen, schließlich bin ich auf dem Kustpad unterwegs.


Ob des drohenden Regens beschließe ich doch ein Zimmer in Pietburgen zu buchen. Ein Stück weiter als der Campingplatz aber trocken und mit tattaaaa Frühstück 😍
Damit ich mein Gewissen beruhigte, schon wieder ein Zimmer zu haben, nehme ich den Umweg über die Wattroute.





Der Wind pfeift ordentlich, ich laufe gegen ihn. Eine Qual mit dem schweren Rucksack. Aber gut. Zu heiß ist nix. Zu windig auch nicht. Und Regen? Nein Danke, dann lieber Wind. Der Regenponcho baumelt griffbereit am Rucksack. Wie gesagt, man kann ja nie wissen – und dann sollte es schnell gehen.
Direkt am Deich gibt es ein Café. Richtig! Auch dieses ist geschlossen.

Also setze ich mich oben auf eine Bank zu ersten Frühstück meiner inzwischen aufgetauten Verpflegung, und komme ins Gespräch mit einer aus Bulgarien stammenden Holländerin, die auch schon in Deutschland gelebt hatte. Ich erfahre, dass sie Nordholland öde findet – ach was – und gerne in Deutschland leben würde UND den Camino laufen möchte. Das ist mein Stichwort. Sie ist schon bestens vorbereitet wie ich merke, aber ihr Mann zieht nicht mit, er kann nicht und findet es für eine Frau zu gefährlich alleine. Sie radelt schließlich glücklich mit einer Liste von Argumenten und Tipps von dannen, nicht aber ohne mir vorher anzubieten, dass ich sie anrufen könne, wenn sie mich fahren sollte. Wie reizend aber Danke trotzdem!



Der Wind wird immer heftiger und ich mummle mich in meine Merinojacke bevor es weitergeht. Immer am Deich lang. Naja öde halt.
Dann ist auch noch der Weg gesperrt und ich muss noch weiter geradeaus am Vogelschutzpark vorbei. Hier ist allerdings wenig los. Trotzdem versuchen einige Vögel mit einer Angriffsattacke auf mich ihre Brut zu verteidigen. Mit wedelnden Wanderstöcken über meinem Kopf suche ich das Weite. Nein! Mich hat keiner beobachtet 😆

Ich bin nahezu allein hier. Immer noch. Ein paar Fahrradfahrer, die mir begegnen oder mich überholen. Ihre Gedanken über mich Trottel, der hier mühsam entlang stapft, möchte ich nicht lesen können.
Ich lege noch eine Rast ein und lass mir die magere Sonne ins Gesicht scheinen bevor ich meinen Weg fortsetze. Nach fast 14 km biege ich wieder ins Landesinnere ab. Es wird sogleich abwechslungsreicher.




Ich nehme Kurs auf Pieterburgen. Mein heutiges Etappenziel. Auf dem Fietspad ( Fahrradweg ) schließlich bin ich am Ziel.
Und ich bereue keineswegs meine Entscheidung nicht zu Campen. Meine Herberge im Dorphuis ist wundervoll. Mariele begrüßt mich herzlich. Es gut zwar ein Gemeinsames Bad aber auch ein Küche, mit Kaffeemaschine und allem Komfort. Der Kühlschrank ist gefüllt mit Getränken, Süßigkeiten und sogar Pizza. Bezahlt wird in der Dose oben drauf. Perfekt, ein Kaffee und ein Marsriegel bringen meine Lebensgeister wieder auf Vordermann.

Ich checke ein, lass mir den Frühstücksraum zeigen und begebe mich in die Seehundstation am Ort.
Um 17:00 entfernt man mich dort mit Mühe. Tolle Arbeit, die Artenschützer und Tierärzte hier leisten! Die armen Heuler werden auch wegen der großen Hitzeperioden immer mehr und hier liebevoll aufgepäppelt.


Nun sitze ich hier unendlich müde aber glücklich bei Fisch & Chips und einem Glas Wein.
Wenn in Deutschland der Abend erwacht werde ich schon schlummern um morgen ausgeruht die nächste spannende Etappe anzugehen. Mehr Eindrücke in vier Tagen ist kaum möglich!
Bis morgen. A tot ziens.