Regen prasselt gegen die Fenster meiner Unterkunft bei Maren & Jasper. Schlagartig bin ich wach und weiß, heute muss eine Entscheidung fallen. Welche auch immer…
Eingehüllt in meinen Blaumann verlasse ich die beiden und winke zum Abschied. Der kleine Sohn schaut mich etwas entgeistert an. Kein Wunder. Meine Erscheinung mit Riesenrücken eingehüllt in einen blauen Poncho ist nicht attraktiv, aber wirksam gegen dieses verrückte Wetter.
Ich nehme den Bus raus an die Küste nach SEXbierum. Ja SEXbierum 😅. Von dort ist es nicht mehr weit nach Harlingen. Ich steuere direkt mein Hotel an. Einchecken ist noch nicht möglich aber ich kann den Rucksack deponieren und mich mit kleinem Gepäck auf die Erkundungstour durch Harlingen machen. Klein Amsterdam. Grachten, Häfen, schöne alte Häuser und kleine Gassen.





Bei einem Kaffee erwacht die Straße, Buden und Geschäfte werden eröffnet, die Straße füllt sich mit Menschen. Musik ertönt. Altertümliche Musik ertönt. Das Museum stellt auch seine Schätze zur Schau. Spinnerinnen, Gebäck, Tonkunst. Und. Es wird eine Hochzeit gefeiert. Ob eine echte bleibt ein Rätsel. Obwohl das Brautpaar in einem Juweliergeschäft verschwindet und sie stolz ihren Ring präsentiert. Den ganzen Nachmittag ziehen die beiden mit den Musikern durch die kleine Stadt.



Am Hafen entdecke ich das älteste Boot der Niederlande. Der Goldene Swan. Mit dem Willem Barentsze eine Expedition nach Asien mit einer Besatzung von 17 harten Männern startete.












Diese Jacht wurde liebevoll in jahrelanger Arbeit nachgebaut. Kaum zu Glauben dass 12 von 17 Männern diese Reise lebend überstanden, obwohl sie im Eismeer festsaßen und sich mit einem Ruderboot der Küste entlang retteten. Ich bin wirklich beeindruckt und beschämt, was diese Kerle aushalten mussten. Nur um die Welt zu entdecken!
Der nächste Besuch gilt dem hiesigen Strand, der bei starkem Wind nahezu menschenleer ist. Allein zwei Kitesurfer toben auf den Wellen herum. Ich schaue Ihnen von der Terrasse der Strandbar aus bei einem Aperol zu. Der Kellner lacht nur, als ich mich entschuldigte, dass er wegen mir allein hinaus musste, im kurzen Shirt.



Ein Strandlauf fördert innerhalb eines Meters! diesen Müll zu Tage, den ich mitnehme und im bereitgestellten Eimer entsorge.


Da wird einem so richtig bewusst wie wir mit unserer Umwelt umgehen. Ein großes Kunstwerk macht ebenso auf die Verschmutzung unserer Meere aufmerksam.

Am Leuchtturm vorbei geht es wieder zurück zum Hotel. CheckIn Time.

Als ich diesen Reisenden sehe muss ich unwillkürlich lachen. Dass ich ein Zelt mitschleppe. Ok. Aber ein Boot??

Der CheckIn entpuppt sich als ein Zimmer unter dem Dach. Ein verwinkeltes altes Zimmer mit Teppichboden, von dem ich nicht wissen will, wie lange er hier schon Füße erträgt, und der Hammer: Samtbettwäsche! Ok. Das Bad ist renoviert, sogar mit Fön. Das Haus ist ewig alt. Dafür gut gebucht. Es hat eben alles seinen Charme. Für eine Nacht knapp 100 Euro aber nicht gerade angemessen.
Ich zähle eins und eins zusammen – schließlich habe ich Mathe-Abi – suche nach der nächsten Unterkunft und genau in diesem Moment fällt die Entscheidung.
Nach mit heute knapp 200 km zu Fuß, die Provinz Groningen und Friesland durchwandert , mit einer Wander-Purpura-Entzündung an den Unterschenkeln, die Schmerzen bereitet, ist genug. Ich habe zwei Nächte in einem winzigen Zelt verbracht, bin durch das wohl ödeste Nordholland gewandert und ich habe den 3. Teil des Kustpads bis auf wenige Kilometer vollendet.
Somit geht mein Zelt in wenigen Minuten auf Reise. Von Holland nach Hause zu meiner Mutter, die es glaube ich auch sehr begrüßt, dass ich dieses Vorhaben aufgebe.
Nachdem ich auf der Poststelle das Paket mit Zelt, Isomatte und Schlafsack aufgegeben habe, durchfährt mich eine solche Erleichterung, die ich gar nicht beschreiben kann. Nicht nur, dass sich mein Rucksack um fast 3,7 kg erleichtert, sondern auch, weil sich das Wirrwarr in meinem Kopf entwirrt. Mit weniger Gewicht werde ich besser laufen können, ab heute genieße ich die Stationen auf meiner Reise. Ich überquere morgen das Ijsselmeer mit dem Bus/Zug. Ich habe ein festes Zelt am Wasser auf einem Campingplatz in Westerland. Nein, nicht auf Sylt, am Amstelmeer auf dem Weg nach Den Helder gemietet.
In den Helder sehe ich weiter. Das Wetter wird sich vor dem Wochenende nicht ändern, nirgends.
Jetzt genieße ich aber erstmal meinen Abend in Klein Amsterdam und freue mich morgen aufs Glamping am See 😊 Vielleicht scheint ja mal die Sonne. Vielleicht.
Ich spaziere glücklich durch die Gassen. Finde noch ein lohnenswertes Foto einer genialen Idee auf sich aufmerksam zu machen und gönne mir ein Glas Wein im Windschatten eines Bistros..

Nichts muss, alles kann, hülle mich in meine Samtbettwäsche und sage bis morgen 😘