Glamping in Westerland (NL)

Der Tag startete eigentlich perfekt. Den Rucksack erleichtert, das Wetter trocken, die Spannung auf das Glamping im Tiny-Tent, das zudem auch bezahlbar ist und am Wasser liegt, alles passt .

Und doch sollte es anders kommen. Zuerst aber einmal genieße ich diesen leichten Wandertag. Auf dem Weg hinaus aus der Stadt treffe ich die altertümliche Gruppe wieder. Hartgesotten haben auch sie wohl in den einfachen Zelten übernachtet und frühstücken gerade.

Kurz vor dem Ijsselmeer nehme ich den Bus. Kein Mensch möchte 30km neben der 4-Spurigen Straße das Ijsselmeer zu Fuß überqueren. Ich auch nicht. Die Busfahrt allein dauert 30 Minuten.

In den Oever angekommen folge ich wieder dem Kustpad, der heute ausgesprochen abwechslungsreich ist. Nicht zuletzt, weil hier echtes Meer ist und kein Wattland. Allerdings ist es kalt, der Wind hat fast Orkanstärke und ich muss gegen ihn ankämpfen.

Bei einer kleinen Mittagspause leistet mir ein Seevogel Gesellschaft, der ständig um mich herumtänzelt. Alle anderen sind in Gruppen unterwegs. Er ist wohl ein einsamer Wandergeselle wie ich 😅

Als ich ins Landesinnere abbiege bin ich ziemlich froh, der kalte Wind hat mich förmlich gefrostet und ich genieße augenblicklich wieder etwas Wärme. Auch die Sonne lässt sich stärker blicken und wärmt die kalten Glieder.

Kurz vor einem kleinen Ort stoße ich wieder auf den Jakobsweg.

Ich muss allerdings in die andere Richtung, mein Campingplatz liegt ja in Westerland.

Dort geht es auch erstmal hindurch, nachdem ich mich im hiesigen Supermarkt- ja, die haben hier immerhin auch Sonntags geöffnet- mit Lebensmitteln eingedeckt habe. Was ich natürlich sofort am Gewicht spüre.

Mein Ziel ist die Beachbar, die schließt nämlich um 15:00 Uhr, also kein Ziel für heute Abend. Ich weiß jetzt auch wieso…

Die Schafe hier waren gerade beim Friseur und sehen jetzt richtig schick und vor allem sauber aus 🤣

Die Beachbar befindet sich an einem Surfstrand. Bei einem Kaffee schaue ich auf der Geschützen Terrasse den manchmal verzweifelten Versuchen der Surfschüler zu. Bei dem starken Wind auch kein leichtes Vorhaben. Respekt!

Ich habe schon bessere Fotos gemacht, heute ist irgendwie der Wurm drin. Liegt vielleicht auch daran, dass meine rechte Hand etwas gehandicapt ist.

Ich bin zu blöd, ein Brötchen aufzuschneiden 😮‍💨 eigentlich weiß ich garnicht wie das passiert ist. Es ging sauschnell. Ich hatte das Schweizer Messer in die linke Hand genommen, weil ich das Brötchen belegen wollte … und Zack fiel mir die Wurst herunter, ich griff danach und das Messer nach mir oder so.

Ein kleiner, aber tiefer Schnitt war die Folge der Selbstzerstümmelung. Autsch. Blut. Noch mehr Blut. Mit linken Hand fischte ich mein Safety-Pack aus dem Rucksack und klebte mir irgendwie ein Pflaster drauf. Das half nichts. Also ein Verband, der hielt die Nacht ganz gut, beim Duschen heute morgen aber ging alles wieder auf. Mist.

Zurück zum Surfstrand. Es war Check-in Time. Pünktlich um 15:00 Uhr erreiche ich den Campingplatz. Natürlich war die Rezeption geschlossen. Inzwischen weiß ich aber was zu tun ist. Ein Anruf und der Platzwart ist augenblicklich zur Stelle. Er trägt ein T-Shirt „Ich will zurück nach ….“ Eben: Westerland. Genauso humorvoll ist er auch. Leider ist mein Zelt noch nicht Check-in bereit. Also lädt er mich zu einem Kaffee im Camping-Café ein, was im übrigen auch ein Restaurant ist und kein schlechtes ( ich hab mich ja aber bevorratet) und ich warte bis mir der Weg gewiesen wird. Zu meinem Glamping-Zelt:

Da hängt bereits jetzt auch meine Wäsche 😉 Nach der Arbeit folgt bekanntlich das Vergnügen. Ich ziehe mir kurze Hosen an, denn es ist inzwischen wärmer, was man vom Wind nicht behaupten kann und suche mir ein stilles Plätzchen abseits des Kite-Surf-Strandes.

Vom Steg aus lasse ich die geschundenen Füße einer Meereskur unterziehen und fange dabei die letzten Sonnenstrahlen ein. Der Himmel wird zunehmend dunkler. Noch ein paar Naturfotos, dann wird es mir doch wieder zu kalt und ich trete den Heimweg an.

Den ganzen Tag über war ich voller Energie, den Weg fort zu setzen, dem Wetter zu trotzen und weiter zu gehen. Ich habe heute die 200 km Marke geknackt. Definitiv. Obwohl ich es nicht wirklich verfolgt habe und es darauf ja auch nicht ankommt. Abschalten wollte ich, Wandern, frei sein, alles einfach geschehen lassen…

Aber: Leben ist das, was passiert, während Du andere Pläne schmiedest!

Meiner geht nicht auf. Seit zwei Stunden sitze ich vor meinem schönen Zelt, dass übrigens Strom, Licht und einen Kühlschrank! hat, und versuche eine Unterkunft zu finden. Nicht mal annähernd etwas zu bekommen. Ich quäle das Internet, rufe an, suche in größerem Radius. Nichts. Nichts, was bezahlbar wäre für eine Nacht auf Wanderschaft. Ich bin in der Urlaubsregion angekommen. Das merke ich schmerzhaft.

Das Wetter spielt auch nicht mit. Nicht vor Freitag. Ich breche hier ab. Mein Entschluss steht fest. Ende von Kustpad – Teil1.

Nervig die Suche nach Unterkünften. Jeden Abend das Handy in der Hand, ständig Buchungen erledigen, checken und auf Anweisungen der Gastgeber reagieren. Kein Spaß.

Es war trotzdem eine tolle Zeit, ein tolles Gefühl wieder einmal unterwegs zu sein, nicht zu wissen wo man morgen sein wird. Jeden Tag Neues sehen – naja, bis auf die Deiche und Schafe halt .

Gerade habe ich Zimmer in Amsterdam gebucht. Entweder bleibe ich noch für eine Stadtbesichtigung oder … ich checke für die Heimreise ein.

Ich werde noch ein Stück in Richtung Süden wandern, dann einen Zug nehmen, der mich nach Amsterdam bringt.

Bis dahin darf ich aber noch die Erfahrung des Glampings mit euch teilen. Wobei zu bemerken ist, dass die Campingplätze außerordentlich luxuriös sind! Top Anlagen, top sauber und extrem ruhig!

Ein solches festes Zelt, das es natürlich auch in gehobeneren Varianten gibt, würde ich für einen längeren Zeitraum- natürlich in Strandnähe – jederzeit in Erwägung ziehen.

Der ganz große Bruder mit allem Schnick-Schnack

Schon schick oder?

Also dann, Kustpad Adieu, Amsterdam, ich komme!

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