Kustpad trifft Camino

Zur gestrigen Nacht im Zelt nur soviel : ich bin stolz auf mich, dass ich das noch durchgehalten habe. Ich hatte alles an, was noch trocken war. Den dünnen Sommerschlafsack, die Kapuze meiner Wolljacke über den Kopf gezogen und fror. So elend, dass ich noch das Regencape ausgebreitet über den Schlafsack legte, damit die kalte und feuchte Luft nicht durchdringen konnte.

Das führte natürlich dazu, dass ich bei jedem Umlagern meines in die Jahre gekommenen Körpers akrobatische Übungen machen musste. Hier zupfte, dort ruckte und zuckelte, bis alles wieder luftdicht verschlossen war.

Um halb eins Nachts schreckte mich Dir Kirchturmuhr hoch. Allen Ernstes schlug diese alle 15 Minuten und zeigte die Zeit. Wer braucht das mitten in der Nacht? Da ich nun schon wach war, schälte ich mich aus den Lagen an wärmenden Material zog mir die Trekkingschuhe an und schlich über den knirschenden Kies zur Toilette. Hier war es trocken und häuslich eingerichtet …. wie gesagt, ich bin auf einem Campingplatz, habe aber auch für 1,5 qm Wiese 17,50 Pacht/Nacht bezahlt!

Ich verwarf die aufkeimende Idee sofort … 🫢 und tapste zurück zum Zelt. Irgendwie habe ich es geschafft, diese Nacht zu überstehen. Mit einer Erkenntnis: gezeltet wird nur noch bei Sonnenschein und Temperaturen oberhalb der 30 Grad-Marke!

Ich wollte mich kurz halten…sorry.

Gegen 7 Ihr gehe ich duschen, packe alles zusammen um es nach vorne zu tragen, wo bereits die Sonne endlich durchbricht, damit ich wenigstens alles noch ein wenig trocken bekomme. Zumindest das nasse Uelt. Die Zeit des Wartens verbringe ich damit, mir zu überlegen wohin und wie es heute überhaupt geht.

Besonders das rechte Bein ist feuerrot und brennt inzwischen. Ich muss pausieren oder zumindest zwei Gang zurück schalten.

Ich nehme den Bus nach Stiens, dem nächsten größeren Ort, um eine Apotheke zu suchen.

Stiens ist sehr nett im Centrum, besonders die Wohnlage am Wasser ein Traum ….

Ein kleines Frühstück ist auch drin. Laufen muss ich trotzdem. 2 km hin. Und 2 km wieder zurück. Eine Apotheke gibt es hier NUR im Gesundheitscentrum. Das wiederum gibt es nur am Ortsrand. Super!

Der Weg ist auch umsonst. Meine Salbe gibt es nicht. Mir kann auch keiner eine Alternative empfehlen. Ruhe, hoch lagern und kühlen…

Schon vergessen? Ich bin gerade auf einem Wandertrip durch euer schönes Land?

Ich nutze die Gelegenheit auf ein Fischbrötchen und suche eine Verbindung zurück an die Küste.

Den Abstecher nach Westhoeck lasse ich mir jetzt auch nicht nehmen. In Sint Jacobiparochie nämlich beginnt ein Jakobsweg an der dortigen „Kerk“. Da MUSS ich einfach hin.

Westhoek

Ich habe heute ein kleines Airbnb Domizil außerhalb des Weges, dass ich von Sint Jacobiparochie mit dem Bus anfahren kann. Die letzten 2,6 km zum Ziel streife ich einen Supermarkt, decke mich mit Spaghetti und Bolognese und Bollen zum Frühstück ein und bin mir sicher. Ich laufe heute keinen einzigen Schritt mehr. Es sind trotz alledem 15 km zusammen gekommen. Hier in dieser Einöde überhaupt kein Problem!

Und wenn ihr jetzt schon gedacht habt, ich hatte einen Schaf-freien Tag? Muss ich euch enttäuschen. Ich schlafe heute zwischen Wasserstraße und – genau: einer Schafherde.

Und genau vor diese Fenster ziehe ich jetzt die Vorhänge und genieße ein warmes breites Bett mit kalten Wadenwickeln.

Denn Morgen ist ein neuer Tag, der mich nach Harlingen bringt …

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