Das habe ich mich heute mal wieder gefragt. Es ist doch Urlaub. Aber es ist auch Freiheit, Langsamkeit und dieses unglaubliche Gefühl des Ankommens. Es regnet heute nur einmal. Gefühlt. Gefühlt zerre ich aber den Blaumann 30 mal rauf und wieder runter. Weil man darunter unglaublich schwitzt. Auf der anderen Seite möchte ich meinen Rucksackinhalt trocken wissen. Was mir auf dem Camino passiert ist, wiederholt sich nicht.
Anfängerfehler. Alle Kleidung ist in Zippotüten verpackt und gerollt. Um kleinstes Packmass zu garantieren.
Trotzdem verlasse ich nach einem kurzen Kaffee im Regen in der „Werft-„Lounge die Provinz Groningen, um über die Landgewinnungszone hinüber nach Friesland zu laufen.




Mitten durch die Speisekarte der Seevögel 🦀 die hier offensichtlich bei Ebbe einen reichlich gedeckten Tisch vorfinden.
Mehr brauche ich zum heutigen Weg nicht berichten. Die „Rasenmäher des Nordens“ nerven langsam, ich navigiere durch ihre offenbar dauerhaft und ständigen Hinterlassenschaften und Tretminen, ertrage das ständige Blöken, entziehe mich ihren starren Blicken, ich werde fast von einem Hund angefallen, dem ich mit meinem blauen Umhang extrem gefährlich vorkomme. Die Besitzerin hat ihn Gott sei Dank im Griff. Was ich von der Kuhherde nicht behaupten kann. Laut blökend kommen sie wild buckelnd hinter einem Wall von Uferbewuchs auf mich zu galoppiert. Entschuldigt, ich habe kein Beweisfoto. Nicht wissend, ob sich hinter dem Gestrüpp noch ein Zaun befindet, habe ich mich schnellstmöglich aus dem Staub gemacht. Gegen 10 Kühe kommen auch meine Trekkingstöcke nicht an. Ja, ich weiß, ich bin ein Angsthase. Aber Angst schützt Dein Leben. Eben. Etwas ganz normales!




Es gibt auch Schönes zu berichten. Das meist geschossene Foto an der See ( davon habe ich auch schon etliche) oder das freilaufende Huhn mitten am Ort. Oder eine Familie mit Lastenfahrrädern, die so laut klingelten und riefen, bis ich mich oben auf dem Deich umdrehte…. sie winkten mir alle viere lachend zu ….wie schön!
Die Wucht des Meeres wird mir wieder mal bewusst, als ich in die Nähe des Wattenmeeres komme, meinen Rucksack sprichwörtlich im Regen stehen lasse, und die Fotos zu machen – ja, bei strömendem Regen und gefühlt Windstärke 7. Nicht zu sprechen von dem glitschigen Untergrund..


Es ist geht mir heute zäh von der Hand ( äh….von den Füßen) der gestrige Tag steckt mir noch in den Knochen, dazu kommt die „Pilgerkrätze“ oder feiner ausgedrückt „Purpursa d‘effort“, die ich seit gestern mein Eigen nenne.
Entsteht durch Überbelastung bei langem Wandern, sieht sch… aus, tut in meinem Fall auch weh und sind geplatzte Kapillaren… den Rest könnt ihr googeln. Bilder erspare ich euch.
So erreiche ich nach einem Überfall eines plötzlich auftauchenden Spar-Marktes ( Cola und ein belegtes Brot) schließlich langsam aber stetig den heutigen Ort meiner Beherbung. Ein Campingplatz in Holwerd. Ich habe lange überlegt. Das feste Zelt wird mir auch 25 Euro billiger angeboten als bei Booking.com. ( klar, heute kommt keiner mehr) aber ich entschließe mich fürs zelten. Es soll die Nacht trocken bleiben, morgen um 10 schon 18 Grad, Wehe wenn nicht!
Der Ort ist total hübsch, wie man sehen kann. Durchgefroren nach einem Powernapp im Zelt und immer noch müde habe ich schon die Hoffnung auf einen schönen Abend aufgegeben, da entdecke ich das einzige Hotelrestaurant am Ort. Ich erinnere mich auch, das Zimmer war mir viel zu teuer.





Und das ist das, was ich so liebe: die Belohnung für mich selbst! Eine Vorspeise mit kleinem Salat und ein Wein ( ok, inzwischen zwei) reicht, um diesem Tag ein sensationelles Ende zu geben. Sensationell ist das Essen, was man hier niemals vermuten würde. Danke schön! So lecker. Und schreiben kann ich auch, den Tag Revue passieren lassen… Eindrücke festhalten und wissen: ich gehe weiter. So wie auf dem Camino. Jeder Tag hat seine Besonderheiten und seine schönen Erlebnisse. Man muss sie nur zulassen und sehen. Und sich manchmal auch selbst belohnen….


Mehr bleibt mir heute nicht zu sagen.
Eat. Sleep. Walk. Repeat.