Nein, ich mache keine Kreuzfahrt. Aber ich fand es zufällig am Hafen. Noch nie stand ich vor einem Kreuzfahrtschiff. Das ist ähnlich imposant und zugleich spektakulär wie ein A380. Wie diese Dinger fliegen und äh schwimmen können ist auch für mich als „versuchter “ Bauingenieur ein Wunder, das man so einfach nicht erklären kann. Und trotzdem verhält es sich auch hier für mich wie mit dem Fliegen: nicht meins 👣
Aber von vorn. Der Tag begann mit Regen. What Else. Und das nach vier Stunden Schlaf. Echt niederschmetternd. Schnell bin ich angezogen, das Frühstück lockt. Es war ok. Wie ein Frühstück in einem 2* in Portugal eben ist.
Es ist früh, die Sonne gerade aufgegangen und so mache ich mich auf den Weg zur U-Bahn und zur Haltestelle der historischen Linea 28E.
Noch ist wenig los und so bekomme ich einen Fensterplatz und scheppere, ja scheppere, mit der alten Dame auf und ab durch Lissabons enge und extrem steile Gassen. Und. Ich verstand warum Lissabon auch das europäische San Francisco genannt wird.






Auf dem Rückweg steige ich in Hafennähe aus und schlendere durch enge Gassen auf der Suche nach einem Café. Gefunden ☺️ Pause.



Gerne hätte ich hier noch Zeit verbracht aber mein Bus wartet nicht und ich muss unbedingt noch zu Decathlon. Ich suche die nächste Bushaltestelle und stehe rätselnd und auf deutsch vor mich hin brabbelnd vor dem Fahrplan. Google maps meldet lautstark: „Sie haben ihr Ziel erreicht, der Bus fährt in 4 Minuten“ Nur welcher der Busse? Da spricht mich die Dame neben mir auf Deutsch an: brauchen Sie Hilfe? Sie schickt der Himmel! Ja so gern!
Wir fahren mit dem gleichen Bus und ich erfahre dass sie Reiseleiterin ist.. Zufall? Schicksal einer Peregrina?
Ich finde den Weg durch einen herrlichen Park und kann mein Glück kaum fassen. Wie über mir wechseln sich gerade auch bei mir Sonne und Wolken ab.

5 Minuten später stehe ich im Decathlon. Zum Glück. Denn es regnet wieder. Ich erstehe Wanderstöcke, ein Outdoormesser und Batterien. Gamaschen haben sie leider auch hier nicht.
Die Metro bringt mich zum Busbahnhof Siete Rios. Da ich noch über eine Stunde Zeit habe, drehe ich eine Runde im hiesigen Lidl und suche mir eine kleine Bar in der Nähe.
Ich bestelle einen Vino (1,50€ 😅) und patatas fritas – etwas warmes braucht der Wanderer auch, hatte ich aber schon ein Sandwich vom Lidl verspeist…
Zwei Wanderer – unschwer am Outfit und dem Rückengepäckstück zu erkennen sind gerade dabei meinen erwählten Tisch zu kapern. So nicht. Sie sprechen Deutsch und mit einem kurzen „der ist mir“ – natürlich lächele ich dabei – weise ich sie zurecht. Ok. Es gibt nur noch zwei kleine Tische draußen im Nieselregen. Ich biete Gesellschaft an. Gesagt getan hocken wir zu dritt bei Fritten und erfahren, dass wir drei dieselbe Route nehmen.
Das Pilgergeplänkel geht los: wo startest Du? Wohin? Wielange? Das erste Mal? Und so weiter und so weiter. Sie kommen aus Münster, gutes Mittelalter und voll Humor.
Eine weitere Pilgerin erkennt Gleichgesinnte und bittet um Asyl für ihren MEGA Rucksack. Sie muss was einkaufen. Klar. Unter Pilgern Ehrensache. Wir erfahren sie ist bereits 2,5 Monate unterwegs mit Zelt von Frankreich aus und bereits 2000 km gelaufen. Das Ziel. Ich werde blass. Sagres. Erstmal. Respekt.
Leider verlässt sie uns weil ihr Bus fährt, sie setzt weiter im Norden ein. Auch klar. Also für sie.
Jochen hatte offensichtlich zu viel Patatas, denn plötzlich gibt der Holzstuhl unter ihm nach und bricht. Schallendes nicht mehr endendes Gelächter und Spott sind ihm sicher.
Wir sind einer Meinung, so kann es weitergehen. Als der Bus Porto erreicht und ich mit meinem Rucksack auf der Straße (im Regen) stehe sind die beiden wie vom Erdboden verschluckt. ich befürchte fast, sie sind eingeschlafen und haben den Halt verpasst, vielleicht waren sie meiner auch überdrüssig und haben sich schnell verdrückt. Mal sehen, ob sie mich morgen überholen.



Ich habe 5 km Vorsprung. Konnte es ja nicht erwarten und bin schon mal los zu einer Campinganlage, in der ich ein Appartement gemietet habe.
Die nächsten Bilder sprechen Bände. Etwas Schöneres und Beeindruckendes an Natur habe ich noch nicht gesehen. Und das ist erst der Anfang. Da ist noch viel Luft nach oben. Und morgen gibt es sicher mal ein Video…
Ich gehe jetzt duschen und freue mich auf Morgen und den Fischerpfad Etappe 1.2.





Zu meiner Unterkunft ging’s übrigens hier entlang. Rechts im Vierfüßler ganz Yoga. Das Ungetüm auf meinem Rücken war einfach im Weg 😂


