Tag 2 Vila Nova de Milfontes nach Almograve

Des Pilgers-Leid. Warten auf den Check-In bei leider strömendem Regen.

Aber beginnen wir 06:30 in der Früh. Heftiger Regen und Sturmböen reißen mich aus einem einigermaßen erholsamen Schlaf. Na prima. Ich fische nach dem Handy und der Wetter-App. Sollte ich ihr glauben stehen heute Starkregen und Sturmböen an. An Schlaf ist nicht mehr zu denken.

Es ist eine Entscheidung zu treffen. Ich packe, telefoniere noch mit zuhause und mit dem Fährdienst.

Ich bin nicht gewillt 4 km Umweg über die Brücke zu laufen, um über den Fluss zu kommen. Nicht bei diesem Wetter. Die Tochter des alten Fährmanns, der seit Jahrzehnten Einheimische und Touristen über den Fluss bringt bejaht: we are here!

So happy. Ich ziehe in strömendem Regen los. Zusammen mit einer Wandergruppe und Julia aus der Ukraine, die ich gestern schon kennen lernte, setzen wir über.

Julia nimmt den Strandweg, aufgrund der einsetzenden Flut gehe ich aber kein Risiko ein und gehe den offiziellen und markierten Weg. Der ist heute äußerst abwechslungsreich aber dennoch völlig anders als der gestrige.

Pfade im Hinterland der Dünen wechseln sich mit sandigen Pfaden in den Dünen ab. Dschungelartige Wege durch niedrige Pinienwälder sind mystisch, erfordern aber teils Beweglichkeit und keine Angst vor Blessuren !

Ganz im Ernst, auf allen Vieren bin ich noch nicht oft herausgefordert worden. Aber durch was ich da heute durchmusste mit meinem Rucksack, mit dem man bitte schön nicht gebückt gehen kann, weil das Teil einen eh irgendwann zu Boden zwingt, allerhand. Bleibt jetzt die Frage, was anstrengender war. Die Kriechgänge durch den Piniendschungel oder die km-langen Sandwege, die auch keinerlei Alternativen boten.

Aufmunternd in jedem Fall die Botschaften unterwegs:

Natürlich wird aber auch alle Mühe mit phantastischer Natur belohnt, die jeden einzelnen km rechtfertigen!

Ich habe Glück, seit drei Stunden bin ich „trocken“ unterwegs, auch wenn der Himmel anderes droht.

Ich erreiche einen ewig langen Strand, der, bei besserer Wetterlage sicher einen Abstieg wert gewesen wäre. So aber begnüge ich mich mit einer kurzen Rast.

Um kurz danach, na klar, mich bei böigem Wind und Starkregen wieder unter meinem Cape zu verkriechen.

Leider zulange gewartet, bis ich endlich darunter verschwinden kann, bin ich durch und durch nass.

Bei nachlassendem Regen und nach heute schlappen 11 aber auch anstrengenden km erreiche ich Almograve, mein heutiges Ziel.

Als ich die geschlossenen Bars und Mercados wahrnehme wird mir schmerzlich bewusst, dass heute Sonntag ist. Positiv: ich bin abgeschaltet, nach nur 3 Tagen. Negativ: Sicherung der Grundversorgung in Gefahr!

Das geht nicht nur mir so, Innerhalb der nächsten Stunde versammeln sich zahlreiche Leidensgenossen unter der schützenden Markise eines Mini-Mercados, der just nach meinem Eintreffen schloss. Ein daneben liegender war noch auf. Die Besitzerin ließ sich breit schlagen, und noch etwas zu verkaufen… hier ein Kaffee, dort eine Cola, und ich? Ich nahm aus purer Verzweiflung ein Bier. Mussten wir doch hier bis zum CheckIn ausharren.

Wir vertrieben uns die Zeit mit Späßen, Geschichten des Tages und wissen doch außer des Herkunftslandes nichts voneinander,

Und doch verbindet uns eines. Die Leidenschaft der Freiheit des Wanderns und der Gefangenheit in Anbetracht des Wetters.

Indes regnet es schon längst wieder in Strömen.

Nach zwei Stunden. völlig feucht und kalt, eingemummelt in alles was ich noch trocken habe kann ich einchecken, lasse meine Leidensgenossen mit einem „See you“ zurück und stapfe tapfer im Regen meiner Unterkunft entgegen.

Eine heisse Dusche und die noch letzten trockenen Klamotten wecken wieder die Lebensgeister in mir. und den Hunger.

Also wieder raus. Cape drüber um zum einzigen Restaurant am Platze, einem Inder zu gelangen. Ich treffe ? aus Polen und Julia wieder, später tauchen das junge Pärchen aus dem Schwabenland auf. Ich genieße das indische Curry, den Wein und die Gesellschaft. Julia und mich verbindet der Camino und unser Geburtstag, den wir beide in Portugal verbringen werden. Darauf stoßen wir natürlich mit einem Glas Wein an.

Der Heimweg gleicht einem Wasserbad. Almograve versinkt im Starkregen. Wenn die Schuhe den Tag überstanden haben, nun sind sie komplett durch.

Aber. Morgen soll es schöner werden. Ich glaube daran. Sonst wäre ich nicht hier!

Boa Noite!

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