Der Tag beginnt mit … na? Ja! Regen. In der Nacht gewitterte es, dann war etwas Ruhe, um halb sieben dann wieder Starkregen. Wann bitte hat das ein Ende. Die Klamotten und Schuhe nass, ich will einfach nur weiter…
Ich bin mir sicher. Jochens Sonnentanz gestern vor dem Minimercado – als wir tapfer dort bis zum CheckIn ausharrten – hat geholfen. Um 09:00 hört es auf zu regnen. Der Himmel hell, die Wolken fast weiß. Ich packe. inzwischen Routine.
Ein Frühstück im Minimercado mit deutschem Hintergrund und los gehts..


Der Weg führt mich an den Strand und weiter ca. 2 km auf breitem Weg die Küste entlang. Mir schwant schon. Eingewöhnung für die Muskeln auf die Sandetappe 😎


Die nächsten Kilometer dann begrüßt mich der lieb gewonnene Dünensand. Ich habe inzwischen meine Taktik; immer in die Fußstapfen des Vorgängers treten, man sinkt nicht tief ein und bekommt nicht so viel Sand in die Schuhe. Erfordert natürlich auch etwas mehr Aufmerksamkeit .
Schont aber die Kräfte. Es ist einfach überwältigend, was mir hier geboten wird. Dazu noch aller bestes Wanderwetter, warm, kühle Meeresbriese und Sonne. What a happy day!

Nach weiteren 4 km führt der Weg in einen Wald. Eine willkommene Abwechslung für die Beine. Es geht ein Stück schneller voran, bloß Achtung, man übersieht schnell ein Zeichen und darf – wie ich heute – wieder zum Ausgangspunkt zurück !

Verflixt, sobald man wieder die Brandung hört, das heißt sich dem Atlantik nähert, freut man sich gleichermaßen auf die sandigen Dünenwege .

Ein Highlight heute ist zu diesem Zeitpunkt die Bucht in die ich unbedingt absteigen muss. Zurück gelassene Rucksäcke zweier Mädels ignoriere ich und steige mitsamt meiner Last hinunter…


Hier unten fühlt man sich klein, Sehr klein. Den Naturgewalten ausgeliefert. Hilflos. Eine Riesenwelle kommt, ich laufe nur zurück. Machtlos. Um mich herum Felsgestein.
Beeindruckend.

In der Ferne sehe ich inzwischen schon den Leuchtturm vom Cap. Ich bin meinem Etappenziel schon sehr nahe. Denke ich.
Ich möchte aber das Cap heute noch besuchen. Ich habe keine Eile. Und lege daher auch eine kleine Chillrunde auf der Bank am Cap ein und lasse mich von den Sonnenstrahlen kitzeln.

Wie von Geisterhand verebbt der Pilgerstrom ab 13:30 h. Die meisten wandern bis Zambujeira und passieren Cavaleiro nur. Das heißt aber bis Mittag müssen sie hier durch sein, um Zambujeira vor der Dunkelheit zu erreichen.
Ich hingegen habe keine Eile, bin ich doch fast am Ziel. Noch 5 km trennen mich von hier zu meiner, leider etwas im Hinterland gelegenen Unterkunft.
Dazu aber später mehr.
Zuerst treffe ich – ich nenne es mal Schicksal – nachdem sowohl der Supermercado als auch das Restaurant geschlossen hat – und nur die Snack-Bar übrig bleibt, wo sich alle, Wanderer, Touristen und Einheimische einfinden – Enrique.
Enrique mit seinem Esel und Ana, die ihn so oft wie möglich begleitet. Enrique, der bekannteste Camino- Peregrino. Und, mich haut es fast um, wir auch noch irgendwie verbunden mit unserem Arbeitgeber sind, Enrique allerdings seit 8 Jahren in sogenannter „Freiheit“ lebt.
https://www.cm-valenca.pt/9162
Ihr findet ihn auch auf Facebook.

Der Nachmittag zieht sich, es wird wir eine Party daraus, eine einzigartige Community, wie ich sie bislang nur vom Camino kenne. Zufall oder Schicksal?
Enrique schenkt mir sein Armband, ich werde es in Ehren halten. Versprochen.
Enrique, Ana und der Esel ziehen weiter in Richtung Norden, ich Richtung meiner Herberge. Nachdenklich über diese Begegnung und diesen Nachmittag.
Ich campiere in einer Ferienanlage ziemlich außerhalb. Allein, vermute ich. Self-CheckIn wie heute üblich. Es ist alles dunkel. Mein Apartment liegt direkt am Pool.
Na dann, eine Runde schwimmen im Abendlicht. So 😎 und dann ab in die Hängematte auf der Terrasse.

Nur leider ist es auch hier Ende Oktober und der Spaß hat ein frühes Ende. Es wird kalt. Auch hier.
Es ist ruhig hier. Nichts. Genau das, was ich jetzt schätze.
Und morgen früh ein Bad im Pool, vor dem Frühstück? Mal sehen 😃
Saludos 👣