Rota Vincentina Teil 2

Nachdem sich gestern Bettina und Karin verabschiedet hatten, checkten wir, Markus und ich im Casa Dorita ein. Wir ließen uns fangfrischen Oktopus schmecken und eine gute Flasche Weißwein. Ich war eingeladen. Danke nochmal Markus für den schönen Ausklang des Abends, meinem Geburtstag und dem erfolgreichen Abschluss des Fischerpfades. Und für das Bild 😎Heute geht es auf der Rota Vincentina weiter…

Ein Zimmer mit Meerblick ist wunderschön, aber auch laut in der Nacht. Zudem auch noch starker Wind bläst und es wieder einmal regnet.

Die Haupttür klappert. Oropax schaffen um vier Uhr morgens Abhilfe. Paracetamol bekämpft die Kopfschmerzen. Ich dämmere noch so vor mich hin. Um acht gibt es hier Frühstück. Eine Dusche weckt die Lebensgeister. Aber irgendwie gehören meine Beine nicht zu mir, autsch. Das war wohl ein Glas Wein Zuviel gestern.

Der Ausblick entschädigt ein wenig für die Sünden des Vorabends. Und die Aussicht heute auf eine nur kurze Etappe bis Rogil auch. Clever geplant 😆 normalerweise müsste ich heute über 20 km laufen. Oh no!

Ich habe ja Zeit und gönne mir den Zwischenstopp in Rogil.

Also Cape drüber und los gehts gegen den Sturm immer in Richtung Süden…

Weit komme ich nicht. Kaum auf den Klippen angekommen kann ich mich kaum auf den Beinen halten. Mein Rucksack bietet beste Angriffsfläche für die heftigen Windböen. Sekunden später peitscht mir der Regen entgegen. Der Pfad verwandelt sich in Sekundenschnelle in einen Bach. In meiner Not kauere ich mich neben dem Weg unter einen Strauch. Das Wasser läuft an mir herunter. Ich bin pitschnass.

Der Strauch hat nackte Zweige. Es ist lediglich ein mentales Gefühl irgendwie geschützt zu sein.

Nach einiger Zeit, als der Regen nachzulassen scheint traue ich mich wieder hervor. Ich hoffe nur, dass mir heute keine Klettertouren bevorstehen. Ein gefährliches Unterfangen bei diesem Wetter.

Ich bleibe verschont, aber es regnet unaufhörlich und ich stapfe gesenkten Hauptes den Sand-, pardon Matschpfad entlang. Das Handy ist trocken unter dem Shirt verstaut. Die ersten 3 km müssen scheue Blicke nach rechts zum Antlantik genügen.

Dann kehrt sich der Pfad dem Hinterland zu, es wird ruhiger, auch der Regen lässt nach.

Meine Hose hängt schwer und triefend über den matschigen Schuhen. Wenigstens der Wind fängt langsam an, mich wieder trocken zu blasen.

Nach einem Bogen komme ich zurück zur Küste zurück auf die Dünenwege.

Vor mir tauchen noch so ein paar Verrückte auf, die bei diesem Wetter unterwegs sind. Na, wenigstens bin ich nicht alleine.

Wie jeden Tag muss ich auch heute durch die Wildniss. Fast trocken sorgen nun Gräser, Bambus und Kiefern dafür, dass ich wieder von rechts und links eine Dusche bekomme. Shit.

Ich beschließe angesichts des Wetters den offiziellen Weg zu nehmen der früher ins Inland Richtung Rogil führt und nicht wie geplant auf dem Küstenweg zu bleiben.

Es bleibt eklig ungemütlich auch wenn es nicht mehr regnet. Der Weg ist ebenso unspektakulär und eher langweilig.

Rogil

Nach 11 km erreiche ich meine Unterkunft. Und ein schickes und modernes Café genau gegenüber.

Und wen erspähe ich durch das Fenster? Markus. Da sitzt er beim Espresso und pausiert vor seinem Endspurt nach Aljezar.

In Vila do Bispo werden wir uns Wiedersehen, weil er zwei Nächte bleibt und ich dann in das selbe Ort aufrücken werde.

Wir quatschen noch eine Weile, dann bricht er auf und ich versuche meine Gastgeber zu erreichen um vielleicht früher einchecken zu können. Andernfalls bleiben mir noch zwei Stunden Wartezeit, die nicht gemütlich werden, weil ich – nass – ziemlich fröstele und mir nichts sehnlicher wünsche als eine heisse Dusche und trockene Kleidung.

Einen Versuch habe ich noch. Ein Anruf. Fehlanzeige. Also Zeit tot schlagen oder möglichst sinnvoll verbringen. Ich gehe Pizza essen . Darauf habe heute so richtig Lust. Danach in den Supermarkt, Nescafé-Tütchen, einen Schokoriegel und Wasser kaufen. Dann ist es vier und ich darf mein Zimmer im Guesthouse beziehen.

Bis gerade eben dachte ich ich bleibe allein, aber dann kamen noch zwei Mädels, die wohl eine sehr lange Etappe hatten und beziehen das Zimmer neben mir. Frauen WG also. Sehr gut.

Endlich habe ich heute auch Socken gewaschen und trockne gerade diese und alles feuchte 😎

Ich weiß…aber was soll ich machen?

Freue mich einfach nur auf trockene Unterwäsche, Shirt und Socken! Das bisschen Luxus sei mir bitte gegönnt!

Morgen sehen wir weiter, entweder entspannt oder einen Abstecher an die Küste und etwas länger. Entscheidung steht aus. Wetter auch. Freestyle. Ich liebe das.

Boa Noite, bis morgen!

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