Aljezur – Arrifana Tag 8

Zwischenbilanz: Ich bin seit 7 Tagen unterwegs. 130 km zu Fuß gelaufen (mit allen Umwegen), habe in 8 Dörfern in privaten Alojamentos übernachtet (Lissabon ausgenommen), meinen Rucksack 8 mal aus- und wieder eingepackt und mit 15 mir eigentlich wildfremden Menschen aus verschiedenen Nationen (Österreich, Polen, UK, Holland, Dänemark und der Ukraine) Zeit verbracht und viel gelacht. Kein Radio gehört, kein fern gesehen und keine Zeitung gelesen. Auszeit. Gelaufen bin ich immer alleine, es ist mein Weg. Ich sagte es bereits ☺️

Und ich bin nicht müde. Heute geht es weiter in Richtung Süden…mir bleiben noch 8 Tage. Bis Lagos oder noch ein Stück in Richtung Albufeira …das wäre schön…

Startklar bin ich um 07:30. In der Küche habe ich mir leise einen Kaffee gemacht und ein Brötchen Togo gemacht. Der Surfer schläft noch. Sein Surfanzug hängt auf dem Balkon. Identifiziert.

Was soll ich sagen. Natürlich starte ich im Nieselregen der Nacht und hoffe auf Besserung.

Und selbstverständlich nehme ich auch den Umweg über das Kastell. Ich hätte es einfacher haben können, aber ich bin ja nicht hier um Abkürzungen zu machen.

Zum Kastell geht es steil hinauf durch den historischen Teil der Stadt – und steil wieder herunter. Mit einigen Hürden 😅

Kurz danach stehe ich vor dem nächsten Problem, oder doch nicht?

Gott sei Dank bin ich richtig. Hier gibt es eine spektakuläre Anlage, aus dem roten Gestein von gestern. Aber sie scheint aktuell unbewohnt. Es ist aber neben Pools und Photovoltaik alles da. Man darf hindurch gehen 😉

Auch hier wieder steil immer nach oben. Unterwegs habe ich Ausblick auf mein Zwischenziel. Dem Strand, wo ich gestern schon auf der anderen Seite der Bucht war.

Rund 8 km trennen mich noch von einem Cappuccino. Dachte ich. Ich sollte noch 1 km drauflegen müssen.

Endlich oben ging es gefühlt ewig neben der Straße entlang. Wo bitte ist meine Playlist? Ok. Hab keine.

Ach, vorher kam ich noch an einer Stelle vorbei, die ich schon von Markus kannte 😉

Jeder hat so seinen eigenen Blickwinkel 😉

Apropos Straße. Ich könnte jetzt den GR11/E9 laufen und wäre schneller am Ziel. Dann aber ohne Fischerpfad an der Küste entlang. Soooo schwer ist die Entscheidung nun auch nicht. Also tapfer weiter ohne Playlist der Asphaltstraße folgen. Endlose km.

Irgendwann erreiche ich den Strand. Die erste Bar hat noch zu. Naja der frühe Vogel fängt eben nicht immer den Wurm!

Stairway to Ocean

Ich wandere weiter zum nächsten Strand, dort sollte ein Café dann geöffnet sein. Wieder durch Sand, über Geröll und Gestein bei heftigem Wind komme ich gefährlich nahe an die Klippen. Der Atlantik ist aufgewühlt, eingemummelt in meine Regenjacke trotze ich den Böen, das Getöse der Brandung nimmt mir jegliches Gehör.

Ich versuche die Stimmung mit einem Video einzufangen obwohl ich das Handy kaum still halten kann und beide Füße fest auf dem Fels ramme. Bloß nicht das Gleichgewicht mit dem fetten Rucksack verlieren…

Die Fischer sind hier echt harte Jungs. Mir wird schon beim puren Anblick schlecht…

Endlich komme ich an die nächste Bucht. Nach 9 km endlich Pause 🙏

Am Strand – man stelle sich vor, es ist Ebbe und ich kann auch mal ein paar Meter abkürzen – Tschakka / finde ich ein Stück Fischerleine oder Bootsschnur, die ich natürlich mitnehme und im nächsten Mülleimer entsorge. Schwimmt ganz schön was herum in unseren Weltmeeren 😫

Nach der Stärkung krabbele ich wieder hoch und nun heißt es wirklich wieder Sandbaden…

Und immer hübsch nahe am Abgrund!

Eine Brückentour ist sich inklusive und immer diese phantastische Kulisse.

Blick nach vorne
… und Blick zurück
Blick nach unten

Schade nur, dass heute keine Sonne zu sehen ist, aber ich bin schon mit dem inzwischen trockenem Wetter sehr zufrieden.

Nicht dass die Sandwege schon tief genug sind, gibt es hier auch jede Menge Pferdespuren, die unsägliche Krater im Sand hinterlassen, in die man besser nicht hineintritt.

Man merkt auch dass man Richtung Süden kommt, die Vegetation wird eine andere, es blüht der Feldthymian, Palmen tragen Früchte und es gibt andere wenn auch wenige Blumen, die sich ihren Platz erkämpfen.

Ich komme an einer Ruine vorbei und bei näherem Hinschauen muss hier wohl mal eine Besiedlung statt gefunden haben. Wahrscheinlich aufgegeben weil sich der Ozean das Land wieder genommen hat, so dicht wie die Ruinen hier am Klippenrand zu finden sind.

Bevor ich die Küste wieder verlassen muss, suche ich mir noch ein Plätzchen für eine letzte wenn auch stürmische Rast.

Dann lenkt mich der Weg – hoppla – nicht hängenbleiben…das ist wirklich verwurzelt hier…

… von der Küste weg, einen immer noch sehr sandigen Pfad durch Kiefernwälder in Richtung Arrifana.

Noch einmal Ruinen, die von der Natur zurück erobert werden, dann ist Zivilisation in Sicht und ich erreiche eine Bar am Verkehrskreisel 10 Minuten von meiner heutigen Unterkunft und Etappenziel entfernt.

Seltsamerweise begegnen mir heute kaum Wanderer. Zwei, die mir entgegen kommen, keiner der hinter mir ist. Offenbar nehmen alle den kürzeren Weg über den GR11.

Keine Minute zu spät erreiche ich die Bar. Kaum lasse ich mich auf einen Stuhl fallen und ordere einen schönen kalten Vino, da beginnt es in Strömen zu regnen.

Mit einem Burger stille ich ersten Hunger, denn ich muss noch 1 Stunde auf den CheckIn warten.

Da es offensichtlich heute nicht mehr aufhört zu regnen, bleibt mir nichts anderes übrig, als einen Schlenker über den Minimarket zu machen und dann zum Utopia Guesthouse. Da ich weiß, dass es heute eine sehr schöne Unterkunft sein wird, werde ich den Abend meinen geschundenen Füßen und mir selbst widmen. Es ist wirklich nice hier, vom Pool über Tennisplatz, Badewanne und Lümmelecken, Frühstück und Kaffee, Tee und Wasser free. Und das für gerade mal 40 Euro!

Also, ich chille jetzt mal in meinem Zimmer und take time only for me ❤️

Ein weiterer toller Tag voller Magie und Freiheit!

2 Kommentare zu „Aljezur – Arrifana Tag 8“

  1. Was für eine unfassbar tolle Etappen -Beschreibung 👍. Ich bin total begeistert, wie viel Zeit und Energie Du in Deinen Blog hier steckst und erlebe die letzten Etappen gerade nochmal mit 😊. Beim nächsten Treffen werden wir viel von „unserem“ Fischerweg erzählen zu haben 🌝 C U Markus 🤠

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