Einmal Küste hin und zurück

Die Nacht war sehr erholsam. Bis. Ja, bis um 06:00 Uhr morgens als vermutlich die Gasheizung für das Wasser laut heulend ansprang. Zwei Minuten später schlug der Handywecker meiner Mitbewohnerinnen laut Alarm. Es lag im Flur an der Steckdose – vor meinem Zimmer! Wer macht sowas?

Egal, nicht ärgern. Ich hatte gut geschlafen und ziehe mir etwas warmes über. Zuerst einmal einen Kaffee aufbrühen in der Küche unten. Dann Wetter-Check. Ich beschließe doch früher zu starten und gegebenenfalls den Umweg über die Küste zu machen. Das wären dann insgesamt smarte 14 km.

Im Mini-Mini-Mercado erstehe ich eine Banane und ein großes Brötchen das laut der freundlichen Besitzerin mit Fleisch gefüllt ist.

Vorbei geht es an einer Skulptur die den Percebes-Fischern gewidmet ist. Das sind Felsen-Muscheln, die fast unter Lebensgefahr von den mit den Wellen umspülten Klippen gestochen werden. Ich hatte sie mal in Peniche versucht. Eine Delikatesse! Wirklich? Nein nicht wirklich, nicht für mich. Salzig und irgendwie komisch. Aber toll sehen sie aus. Und schweineteuer dazu. So sehen sie in echt aus … damit wären auch merkwürdige Gedanken beim Anblick des Denkmals ausgeräumt….grins.

Im Brötchen entpuppen sich Speckklumpen. Uuuuh. Ich hinterlasse sie den Tieren der Wildnis. Der Weg zieht sich ewig aus dem Ort heraus. Immerhin kommt nach dem erneuten Regenschauer die Sonne hervor.

Ich schlage den Küstenweg ein. Bis dahin sind es ca 3km. Es ist unglaublich still hier, nur das Grollen der Brandung dringt schon leise an mein Ohr. Ansonsten nur das Rascheln des Rucksacks auf meiner Regenjacke.

Und manchmal glaube ich fast, der Sand wird hier extra aufgeschüttet! Schon weit vor der Küste heißt es Sandbaden…ohje!!!!

Dann endlich voller Blick auf den Atlantik und die ersten Zweibeiner tauchen auch auf. Ich wähnte mich schon mutterseelenallein hier heute, da ich ja mittendrin gestartet bin.

Wieder einmal eine phantastische Kulisse, die ich immer wieder förmlich aufsauge.

Alles gesagt…

Ich bleibe solange die Sonne mich lässt und genieße den kühlen Sand unter meinen Füßen um eine Pause einzulegen.

Morgen werde ich auf der anderen Seite des Strandes auf den Klippen stehen. Ich hab ja Übung. 6 km ins Landesinnere nach Aljezur und morgen 8 km auf der anderen Seite wieder zurück um an der Küste Richtung Arrifana zu laufen.

Der Weg ins Landesinnere zurück erinnert mich – einschließlich dem Nieselregen – an Galicien. Erst quälend auf die Hochebene und dann an einsamen Fincas vorbei wieder steil nach unten.

Und abwärts….

Ab und zu höre ich Hunde in der Ferne bellen, ab und zu kommt mir ein Wanderer entgegen der von Süd nach Nord läuft , einmal werde ich von einem jungen Pärchen überholt. Sonst bin ich allein mit mir und der Natur.

Unten angekommen geht es vorbei an einem spektakulär roten Felsgestein der Zivilisation entgegen.

Ich erreiche Aljezur unterhalb der Festung im alten Stadtteil.

Über die Porta (Brücke) komme ich in den neueren Ortsteil mit einem mega Supermarkt in dem ich mich total verloren fühle. Eine Banane, eine Semmel und ein O-Saft. Das Frühstück. Dauert ewig…

Ich bin zwar wieder in einem Haus, das ich mir mit einer Person teile, doch habe ich Kochen über Bord geworfen und werde nach einem Streifzug durch Aljezar etwas essen gehen. Erst ist nicht allzu teuer und ich habe schließlich auch Urlaub🤩

Plan 1 fiel, dafür gab es heute lecker Nudeln

Es könnte noch ein Aperol werden… es schüttet wie aus Eimern, komisch oder?

Solange es morgen halbwegs trocken bleibt und ich die Küste wieder rechts neben mir habe, ist meine Welt wieder in Ordnung.

Das ist der Virus. Du läufst und läufst und hoffst anzukommen. Die letzten 2 km sind hart, egal wieviel Du vorher gelaufen bist. Jeder Umweg tut weh und jeder langweilige Weg nimmt gefühlt nie ein Ende…. Und doch. Am Abend bist Du glücklich, genießt ein bisschen Luxus vielleicht und kannst es kaum erwarten, am nächsten Morgen das Ungetüm zu satteln und die nächste Etappe anzugehen.

Voller Ungeduld und Spannung, was Dich heute erwartet.

Es ist mein Weg.

Bis morgen…. Birgit läuft weiter…

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