Ob das ein Spaziergang wird? Mal sehen. Auf jeden Fall geht es durchs Inland bis ich am Strand von Carrapateira ankomme. Hoffentlich. Rund 20 km liegen vor mir.
Gestern Abend noch musste ich eine kleine OP vornehmen, lach. Ein verflixtes Sandkorn hatte sich doch durch meine Socke bis tief in die Haut vorgemogelt. Dass ich nicht mehr Blasen oder Wind gescheuerte Füße habe ist eh ein Wunder bei diesen Dünenwanderungen oder wie es Markus treffender ausgedrückt „Sandwatscheln“. Wie auch immer, anstrengend ist es es allemal und man kommt nur sehr langsam vorwärts.
Ohne Pausen waren es gestern 6 Stunden für 19,9 km 😬
Manche Menschen sind einfach unsensibel. Hier sind drei Männer (Herkunft nicht identifizierbar) die seit 7:00 draußen rum laufen, laut reden und die Türen nicht in die Hand nehmen. Ich habe zwar um Ruhe gebeten obwohl ich schon lange wach bin, aber nun sitzen sie schon wieder draußen vor dem Nachbarfenster. Frühstück gibt es heute, aber leider erst um 08:30h. Da schläft man vielleicht noch????
Aber ich soll mich ja um mich kümmern! Also packe ich heute morgen meinen Rucksack mal so richtig ordentlich. Die Wäsche ist dank des Dauerregens gestern Abend nicht trocken. Mir bleiben 1 Shirt, eine klamme Hose, ein paar Socken, das Bikini-Oberteil 🫣 die Regenjacke. Sollte klappen. immerhin verspricht es heute in Carrapateira besser zu sein.
Beim Frühstück dann Sonne, ja glaub ich’s denn? D.h. Wechsel zur kurzen und vor allem trockenen Hose, perfekt.

Ich mache noch einen Rundhang zum Pool und dann geht es los.

War echt schön hier ❤️ aber nun geht es nach Carrapateira. Erstmal raus aus dem Ort und zurück zur Rota Vicentina. Ich muss nicht erwähnen dass erst einmal ein Regenschauer überrascht, der aber von kurzer Dauer ist. Es geht immer bergauf.



Mir schwant schon. Es wird auch wieder bergab gehen. Richtig. Aber zu meiner Überraschung zu einer Bucht, die mich gefangen hält, so beeindruckend ist hier die Brandung.

Ich mache unzählige Fotos, wobei diese das nicht festhalte können was Augen und Ohren hier erleben…





Fast bin ich zu nahe dran, als plötzlich eine riesige Welle auf mich zu kommt.
Ich muss leider weiter, zuviele km liegen noch vor mir. Und als hätte ich es geahnt, geht es ewig steil und ausdauernd wieder nach oben. Ein echter Kraftakt.



Dann folgen km der Einsamkeit. Schritt für Schritt vorwärts. Kaum Abwechslung zwischen Pinienwäldern und Schotterstraßen. Mal rauf, mal runter. Geduld und Ausdauer helfen.


Die Fußspuren meiner Vorgänger immer im Blick…



Irgendwann um die Mittagszeit erreiche ich eine kleine Siedlung. Und – ich höre in der Ferne den Atlantik.


Doch es sind noch etliche km bis zur Küste. Langsam schraube ich mich weiter hinauf auf einer Schotterpiste,


bis – ein Schild mit weist, dass ich hier auf den Fischerpfad abbiegen soll.

Fischerpfad = Sandbaden. Na dann. Er ist tief heute, richtig schwierig zu gehen.
Trotzdem vertraut nach den vielen Tagen.

Nach einem kurzen Aufstieg zu einem sehr schönen Aussichtspunkt beschließe ich eine Rast einzulegen. Die Aussicht lädt dazu ein. Zwei Mädels, die auf dem Weg in den Norden sind sprechen mich an. Wir machen ein kurzes gegenseitiges Fotoshooting. Das Ergebnis seht ihr hier:

Und wer rauf kraxelt muss auch wieder runter. Eine junge Österreicherin teilt mein Leid. Quatschend geht es vorsichtig abwärts und weiter durch den tiefen Sand. Es folgt ein zweites Fotoshooting. Wenn man schon mal jemanden trifft…

Der Beweis. I was here! ❤️

Was ich fast vergessen hätte. Hier tobten dieses Jahr Brände, die alles verbrannten. Totale Verwüstung. Ein Bild wie auf einem anderen Planeten..




Und doch, Natur kennt keine Grenzen, sie ist zäh und stärker als wir alle glauben:

Ich steige hinab den Strand immer fest im Blick. Eigentlich hätte ich mal KOMOOT befragen sollen, ich aber stiefele nach einer weiteren Fotorunde dem Wegweiser und einem älteren Pärchen hinterher, denen ich heute schon öfter begegnet bin.

Der Weg jetzt richtig tiefsandig mit tiefen Reifenspuren von Geländefahrzeugen.

Das letzte Foto das ich mache bevor mir bewusst wird. Ich bin vom Weg angekommen. Und zwar ordentlich. Vor lauter Sandbaden, das Pärchen im Blick habe ich nicht auf die Kennzeichnung geachtet.
Bei Ebbe führt der Weg einfach über den Strand und auf der anderen Seite entlang der Klippen bis Carrapateira.
Mich nun trennten ein Fluss von Carrapateira. Der offizielle Weg – keine Ahnung. Google Maps sagt bis zur Brücke außen herum. Moment. Das hatte ich schon mal! Never. Flussüberquerung? Ja. Heute auf jeden Fall. Er ist hier auch noch schmal und bewachsen. Ich schlage mich durchs Gestrüpp und siehe da….
Gar kein Wasser drin 😆 alla hopp. Durch und drüben quer über die Kuhweide. Nur Kuhfladen, keine Viecher. Alles richtig gemacht. Ruckzuck bin ich auf der Landstraße und laufe – nicht gerade idyllisch aber zielstrebig – Carrapateira entgegen.

Geschafft. In der Bar am Platze erstmal einenVino zum Abschluss, dann folgt der CheckIn in der Carapateiro Lodge, das übliche…duschen Wäsche und dann knurrt der Magen. Es sollte ein langer Abend werden… mit Chris, Claudia und Nadine…
Ich sage gute Nacht und morgen alles Gute allen für den Trail – egal in welche Richtung …