Die Nacht war erstaunlich ruhig. Das kleine alte Haus extrem hellhörig aber es war mucksmäuschenstill. Trotzdem habe ich unruhig geschlafen und war sehr früh wach. Im nahe gelegenen Supermarkt erstehe ich eine Banane und ein Sandwich, meine erste Verpflegung heute. Dazu ein Kaffee im Tabakladen am Eck. Den Rucksack fertig gepackt mache ich mich auf den Weg zum Bus de la Mer, die Fähre, die mich nach Dinard bringt. So der Plan.
Zugegeben ich irre ein wenig am Hafen umher, die Beschreibung des Hotelbesitzers war nicht ganz so aussagefähig. Dafür laufe ich noch an der Altstadt mit ihrer riesigen Stadtmauer vorbei. Die hätte ich mir gerne noch angeschaut, ein großes Häusermeer mit engen Gassen, das wohl inzwischen auch Hotels beherbergt.

Die Anlegestelle gefunden warte ich auf das Boot, dazu gesellt sich ein französisches Pärchen. Sie sprechen kein Englisch. Hab nix anderes erwartet, aber laufen auch den GR34 (inzwischen spreche ich besser französisch als alle Franzosen zusammen englisch). Also, ich gebe mir wenigstens Mühe!
In Dinard angekommen geht es rund um die Felsen auf einem steinernen Pfad ellenlang entlang und jede Kurve bietet eine neue Aussicht. Grandios.




Am ersten Strand gibt es sogar einen Aussenpool, der von 1880-1954 als Schwimmbad diente.

Nach dem zweiten Strand führt der GR34 wieder weg vom Tourismus in die „Wildnis“ und schlängelt sich erneut von Bucht zu Bucht und Strand zu Strand.




Ich bin total abgeschaltet, genieße die Natur, lausche der Brandung und beobachte den Himmel im Wechselspiel des Wetters.
Ich bereite mich vor. Packe Regenjacke und Cover für den Rucksack aus. Diesmal geht es noch glimpflich aus. Nach einem kurzen Schauer scheint wieder die Sonne.
Ich mache eine Pause am Strand, es ist bereits Mittag und überlege ob ich abkürze oder nicht. Eigentlich läuft es gut, ich beschließe nicht abzukürzen und dem offiziellen Weg weiter zu folgen. Ich habe Zeit. Viel Zeit.
Wieder beginnt es zu tröpfeln. Ach was, bin mitten in einem Wohngebiet, weil der Weg wegen eines großen Felsens ein Stück durchs Inland führt. Regenjacke und Cover sollten genügen. Dachte ich. Hätte ich mal das grelle gelbe Verhüterli mit ausgepackt! Es schüttet plötzlich wie aus Kübeln. Kein Unterstand weit und breit. Der Versuch den Poncho noch raus zu zerren, schlug so fehl, dass nun auch der Rucksack hinten komplett nass ist. Shit.
Wie ein begossener Pudel latsche ich entnervt weiter, Simon (da wusste ich noch seinen Namen nicht) überholt und zuckt die Schultern. Er ist auch nicht minder trocken geblieben.
Endlich eine Strandbar, die erste überhaupt. Während ich verdienterweise alles trocknen lasse inklusive mich hebt ein Aperol und das Gespräch mit zwei deutschen Radlern die Stimmung. Ich werde heute ungewöhnlich oft auf meine Wanderschaft angesprochen. Oft gestikulierend mit meinen spärlichen sprachlichen Kenntnissen gebe ich brav Auskunft.

Als ich halbwegs wieder hergestellt bin, treffe ich schon am nächsten Strand – die gibt es hier wirklich hinter jeder Biegung – auf Simon. Der sitzt gechillt an einer Strandbude (man beachte die 2.!) beim Vino. Er lacht freundlich und ich spreche ihn an, eigentlich hätte ich gern etwas gegessen, aber gut, ein Vino tuts auch. Wir hocken lange und quatschen über Erfahrungen, „Adventures“ von unterwegs und das Leben an sich. Er ist 31 und Student für Soziales aus Grenoble. Er pennt im Zelt irgendwo wo es trocken ist, sagt er und liebt diese Freiheit genau so wie ich. Dann werden es na klar auch zwei Vino und leider muss (nein ich will) dann weiter, habe ja noch 8 km. Das französische Pärchen ist auch schon vorbei, ihr Ziel ist auch Lancieux. Da Simons Knie nicht mehr mitmacht, werden wir uns wohl nicht mehr begegnen. Aber wer weiß… Danke Simon für die schöne Begegnung!
Ich nehme dann doch die Winterroute, die ist etwas kürzer und ich spare 2 km, denn es ist spät geworden. Gegen 17:30 erreiche ich dann mein Airbnb bei Chrystele. Heute modern mit allem Schnick-Schnack (Pool, Sauna und Wellness auf Anfrage) Brauche ich aber nicht , der Fön ist schon Luxus genug: Waschtag für die Strümpfe, die man damit super Ruck-zuck trocken bekommt :-).
Am Abend – ich warte natürlich den nächsten heftigen Schutt ab – gehts nochmal knapp 2 km ohne Gepäck zum Strand in die Strandbar Calypso (die 3.) und lasse mir Takkos de Pulpo schmecken.
Das Highlight des Tages? Ganz klar, die Begegnung mit Simon!
