Was einem alles so in einer Ferienwohnung passieren kann und einem die Nachtruhe raubt…
Die Ferienwohnung war modern eingerichtet, das Schlafzimmer trennte eine Holzschiebetür vom restlichen Apartment. Ich schob sie offenbar zu schwungvoll auf und Zack sprang sie oben aus der Laufschiene. Na super. Ich hundemüde machte mich an die Reparatur und hängte sie mit etwas Kraftaufwand wieder ein. Endlich schlafen.
Mitten in der Nacht weckten mich Geräusche aus dem Kühlschrank. Mir schwante was passiert war. Der See vor dem Kühlschrank bestätigte meine Vermutung. Er war abgetaut. Komplett. Da er gestern Abend überhaupt nicht mehr abschaltete und mein Camenbert fürs Baguette bereits halb gefroren war, hatte ich ihn auf 2 gestellt und offenbar dabei den Aus-Knopf erwischt. Ich wischte und versuchte ihn wieder zu beleben. Natürlich war an Schlaf gerade nicht mehr zu denken.
Drei Kaffee brauchte es, bis ich nach dieser Nacht wieder bei mir war und endlich der Rucksack reisefertig vor mir stand. Los gehts!
Mich erwartet zuerst ein kilometerlanger Sandstrand. Das habe ich mir wohl jetzt auch verdient! Also erstmal Frühstücken mit Meerblick.


Da ich mir nicht sicher bin, ob ich wieder zum GR34 zurück komme, wechsle ich an geeigneter Stelle zurück auf den Wanderweg. Das Rauschen der Wellen im Ohr, den Ozean rechts im Blick geht es wieder durch Heckenlandschaften immer am Klippenhang entlang. Es wird langsam wärmer, der Wind der heute ordentlich bläst ist jedoch eiskalt. Ein Wechselbad der gefühlten Temperaturen ist das heute und das Schwitzen kommt noch erschwerend hinzu. Noch immer verläuft unter mir der Strand. Blöd denke ich, ich hätte mir viel Kraft gespart und dazu noch am Strand entlang wandern können. Leider gibt es ja aber keine Wanderführer vom Zöllnerpfad, der solche Alternativen aufnehmen könnte….ich also brav weiter wie vor hundert Jahren auf und ab durch den Dschungel.




Dann noch eine Bucht umrundet – JA auch die hätte ich mir ersparen können, wie sich später herausstellt – und endlich bin kurz vor Pléneuf. Ich habe keine Lust mehr auf Geröll-Klettereien und gönne meinen Augen mal schöne Ausblicke auf die alten hübschen Fischerhäuschen entlang der Rue de Pecheres. Muss auch mal sein, ein Stadtbummel.


Dieser führt mich auch direkt an den Strand und Stadtbummel Nr. 2 schließt sich dort nach einer weiteren Schlenderpause am hiesigen Strand an. Ein Supermarkt! Der einzige und letzte seiner Art vor meiner Unterkunft.


Ich erstehe ein Mikrowellengericht, Baguette (geht immer) und Bananen. Ach und ein kleines Fläschchen Bordeaux. Bin ja schließlich im Urlaub und wenn schon alle Restaurants und Bars zuhaben?!
Schätze mal mit Wasser 3 kg ontop für die nächsten 9 km. Das merke ich schnell als ich zurück auf dem Zöllnerpfad bin. So schön die Landschaft, die Ruhe, menschenleere Buchten und Strände, immer der Blick in die Weite, der Atlantik, so herausfordernd ist der Weg. Ab und zu kommen mir Jogger entgegen. Ja, Jogger! Hallo, die haben aber auch keine 8 kg auf dem Buckel und machen das offenbar öfter….so zum fit bleiben eben.

Jedes Cap, das ich bisher erklommen habe, jede Bucht, die ich umrundet habe, jeden Zipfel, den ich, wie die Zöllner früher ausgelaufen bin, jeden km macht mich das zufriedener und das Gefühl am Ende des Tages ist so derartig gut, dass Ich weiß, es ist der Mühe wirklich lohnt! Und, der Kopf ist leer, leerer geht nicht. Es ist JETZT alles unwichtig. Einfach Alles. Nur ankommen. Mehr nicht. Und Essen – vielleicht 😉.
Aber es ist ja noch nicht das Ende des Tages. Da wäre noch das reizende Fischerdorf Da Houët. Die Bars klar zu, aber das Dorf hat Charme und so schlendere ich fast schon um den Hafen herum weil ich weiß ja, danach gehts wieder hoch :-).



Laut Wegweiser stehen noch 4,5 km nach La Contentin an. Plus 1 zu meinem Airbnb. Dies liegt nah am Strand. Und da ich tatsächlich eine Stunde vor CheckIn vor Ort bin, steige ich hinab in die Bucht, werfe Schuhe und Strümpfe von meinen Füßen und genieße das kalte herrlich erfrischende Meer, sitze auf einem Stein und genieße einfach den Augenblick. Die letzten Meter wieder die Stufen der Klippen hoch und die letzten 800 m zur Unterkunft juckt das die nun aufgeweichten, sandigen Salzfüsse nicht mehr. Dafür ein Hochgenuss, auf den ich die ganzen letzten Tage gewartet habe!
Der Abend endet heute nach einer langen Dusche mit einem schönen Glas Bordeaux vor meiner separaten Zimmertür in der Abendsonne von La Contentin.
