Noch ist es stockfinster als ich aufwache. Ich habe gut geschlafen und die Sorgen nach dem Wetter sind verflogen. Trotzdem bereite ich alles regensicher vor. Es ist kalt, windig und irgendwie feucht.
Meine Wirtin schläft offensichtlich noch, als ich mein Tiny Home bei ihr auf dem Gelände verlasse. Ein anderer Gast, der wohl nebenan wohnt, ist auch schon mit Hund Gassi…
Kein Internet, na toll. Irgendwie muss ich aber heute früh anders runter vom Hügel als gestern rauf um wieder auf den GR34 zu kommen. Ich laufe in Richtung Meer ( wo ich es vermute..) und siehe da, es klappt. Ein Fuchs kreuzt erschrocken meinen Weg und ich laufe in einem – naja Bächlein – die Nacht hatte es leicht geregnet, nun ist der Waldweg rutschig und nass.
Endlich unten angekommen begegnet mir tatsächlich ein Wanderer. Ein zweiter, der mich nach dem ersten fragt kommt mir auch entgegen, als ich mich den schmalen Pfad wie gewohnt ächzend nach oben schraube. Wie weit er weg sei, will er wissen. Oh, sage ich er war schnell 😅. Schneller als ich.
Man dankt und schon bin ich wieder allein. Heute tost da, wo ich gestern noch am Strand lag, der Atlantik. Bis über die Promenade spritzt das Wasser der Flut. Möchte ich hier wohnen? Nein. Bestimmt nicht. Gestern wäre meine Antwort sicher anders ausgefallen. So ist das mit dem Meer, den Gezeiten und der Klimakatastrophe.


Nun mal aber nicht alles schlecht reden. Ich wandere wieder einmal auf und ab und ab und auf. Ganz ehrlich? Langsam wird’s langweilig. Zumal die Ausblicke sich immer mehr ähneln. Die Wege werden immer beschwerlicher…die armen Füße. An dieser Stelle ein Hoch an meine Füße, die bis heute nicht eine einzige Blase davon getragen haben (psssst..Pilgertrick: Nylons unter die Wandersocken ziehen, nicht schön aber reibt nicht und sind über Nacht wieder trocken 👣)


Der Hafen und Ort von Binic bringt endlich Abwechslung und mit ihm eine Kaffeepause.




Noch zwei kleine Buchten laden zum Stopp ein. In der ersten gibt es tatsächlich einen Sprungturm mitten im Meer! In der zweiten zwei schöne Bars. Zwar erstaunlicher Weise offen, aber ich habe noch ein paar Kilometer vor mir. Also nein. Ich verzichte.


Und dann kommt schon mein heutiges Etappenziel in Sicht. Saint Quai Portrieux. Ich muss zwar bis ans Ende und noch um einen zweiten Zipfel herum, aber das kürze ich heute mal entspannt durch den Ort ab.

Und so bin ich so früh am Ziel, dass ich mein Zimmer im kleinen typisch Bretonischen Hotel (aber chic renoviert) beziehen kann und nix wie ab an den Strand, mit riesengroßer Eistüte versteht sich (wenn es schon mal eine Eisdiele gibt).
Ein Meeres-Schwimmbecken liegt verlassen aber voll Wasser und darin kleinen Fischen. Ob man hier noch badet?


Richtig. Später, als ich es mir in der Sonne am Beckenrand bequem gemacht habe kommt eine Clique Franzosen und bestärken sich gegenseitig den Mut für den Sprungturm aufzubringen. So bekomme ich heute noch gratis eine Unterhaltungsshow! Merci!
Nein, ich gehe nicht baden, es ist saukalt und ich habe keine Lust auf eine Erkältung. So abgebrüht bin ich dann doch nicht. Auch nicht, als es verdammt reizt, als die Flut das Becken mit Wellen umspült und etliche Locals sich auch im Meer in die Fluten stürzen.

Im Supermarkt (gleich um die Ecke!) erstehe ich wieder Bananen und in der Bäckerei gibt es Pastel de Nata. Merkwürdiger Weise habe ich dieses portugiesische Gebäck hier schon öfter gesehen??
Welch ein Luxus heute!
Zurück in der Zivilisation beschließe ich dann auch, heute Abend essen zu gehen. Ratet mal! Genau. Auch um die Ecke 😄 Mein absolutes Highlight heute: Strand, Sonne, Hotel am Meer und Essen um die Ecke, auch am Strand!
Bleibt zu hoffen, dass morgen für die vorletzte Etappe das Wetter wieder allen Vorhersagen stand hält. Vorletzte Etappe? Ja. Mein Entschluss steht fest. In Paimpol ist Schluss. Was dann kommt ist die Kür. Laufen? Urlaub? Nochmal Saint Malo?
Ich lasse mein Bauchgefühl entscheiden. Bleibt gespannt. Aber erstmal nach Paimpol!
