Heute Nacht rumpelte es, doch als es hell wird kommt die Sonne wieder raus. Nach dem Frühstück inkl. – heute gab es sogar auch ein bisschen Käse und einen Orangensaft – drehe ich noch eine Runde am Strand und husch in die Apotheke, wenn es schon mal eine am Ort gibt. Mein Atlantikausflug ins kalte Wasser blieb wohl nicht ohne Folgen – vielleicht auch der ständig eiskalte Wind, der geschwitzt von den unsäglichen Aufstiegen nicht zu unterschätzen ist.
Woher auch immer habe ich mir nun doch noch eine Erkältung eingefangen. Diese, das merke ich schnell zehrt an meiner Kondition. Also heute alles ein bisschen langsamer. Dafür bleiben die km auch unter 20. Hoffentlich. Ich gebe alles.

So sehr viel gibt es heute gar nicht zu berichten. Landschaftlich ändert sich gerade nicht viel. Der Strand von Bonaparte der durch ein Tor zugänglich ist ( hier wurden im 2. Weltkrieg kanadische und englische Soldaten an den Nazis vorbei geschmuggelt) ist ein sehenswertes Zwischenziel und eine klitzekleine Bucht unterhalb von Plouha, an der die Einheimischen ihr morgendliches Bad nehmen. Brrrr. Abhärtung ist alles. Ich eher Weichei und nun krank…




Auf einem anderen Cabo treffe ich auf ein deutsches Ehepaar, die mich vorbei lassen und anschließend in ein Gespräch verwickeln. Wir halten in der Sonne einen Schwatz, sie sind zum 4. Mal in der Bretagne und sind stückweise auch jedes Mal auf dem GR34 unterwegs. Fragt sie mich tatsächlich ob ich den ganzen Zöllnerpfad laufe? Bei aller Liebe, nein! Und ganz ehrlich, vermutlich bleibt es auch bei dieser Erfahrung, die die beiden im Übrigen teilen, dass es schwierig ist, hier als Wanderer Unterkünfte und Versorgung zu finden.


Es sei denn man ist so jung wie die beiden Burschen die ich vorbei lasse. Mit Zelt und Kocher bepackt und die Shorts zum Trocknen am Rucksack. Geduscht wird da wo es eine Dusche nach einem Bad im Atlantik gibt. Das ist Hiker-Leben pur. Ich – definitiv zu alt dafür!

Ein Highlight gibt es heute dennoch: es ist Ebbe, das Meer zieht sich gerade zurück und als Brehec in mein Blickfeld kommt, sehe ich heute auch die Chance eine Abkürzung über den freigelegten Meeresboden zu nehmen. Erst einmal Klettern über große Steine vorbei an von der Brandung ausgewaschenen kleinen Höhlen und dann zielstrebig auf das Hafenörtchen zu. Perfekt. Und ich spare einen Umweg um den Strand und bleibe somit unter 20 mit 18,5 😆



Die Wartezeit auf den CheckIn in meiner heutigen Unterkunft vertreibe ich mir in einer ungewöhnlichen Bar, die teilweise in den Fels gebaut ist wir eine Höhle, bei einem Kaffee und meinem – ja echt im Ernst – ersten Crêpe in Frankreich.

Da kommt tatsächlich noch ein Wanderer mit schwerem Gepäck vorbei. Heute ist ja vielleicht was los hier wundere ich mich tatsächlich über soviel Backpacker. Zwei Mädels bin ich heute auch schon begegnet.
Das Appartement, das ich heute für viel Geld gebucht habe, ist zwar groß, bietet Platz für 4 Personen, hat sogar eine Terrasse am Hang (merkwürdige Konstruktion) aber es ist derart naja in die Jahre gekommen und abgewohnt. Das schlechteste Preis-Leistungsverhältnis der ganzen zwei Wochen! Ungeschlagen! Aber für eine Nacht wird es gehen. Augen zu und durch. Gekocht wird hier definitiv nichts. Hätte auch nichts, und hier gibt es auch nichts zum Kaufen.
Dafür esse ich heute – auch zum ersten Mal Muscheln in beurre (Butter). Diese werden hier üblich mit Fritten serviert. Im übrigen ist es bisher immer das günstigste Gericht gewesen. Kein Wunder, diese gibt es hier ja im Überschuss – einfach rausgehen und einsammeln … regional eben.
Gut gestärkt nehme ich heute drei Schritte (das Restaurant befindet sich unter meiner Behausung) durch den Regen in mein Dach-Appartement. Das Essen ist hier wirklich phantastisch und war bisher immer seinen Preis wert ( auch wenn es dem Reise-Budget weh tut).
Bin gespannt was morgen das Wetter sagt, die Pfade waren heute schon extrem rutschig. Es wäre sehr schade, so kurz vor dem Ziel kapitulieren zu müssen, gebe aber zu, dass ich mir das nicht mehr unbedingt geben muss, um dann noch ein Gipsbein o.ä. mit nach Hause zu bringen.
Es bleibt spannend, ein Abenteuer wie immer…
Die Zugfahrt nach Saint Malo ist gebucht, dann folgen noch 1,5 Tage Entspannung und ein bisschen Sightseeing bei hoffentlich besserem Wetter.
Und die Boote schaukeln im Dunkeln nun in der Flut…
Bonsoir!