…oder vielleicht noch nicht ganz. Am Morgen, als es kurz aufhört zu regnen, teste ich den Aufstieg von Brehec aus. Ohne Rucksack…
Trotz der quer verlaufenen Gräben als Wasserabfluss, die wohl Einheimische bereits gegraben haben, ist es ziemlich matschig. Die Erkältung macht mir auch zu schaffen. Und das bereits ohne das Ungetüm auf meinem Rücken. Ich kapituliere und plane irgendwie zumindest in Richtung Paimpol zu kommen. 18 km auf und ab auf matschigem Geröll im Regen? Never!

Ich wäre nicht in Frankreich, wenn es da nicht ein Problem gäbe. Es ist Sonntag. Ich bin in einer kleinen Bucht. In einem Nest. Sogar die Wirtin nebenan sagt: difficult. Ach nee. So schlau bin ich auch schon. Kein Bus. UBER findet keinen Fahrer – was mich nicht wundert – und ein Taxi vielleicht, beginne ich zu hoffen?
Ich bin auch nicht gewillt 5 km Landstraße immer bergauf in den nächstgelegenen Ort zu laufen! Endlich nach zahlreichen Telefonaten die Erlösung: Taxi kommt in 20 Minuten. Super Madame (spricht sich auf französisch süpär)
Fragt ihr nach Trampen? Sonntags um 09:00 Uhr? Es wäre die letzte Alternative, noch ist kein Mensch hier unterwegs. So aber alles fein. Der Taxifahrer ist pünktlich und super nett. Und spricht ein wenig englisch. Sein Kommentar: no! Not today! Not ill! Dangerous. Na bitte. Gute Entscheidung. Er setzt mich auf dem GR kurz vor der Abtei ab, die ich unbedingt besuchen möchte. Heute ist in Frankreich in allen Sehenswürdigkeiten freier Eintritt. Wieder süpär!




Und: Hier beginnt der Camino von der Abtei aus nach Santiago!
Ein deutsches Pärchen sieht mein Camino-Shirt unter der Regenjacke blitzen (ja, es regnet unentwegt) und so stellt sich heraus dass beide in diesem Frühjahr auf dem Camino waren. Er bereits 6x. Wir tauschen Erfahrungen aus (das, was mir hier soooo gefehlt hat) und dann wünschen wir uns allen einen „Buen Camino“.Ach, tut das gut 😊 👣



Ich besichtige die Abtei und folge dann dem GR34 weiter nach Paimpol, dem eigentlichen Ziel meiner Wanderung.
Ich habe Glück und darf etwas früher in meine Fewo, klein aber fein unter dem Dach und warte bis endlich wieder ein wenig Sonne am Himmel erscheint. Dann treibt es mich wieder raus. Sch… auf die Erkältung. Erneut ein Stück auf dem GR34 raus aus Paimpol, das ebenfalls ein Meerwasser-Schwimmbad hat. Verstehe. Ebbe: Meerwasser-Schwimmbad. Flut: im Meer baden, wobei die Meerwasser-Schwimmbäder geflutet werden und so mit Frischwasser versorgt. Clever, die Franzosen. Das muss ich ihnen lassen!

Am Hafen von Paimpol haben immerhin ein paar Touristen Geschäfte offen und Restaurants. Ich schlendere durch den Hafen, die Gassen der Altstadt und gönne mir nochmals Moules (Muscheln). Versorge mich mit einem Croissant und einem Toast fürs Frühstück morgen und werde heute keine Party mehr feiern. Versprochen.


Morgen geht mein Zug (meine Züge mit Umwegen 🫣) nach Saint Malo zurück. Schickt mir bitte noch ein bisschen Sonne oder wenigstens keinen Regen für den verdienten Ausklang meines Abenteuers GR34.
Highlight des Tages: si claro: El Camino de Santiago!
Au revoir „GR34“ et Merci 🙏
Hätte ich ja beinahe unterschlagen: Frankreichs Antwort auf „Urben Gardening“…
