Übers Schlafen in meinem „Retro-Apartement“ möchte ich heute nicht schreiben. Es gibt hier nicht viel Unterkünfte entlang des Weges. Eine gute Planung ist gefragt, wer nicht mit Zelt reist oder im Shelter übernachtet.
Dafür wecken mich tatsächlich Sonnenstrahlen. Sehr früh und bitte bloß nicht zu viel davon … In aller Ruhe, todmüde, brühe ich mir erstmal einen Instantkaffee (ohne den vereise ich nicht!) Die jetzt schon schmerzenden Körperteile versorgen, den Rucksack packen und nix wie los. Motiviert bis zum Anschlag verlasse ich Sonderhavn in Richtung Egernsund. Erstmal.

Der Weg ist heute wunderschön. Immer entlang des Strandes auf verwunschenen Wegen. Und wieder bin ich allein mit der Natur. Das Wetter perfekt. Ich zitiere meinen Wanderfreund Markus: genau dies sind die Momente warum wir kilometerweit durch die Gegend stapfen! Wie wahr!
Am Horizont sehe ich mein heutiges Ziel: Brunsnaes. Es scheint unerreichbar. Aber das Gefühl kenne ich und lasse mich nicht dadurch beirren.
Gegen Mittag belebt sich der Pfad. Doch merkwürdig heute. Mir kommen alle entgegen.?Tageswanderer, Streckenwanderer, alle gehen den Weg in umgekehrter Richtung. Niemand der meine Richtung teilt, oder ich sehe und treffe sie nur nicht?
Den Gedanken jede Bank mindestens 3 Minuten zu nutzen um zu genießen verwerfe ich nach der 5. Ich würde nie ankommen heute. Zuviele Gelegenheiten, eine Pause einzulegen. Also beschränke ich mich auf die wohl schönsten Ecken.


Diese Etappe heute wird auch die Ziegeletappe genannt. Hier reihten sich früher eine Ziegelei an die nächste. Viele Häuser und herum liegende oder verbaute Ziegelstücke zeugen davon.
Ein Strandabschnitt ist bei Hochwasser nicht begehbar. Ich versuche es trotzdem und habe noch einmal Glück mit ein bisschen Balance auf Brettern lässt sich der schlammig, nasse Untergrund bezwingen.
In Egernsund ist mit 10 km heute Bergfest. Ein Aperol wäre echt mal nett, oder? Aber darauf werde ich wohl wieder verzichten müssen. Einzig eine Imbissbude an der Brücke bietet zumindest Nahrung und Softeis. Nein? Kein Softeis, heute nicht. Mann. Schon wieder nur Burger oder Hot Dogs. Gesund geht anders. Und lecker auch.


Dafür bekomme ich heute Abend bei Malene ein Abendessen. Und morgen ein Lunchpaket. Gut gebucht ist die halbe Miete!
Trotzdem plane ich in Broager einen Umweg über den Supermarkt ein, denn morgen ist Sonntag. Jaaa, ich hab daran gedacht, obwohl ich schon längst zeitlos lebe. Und es ist erst Tag 2 … Wahnsinn!
Auf der Halbinsel von Broager komme ich am Yacht- und Segelhafen Marina Minde vorbei. Dann führt mich der Weg wieder einsam durch Feld, Wald und Wiesen. Durch extravagante Neubausiedlungen mit Meerblick schlängelt sich der Weg – offenbar musste er Platz für eben diese Siedlungen machen. Menschenleer. Allein die Rasen-Robbies verrichten in nahezu jedem Garten still und leise und ohne zu murren ihre Arbeit. Der Hausherr ist vermutlich auf Segeltörn und erwartet den perfekten Golfrasen bei seiner Heimkehr. Verrückt.

Im Supermarkt erstehe ich zwei Bananen und einen Tetra Wein, für chillige Stunden morgen im Glamping-Zelt, es wird nass bis gewittrig, nix Neues eben. Zum Abendessen gibts dann Trek‘n Eat, aber dazu morgen mehr…
Nach 22 km erreiche ich endlich Brunsnaes. Die letzte Pause heute am kleinen Strand und kurz die geschundenen Füße in der eiskalten Ostsee erholen bevor ich Gast bei Malene sein werde.

Anstrengend war es, aber eine wunderschöne Etappe! Belohnt werde ich mit grünem Spargel, Kartoffeln, Hähnchenbrust und entspannten Gesprächen mit Malene und Laura.
Zum Abschluss drehe ich noch eine gemütliche Runde auf dem Stück Gendarmenweg den ich morgen nicht laufen werde, wenn ich bei Malene starte. Mange Tak euch beiden für die tolle Gastfreundschaft ❤️
Nun noch ein bisschen Fussbalsam und ein Magnesium-Shot damit es morgen wieder heißt:
God Tur!
Heute typisch dänisch:

