Was soll ich sagen, ich kann Malenes Bed&Breakfast aufs wärmste empfehlen und das tue ich hiermit auch. Wann immer ihr in Brunsnæs Halt machen wollt, Malene ist einfach mit dem Herzen bei euch. Ihr findet Malene Gamdrup auf Airbnb oder schreibt ihr: magala@live.dk.
Ich habe endlich super gut geschlafen und noch zusammen mit ihr und ihrer Tochter gefrühstückt.
Um kurz vor sieben bin ich schon unterwegs heute, das Gewitter leider im Nacken.
Zuerst aber genieße ich die Stille des Morgens. Einfach nur toll. Vor mir liegt eine abwechslungsreiche Etappe zwischen Stränden und Wäldern, Felder und Wiesen. Und kein einziges Dorf weit und breit, nur vereinzelte Höfe.

Der Himmel wird zunehmend dunkler, der Wind stärker. Ich habe eine Eingebung und rüste mich im Schutz einer alten Hütte gegen den aufkommenden Regen. Noch eine Stärkung und da setzt er auch schon ein. Gut gerüstet, so dachte ich, zumindest stapfe ich los, hart gegen den Wind. Regen und Wind werden immer stärker. Es donnert, ob es blitzt, sehe ich gar nicht, die Augen fast auf den Boden gerichtet, trotzig dem Regen. Die zu Hause noch imprägnierte Hose ist durch, komplett. Meine Rettung ist eine Gerätescheune und der Pausen Ort für die nächste halbe Stunde.

Obwohl der Regen nun nachlässt, hole ich noch das große blaue „Verhüterli“ aus meinem Rucksack. ich tröste mich mit dem Gedanken, dass ich das Regen Cape dann wenigstens nicht umsonst mit schleppe. Nach knapp einem weiteren Kilometer hört der Regen endlich au. Der Wind bläst meine Hose wieder trocken und ich genieße erst mal eine weitere Pause. Von hier sieht man am Horizont kein Land mehr. Ich habe den Flensburger Fjord verlassen.

Ein Wegweiser macht mich darauf aufmerksam, dass nun ein zwei kilometerlanger Strand Abschnitt folgt. Strand? Wohl eher ein Geröll Abschnitt. Abwechselnd Sandwatscheln oder Steine hüpfen (ich erinnere Portugal und Markus Wortfindung, immer noch der beeindruckendste Trail, den ich je gemacht habe, seufz) Aber zurück nach Dänemark. Jeder Schritt muss hier wohl überlegt sein, zumindest mit dem Backpack auf meinem Rücken. Unterhalb der Abbruchkante der Steilküste balanciere ich vorsichtig über die Steine oder durch den Sand. Beides extrem beschwerlich. Bin ja nicht mehr 39… Vögel nisten in der Steilwand. Ich suche mir einen bequemen Stein zum rasten, doch hinter mir ein Baum, der nur noch mit wenigen Wurzeln verankert ist. Vielleicht besser nicht hier rasten? Bei meinem Glück suche ich ein Stück weiter und schaue den vorbeifahrenden Segelbooten zu. Kein Mensch vor mir kein Mensch hinter mir, einsamer geht es nicht.


Trotz dieser beeindruckenden Küste bin ich froh, dass die 2 km endlich ein Ende haben und ich wieder halbwegs festen Boden unter den Füßen. Es war brutal anstrengend und hat meine Füße und Fußgelenke enorm in Anspruch genommen.
Es ist noch nicht mal Mittag und ich habe die Hälfte, weit über die Hälfte hinter mir dachte ich zumindest, der Rest ein Klacks, auch das dachte ich.
Entspannt ging es durch einen großen Buchen Wald in dem ich auf einige Camper treffe, mit Hängematten und Zelten noch beim packen. Offensichtlich haben sie das Gewitter in den Zelten ausgesessen .
Zum Glück vergesse ich abzubiegen und lande an einer Steilküste, die der Sturm regelrecht weggerissen hat und die Bäume in Reih und Glied auf dem Strand liegen. So etwas hab ich noch nie gesehen. Unfassbar beeindruckend und doch erschreckend.


Ein kleiner Umweg und ich bin zurück auf dem Gendarmstien kurz vor dem Campingplatz meine ich.
Dann gehts erst richtig los, rauf und runter an den Steilhängen. Und kein Ende in Sicht. Noch 3 km. Ohmann.

Ich muss mich selbst motivieren auf dem letzten km. Ungefähr so: Titel in der lokalen Presse Dänemarks : *einsame Wanderin gefunden, kurz vor dem Ziel in einem kleinen, Wäldchen vor dem Campingplatz Gammelmark* Der Name ist Programm. Völlig vergammelt und erschöpft komme ich an.Glück gehabt. Ich bin dem hiesigen Suchtrupp entronnen. Ich lebe. Warum sind die letzten km immer die Schlimmsten? Egal wieviel Du hinter Dir hast…
Es ist 13:30 Uhr, 22 km statt 17 ich beziehe mein Campingzelt. Stelle mich stundenlang unter die Dusche. Hole mir einen Kaffee, Wasser und wasche meine Wäsche.


Dann an den Strand nicht besonders schön, aber zweckmäßig: ich Chille und gönne meinen Muskeln eine Auszeit. Das Wetter spielt verrückt. Sonne Wolken, Wind es wird kühler und wieder steht hier nur eine Pommesbude.
Also gibt es heute Abend Dinner for One. Trail organic food, ein Becher Rotwein, ein Wasser und ich bin glücklich.
Morgen gibt es eine Auszeit. Nach nur 11 km sollte ich Sonderburg erreichen. Ich habe dort ein kleines Apartment mitten in der Zivilisation. Ich freu mich drauf.
Ich habe noch satte zwei Wochen. Und diese gehen schnell vorbei, die Eindrücke und das Erlebte dauert aber lange an und fühlt sich ewig an. Das ist es, was das Weitwandern mental mit Dir macht. Totale Entspannung und Abschalten pur!
See you tomorrow, ich wünsche mir eine gute Nacht im Wigwam 😊
Kurioses des Tages: ich wusch meine Wäsche in der Herrendusche und wurde nicht entdeckt 😂🙏