Tag 5 Ende Gut – alles gut ?

Ich habe ihn gerockt – den Gendarmstien. Zugegeben keine große Herausforderung, flache Wege, einigermaßen gutes Wetter und gute Unterkünfte. Ein sehr schöner und abwechslungsreicher Wanderweg.

Heute morgen war ich wie immer früh wach, einen Instantkaffee und Banane später ging’s denn auch schon los. Einmal quer durchs Wohngebiet um den Anschluss an den Trail wieder zu gewinnen. Das Wetter heute perfekt. Kühle 12 Grad am Morgen aber Sonne pur. Einmal kurze Hosen bitte! Damit wären auch diese nicht umsonst ins Gewicht gefallen.

Den GS wiedergefunden führt er mich herrlich an der Küste entlang, durch Wälder und Wiesen, mal oben mal unten.

Fix waren die ersten 6 km geschafft. Ich gönne mir eine lange Genusspause mit Blick auf das Haff. Schweinswale soll es hier geben. Mir zeigt sich leider kein Exemplar, schade.

Und wieder bin ich allein, nicht einsam, allein mit mir. Das ist etwas anderes. Ich hing den Gedanken nach, manchmal denke ich auch gar nichts. Lausche den Geräuschen der Natur, dem Meer, den Vögeln und ja – auch den Waldarbeitern 😉.

Eine wunderschöne abwechslungsreiche Etappe. Ich stoße auf ein – ich weiß nicht, was es bedeutet – aber dieser Platz hat etwas. Leider nagt auch hier der Abbruch der Küste und ein großer Riss ist abgedeckt. Schade. Die nette Wirtin heute Abend erkennt Vikinger Ornamente. Aha.

Immer wieder tolle Ausblicke, manch Jogger oder Gassigeher kommt mir entgegen. Sonst himmlische Ruhe um mich herum.

Ich komme an der Hütte von Siegfried Lenz vorbei. Sein Badehaus, das er selbst erbaut hat. Ok. Ich hätte mir einen anderen Ort ausgesucht, aber vielleicht sah es früher hier anders aus. Heute darf man hier zelten. Die Hütte selbst ist verriegelt und es gibt auch nichts wofür sich ein Einbruch lohnt, so die Tafel.

Auf einem Ziegelmonument am Strand (siehe Beitragsbild) lege ich auch einen ab. Ich liebe diese Steintürme, die von vielen Besuchern und Erbauern zeugen.

Nach 14 km verlasse ich wehmütig die Küste und wandere an endlosen Feldern entlang ins Landesinnere zum Endziel Skovby. Hier endet der Gendarmstien heute.

Vorm Gasthaus und meiner heutigen Unterkunft muss ich warten, es ist noch geschlossen, ich bin viel zu früh. Nach einer kurzen Mail öffnet mir der junge, asiatische Koch und lässt mich in mein Zimmer, nachdem wir es gefunden hatten. Er kennt sich nämlich nur in seiner Küche aus (und kochen kann er !) Einfach, schlicht, Gasthaus eben. Das Bad auf dem Flur aber neu und angenehm. Ich liebe es, wenn den Damen Haarspray und Deodorant (auf Pilgerzügen) zur Verfügung stehen 😍 Bisher bin ich der einzige Gast, vielleicht bleibt es ja so – und ruhig.

Als das Gasthaus öffnet sitze ich draußen an der Hauptstraße noch in der Sonne beim Kaffee und versuche meine Möglichkeiten auszuloten wie es weitergehen kann.

Und dann traue ich meinen Augen nicht. Da kommen drei schwer bepackte Wanderer. Richtig! Die drei von gestern! Man sieht sich eben doch. Eine Hamburgerin und ein Paar aus Würzburg. Meines Alters würde ich sagen und ich staune nicht schlecht. Sie schlafen in Sheltern oder im Zelt und rocken auch bis zu 23 km am Tag. Hut ab. Ok, alleine würde das von Ihnen auch keiner tun, wie sich herausstellt.

Mit dem Wetter haben sie ebenfalls Zweifel. Ich bin also nicht allein. Sie wollen noch den Alstien und weiter den Alssundstien gehen. Das heißt eventuell sehen wir uns morgen auf der Etappe des Alstien nach Fynshaw.

Ich muss mich dann entscheiden. Bitter aber nötig. Die nächsten 6 Tage wird es zu 90% regnen. Da ich feste Unterkünfte gebucht habe, die alles andere als Lowbudget sind, macht es da Sinn im Regen zu laufen und abends mehr oder weniger fest zu sitzen? Allein?

Eine Entscheidung, die nur ich treffen kann.

Erstmal ein leckeres Fisch-Abendessen, zwei Vino oder auch drei und morgen früh wird der Himmel mir ein Zeichen geben. Ein nasses, vermutlich.

Nach Fynshaw gehts auf jeden Fall noch, nass oder trocken, die Wanderhütte ist nicht mehr Stornierbar, ob ich dann nach Fünen übersetze und den geplanten, mir auch irgendwie lieb gewonnenen Trail fortsetze? Ihr werdet es erfahren.

Ich schicke derweil einen Wunsch ans Universum!

Es ist und bleibt eben nicht planbar…oder wie sagt man so schön: „wenn es am schönsten ist, soll man gehen“

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