Tag 10 Off-Tag wider Willen

Der Tag startet mit – wie soll es anders sein – Regen! Ich lote meine Möglichkeiten für den heutigen Tag aus. Bei Dauerregen bin ich nicht wirklich gewillt, 24 km zu wandern. Ich werde die Strecke über den Fjord, der bis auf die kleine Kommune Siø rein aus einer doppelspurigrn Straße mit Seitenstreifen für Radfahrer und Fußgänger besteht, mit dem Bus queren.

Also habe ich noch in Ruhe Zeit einen Kaffee zu nehmen, meine wenigen Habseligkeiten im Rucksack zu sortieren, Fuß tapen und was zur Vorbereitung des Tages so anfällt. Die Regenmontur bleibt heute natürlich griffbereit, der Rucksack gleich in ein neonfarbenes Mützchen verpackt.

Dann habe Ich noch etwas Zeit, um mich für die nächsten zwei Tage an Lebensmittelläden und Restaurant Möglichkeiten zu orientieren. Leider findet man bei Letzteren in Google Maps lediglich den Hinweis am Pfingstmontag Änderung vorbehalten. Hhm. Gut dass ich gestern noch ein paar Not-Rationen gekauft habe.

Auf der Insel Langeland und damit in Rudkøping angekommen, hülle ich mich wieder in mein blaues Regencape und steuere den Hafen an in der Hoffnung ein offenes Café oder Ibiss zu finden. Hab ich. Ø-Cafeen. Eher ein Kiosk als Café aber trocken und Café gabs und ein Stück Nussecke. Hier verbringe ich die nächste Stunde bei strömenden Regen und sinkender Stimmung. Ich bin der einzige Gast.

Kurzum, mir wird klar: ich muss mich nicht quälen. Ich bitte die Bedienung mir ein Taxi zu rufen. Zwei Stunden bei diesem Wetter bedeutete, klatschnass zu sein bis ich am Campingplatz ankomme. Meine Schuhe Goretex, doch das hielten auch diese auf Dauer nicht aus. Am Ende winkt wieder einmal eine Erkältung. Ich aber habe immer noch fest vor, das Ende meiner Reise bei wunderschönem Wetter an einem Strand an der Ostsee zu verbringen.

Die Taxifahrerin ist ein Erlebnis. Mit fast null Abstand zum Lenkrad, an das sie sich krallt, fährt sie krampfhaft und hochkonzentriert über die B9. Gott sei Dank darf sie auch nur 70 km/h fahren. Ich frage mich ehrlich wie sie zum Taxischein gekommen ist?

Ohne jeglichen Zwischenfall (sie fuhr nur einmal über die Mittellinie) verlasse ich das merkwürdige Gespann am Fährhafen um mich kundig zu tun, wie und wann ich morgen nach Lolland übersetzen kann. Zig Fahrradfahrer*innen warten ebenfalls völlig durchnässt auf die Fähre.

Das Ticket gibts am Automaten direkt morgen vor der Abfahrt. Nu gut. Dann los zum Campingplatz, ich müsste nun in meine Hütte ziehen können. Mir ist kalt und ungemütlich.

Es klappt. Ich beziehe meine Hütte, ganz ok, nicht überragend aber trocken und einigermaßen warm. Die Miniküche und Zubehör naja. Nicht gerade gepflegt nennt man das wohl liebevoll. Das Fischrestaurant am Anleger hatte offen. Eine Alternative zu Spaghetti mit Knorrsauce.

Denkste, bis ich kam geschlossen, also doch Spaghetti. Danach nutze ich die Regenpause. Es fehlt was heute. Off-Tage sind nicht meins. Ich zitiere mein Credo:

WALK*EAT*SLEEP*REPEAT

Dann heute eine Runde walken. Ohne Gepäck, was für ein Tempo! Noch die Stimmung am Strand einfangen…

Und hier finde ich, wonach ich die ganze Zeit schon Ausschau gehalten habe: einen „Hühnergott“ – mein Mitbringsel von Langeland. Er ist zwar nicht besonders hübsch, dafür aber nicht so schwer 👣

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