Tag 13 hat’s nochmal in sich

Ich habe mich wohl gefühlt in meine Röhre, wenngleich auch nachts noch einmal der Regen auf das Dach prasselt und in mir ein leichtes Unwohlsein verursachte.

Am Morgen dann war alles vorbei. Gott sei Dank. Der Himmel noch verhangen, aber es war trocken. Ich rüste mich für die letzte Etappe in Dänemark.

Es geht noch einmal am Dom und am See Maribos vorbei, der heute in einem ganz anderen Licht erscheint als gestern im strömenden Regen.

Der Jakobsweg ist hier wirklich schön. Ich komme auch noch einmal an einem tollen Shelter Platz vorbei und mache Probeliegen. Schon schön, wenn man morgens hier aufwacht. Munter gehts mit Freude über das schöne Wetter weiter, noch…. aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Ich genieße noch diese letzten Kilometer in Dänemark in vollen Zügen. Immer wieder begegnet mir der gelbe Pfeil und das Muschelzeichen. Ich quere die Bundesstraße, biege nach links ab und gelange auf einen langen Pfad rechts und links von Hecken gesäumt. Herrlich schattig und gut zu laufen…

Kilometer um Kilometer führt der Weg immer geradeaus vor mir und hinter mir Menschenleer. ab und an kommen mir Fahrradfahrer entgegen, aber sonst totale Stille. Vögel zwitschern, das knirschen unter meinen Schuhen, das Tik Tok meiner Stöcke – sonst nichts. Ich frage mich, wo ich inzwischen bin aber ich schaue nicht mehr – das ist jetzt meine Zeit.

Das Handy bleibt unberührt. Ich hänge meinen Gedanken nach und freue mich tierisch auf den Ausklang in der Sonne am Meer.

Immer weiter, weiter und weiter, immer Schnur geradeaus führt der Weg auch nach der kleinsten Biegung. Immer wieder gerade aus, rechts und links Hecken dazwischen Felder. Kaum Abwechslung für die Augen außer diese beiden hübschen Wegweiser.

Meine Füße fangen an zu schmerzen. Die Blase an der Ferse fängt an zu drücken das monotone Laufen strengt an. Ich glaube schon gar nicht mehr daran, da frischt der Wind noch mehr auf und ich spüre, dass ich in Küstennähe komme. Endlich.

Dann die ersten Schilder, noch 4 km bis Rødbyhavn. 4 km. Das klingt nach einer Ewigkeit und dann steh ich doch auf dem Gelände des riesigen Fährhafens. Noch ein paar Meter an einem Lost Place der verlassenen Bahnschienen vorbei gelange ich in das Gebäude. Vor lauter Enthusiasmus laufe ich zur falschen Gangway. Ein Mitarbeiter holt mich zurück. Ist ja hier auch fast wie auf dem Flughafen…

Die Überfahrt auf der großen Fähre ist fantastisch. Es ist zwar saukalt und extrem windig und das Schiff schwankt, aber ich genieße jeden Augenblick bis Fehmarns Anlegestelle und bin überwältigt von diesem großen Schiff, das nicht nur Autos sondern auch LKW am laufenden Meter auf zwei Ebenen gefräßig verschluckt.

Nun habe ich wieder deutschen Boden unter den Füßen. Ich bin auf Fehmarn – noch 2 km dann erreiche ich meine heutige Unterkunft. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Tag heute so anstrengend wird aber das lag wohl an dem insgesamt 14 km langen Weg vom Nichts ins Nichts. Nochmal Camino zum Nachdenken…

Meine Wirtin vom Hus Seeblick, super nett. Sie empfiehlt mir noch ein paar Meter, wie sie sagt, links am Strand entlang zu laufen zur BeltBude. Ein paar Meter? Es sind satte 2 km! Tapfer wuppe ich auch diese noch, ohne Rucksack versteht sich. Der hat schon auf dem Zimmer eingecheckt und hat für heute Feierabend. Ich hingegen durste nach Strand, Drink, Food und Sonnenuntergang.

Gut, dass ich Ihrem Rat gefolgt bin. Es ist ein wirklich wunderbarer Ort. Es gibt Strandkörbe, in denen man kostenfrei sitzen darf, mit Blick auf das Meer, Cocktails und etwas zu essen. Okay, Currywurst mit Pommes aber was soll’s? Es ist herrlich idyllisch, nur bitte dieser eisige Wind 🙄

Klar, ich hatte es eilig an den Strand zu kommen, aber nun sind es bis zum Sonnenuntergang noch 2 Stunden? Mir wird klar, das schaffe ich heute nicht mehr. Es ist kalt und ich bin müde. Im Strandkorb einschlafen, keine Option! Ich freue mich auf eine heiße Dusche. Langsam trete ich den Rückzug an. Etwas enttäuscht aber so sind die Dinge eben.

Morgen ist auch noch ein Tag vielleicht schaffe ich es morgen.

Ach, fast vergessen: hier am nördlichsten Zipfel von Fehmarn steht er, der Mönch am Wegeskreuz vom Pilgerweg Via Scandinavica und Radfernweg „Mönchsweg“. Ultreia! 👣

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