In der Nacht haben mich die Gedanken um die Entscheidung umgetrieben. Als um 7:00 Uhr die Sonne durchs Fenster blinzelt und beide Wetter Apps einen halbwegs trockenen Tag versprechen (wider aller Prognosen) hatte ich eigentlich schon meine Entscheidung getroffen , ich bleibe. Apropos, manche sagen Wetter Apps sind blöde, stimmt. Sie treiben einen auf dazu Entscheidungen zu treffen, die noch gar nicht getroffen werden müssen, ziehen einen runter und können einem so richtig die Stimmung vermiesen. Ich habe diese Reise so lange geplant. Ich werde sie machen egal ob es regnet oder stürmt. Es wird immer eine Alternative geben.
Voll motiviert packe ich meinen Rucksack. Gehe nach unten ins Gasthaus. Bekomme ein wunderbares Frühstück. Die Sonne lacht noch immer und ich setze meinen Weg fort.
Der Weg des Alstien wie er nun heißt, führt erst einmal an dem Campingplatz vorbei zu dem die drei Wandergesellen von gestern Abend aufgebrochen sind. Weiter geht es hinunter zur Küste. Hier schier endlose Kilometer immer am Strand entlang auf einem kleinen winzigen Deich.

Die Sonne versteckt sich zwar immer mehr hinter Wolken, aber es bleibt trocken. Das ASS im Ärmel: ab Mommark Strand soll ein Bus fahren, nach Fynshav, Mein heutiges Etappenziel.
Mommark Strand und den kleinen Hafen erreiche ich auch nach ungefähr 12 km und gönne mir einen Aperol Spritz.

Ich beschließe weiter zu laufen. Der Weg führt nun im Zickzack durch Felder, Wälder, Wiesen und kleine Siedlungen. Leider größtenteils auf Asphalt, das merken meine Füße sehr schnell. Immer wieder aber geht’s hinunter an den Strand und leider auch hier immer wieder Steine balancieren und durch tiefen Sand wackeln. Oft ist der Weg von umgestürzten Buschwerk bis zur Wasserkante versperrt.



Steht da ein Badehaus? und offen ist auch noch! Perfekt zum Regenschutz rauskramen.
Vorher aber, ich vergaß beinahe, stehen auf einer Weide eine Stute mit ihrem Fohlen. So ein hübsches Fohlen, dass ich einfach nicht aus den Augen lassen kann und dann passiert es. Ich verpasse den Abzweig und lande auf einem Privat Hof. ich begehe einen schweren Fehler und suche eine Abkürzung. Das geht gründlich schief. Mir bleibt nur, mich 1,5 km durch ein Weizenfeld zu schlagen. Verzweifelt suche ich eine Spur eines Traktors, der das Laufen über den holprigen Feldboden einfacher macht und hoffe inständig, dass mich keiner dabei beobachtet wie ich durch das Feld pflüge.

Geschafft. Ich hab den Weg wieder gefunden und auch den Abzweig, den ich verpasst hatte. 1,5 km Umweg für nichts. Egal, nicht darüber nachdenken und weiter.
In strömenden Regen laufe ich mit meinem blauen RegenCape wie ein Blaukäppchen erst durch ungeschützte Wiesen, dann endlich durch Wald, der ein wenig Schutz bietet. Dort stoße ich auch auf alte Bauerngräber, sehr alte. Wirklich interessant! Sie sind einen Rundgang wert.


Gefühlt habe ich noch 10 km vor mir und wieder im Zickzack hoch und runter durch Tratschnasse Wiesen, Asphalt, Straßen und gefühlt verlassene Häuser. Ich treffe keine Menschen Seele. Und bitte bloß nicht nachschauen wie weit es noch ist. Langsam führe ich Selbstgespräche- eine Playlist habe ich immer noch nicht …

Und dann sehe ich in der Ferne endlich schon die Fähre, die auf den Anleger zusteuert. Ich muss kurz vorm Ziel sein. Motiviert, Schritt für Schritt stapfe ich weiter am Fähranleger vorbei noch durch einen kleinen Wald und dann stehe ich glücklich und erschöpft auf dem Campingplatz Naldmose. Ich gebe zu das war heute mit 28 km und dazu Regen eine echte Herausforderung.
Ich schlurfe – anders kann man es nicht mehr nennen – inzwischen wieder vom Wind trocken gepustet in die Rezeption. Der Besitzer Stefan schaut mich an und ich sage nur: ich bin Birgit und ziemlich fertig! Und er: witzig gerade habe ich mich gefragt, ob du noch kommst.
Er kann meine Gedanken lesen …. zuerst zeige ich dir deine Hütte. Dort hinten kannst du dann heiß duschen und wenn du magst, gibt es heute Flammkuchen und ein Glas Wein. Komm einfach vorbei. Welch ein Volltreffer! Überhaupt er ist supernett und der Campingplatz ist ein Fundstück!



Also richte ich mich in meiner Hütte ein, gehe lange und heiß duschen und habe einen richtig netten Abend in seinem winzigen Bistrobereich bei Flammkuchen, einem Glas Wein und netten Campern aus Köln, mit denen ich mich lange über das Reisen unterhalte.
Ein Rundgang noch am Strand – sogar die Sonne ließ sich noch mal blicken – und dann mache ich es mir in meiner Hütte gemütlich. Ein gelungener Abschluss eines anstrengenden Wandertages.
Morgen, ja morgen setze ich mit der Fähre auf Fyn über und setze damit meine Wanderung fort. Es kommt was kommt. Ich lasse mich darauf ein.
Adé Wetter-App ….Welcome Fyn!