Am nördlichsten Zipfel Deutschlands

Lange hat es gebraucht. Meine erste Corona-Infektion, die mich noch in der wohl gefährlichsten Phase der Pandemie traf, war zwar nicht tragisch verlaufen, doch hat dieser Virus offensichtlich doch Spuren hinterlassen.

Ich möchte hier aber auf gar keinen Fall meine Diagnose-Liste veröffentlichen oder über meine Gebrechen jammern. Der Zahn der Zeit nagt eben auch an mir 🙂

Nur so viel: nach langem Warten habe ich einen Reha-Platz in einer Rehabilitationsklinik am wohl schönsten und bekanntesten Ort Deutschlands bekommen: SYLT. (und nein, ich habe die DRV nicht bestochen – ich hatte einfach auch nur mal GLÜCK)

Die Wartezeit war zäh, fast 5 Monate und nun war es endlich soweit. Selbstverständlich musste ich mich erst einmal – in Anbetracht der fortgeschrittenen Jahreszeit – mit den notwendigen Nordseewetter-tauglichen Bekleidungsteilen ausstatten. Meine Trekkingausstattung ist zwar hochwertig, doch nicht wintertauglich. Warme wasserdichte Gummistiefel, Regenjacke, ein warmer Mantel und ein dicker Pulli. Das muss reichen. Stopp. Eine dicke Mütze noch. Das wars.

Mehr Vorbereitungen (mal den Job, die endlosen Formulare und Corona-Vorsichtsmaßnahmen ausgenommen) bedarf es nicht.

Und dann war er da. Der Tag der Abreise und der etwas anderen Anreise. Meiner Anreise. Normal gibt es bei mir nicht, aber das kennen meine Follower ja nicht anders von mir :-).

Ich versuche mich kurz zu fassen, wir wollen ja alle noch nach Sylt. Aber ich muss das einfach hier verewigen.

Nun, um die Anreise entspannt zu gestalten – so glaubte ich zumindest – fuhr ich bereits am Vortag zu meiner lieben Freundin. Es wäre ungefähr Halbzeit und ich hatte sie darüber hinaus schon 3 Jahre nicht mehr gesehen. Der Verkehr lief und so war ich am Nachmittag in Holtensen/Springe, ein Dorf irgendwo im Nirgendwo bei Hannover (meine Liebe verzeih, es ist ein schönes Dorf und DU hast ein noch schöneres Haus!). Die Freude war groß. Den Abend wollten wir daher noch gemeinsam auf dem Hamelner Weihnachtsmarkt (ca. eine halbe Autostunde entfernt) genießen, ein ausgiebiges Frühstück gemeinsam vor meiner frühen Abreise. Das Auto ins CITY-Parkhaus gestellt, konnte es losgehen….Einzelheiten lasse ich hier jetzt aus. Es war unser ganz persönlicher Abend…

Der nächste Morgen. Ich frühstückte alleine. Warum das? Ich wartete auf meinen Autoschlüssel. Dieser war aus Gründen, die ich hier jetzt nicht auch noch erläutern möchte, in IHREM Auto ….. und dieses stand und übernachtete blöderweise im Parkhaus in Hameln, das nämlich um 20:00 Uhr schloss, egal ob wir das wussten oder nicht!

JA, ach Du heilige….. Was nun? Ein Taxi brachte uns zum Bahnhof, die S-Bahn nach Springe (s.oben), von wo aus uns der freundliche Nachbar „Otto“ nach Hause abholte (nochmal 12 km). Die aufkeimende Frage nach einem Ersatzschlüssel kann ich kurz beantworten. Ja. Ich hatte ihn dabei. Und nein. Wir konnten nicht mit meinem Auto nach Hameln fahren, dieser Schlüssel war nämlich in meinem Auto. Ich hatte lediglich den Daypack aus dem Auto genommen, seufz.

Also Taxi „Otto“ frühmorgens mitsamt meiner Freundin wieder nach Springe zur S-Bahn. Sie mit Bahn nach Hameln, mit Stadtbus zum Parkhaus und mit Auto und meinem Autoschlüssel wieder zurück nach Holtensen. Die GUTE. Ich durfte frühstücken, duschen und mich ganz entspannt auf die Abreise vorbereiten. Tausend Dank meine Liebe! Das gemeinsame Frühstück holen wir nach, versprochen!

Mit etwas Verspätung und leider leerem Tank gings endlich los. 4 Stunden, kein Thema. Autozug war online gebucht. Anreise bis 16:00 Uhr möglich. Bekomme ich gerade noch hin.

Aus 4 Stunden wurden 6. Ich rede nicht lange drum herum. Ich habe ein Erdgas-Auto. Erdgas-Tankstellen zu finden, die Gas haben, nicht defekt sind, nicht ausschließlich mit einer bescheuerten Karte zu nutzen sind und sich auch noch „best case“ irgendwie entlang der geplanten Route befinden, eine nervige Angelegenheit, kann ich Euch sagen. Die Alternative, den Benzintank (max. 100 km) ständig zu füllen auch keine Lösung. Mindestens 80 km haute ich für die Umwege noch obendrauf. Und Zeit, viel Zeit.

Kurz vor Niebüll – wo mein Kleiner Arona verladen werden sollte – wurde ich bereits von blökenden nordischen Schafen Willkommen geheißen 🙂 und dann gings endlich relativ zügig auf den Autozug.

Die Überfahrt mit dem Autozug war ein Erlebnis, ein wackelndes und rüttelndes Erlebnis. Die Tatsache, dass das Auto nicht verzurrt wurde, sondern es lediglich die Handbremse in Schach hielt, schürte das ungute Gefühl von Unsicherheit in mir. Es dämmerte bereits und war grau und trist, so verhalf auch kein wundersamer Ausblick zur Freude über den Transfer. Im Stock-Dunkeln am frühen Abend erreichte ich mein Ziel, die Nordseeklinik auf Sylt. Erst spät fand ich noch Zeit dick eingepackt in die nagelneue „Sturm-Tracht“ der Nordsee einen Besuch abzustatten. Und das auch nur, weil das Meer eindeutig Vorrang vor dem Ausladen des Gepäcks hat! Eine ganze kalte Stunde verbrachte ich direkt am Strand und später auf der Bank an der „Nichts-„Aussichtsplattform….

Eben. Wie ihr seht, seht ihr nix. Auch meine Augen gewöhnten sich nur langsam an die „Nachtsicht“. Aber das war sowieso nebensächlich. Ich roch es. Ich hörte es. Ich spürte es. Das Element, das mir gut tut, auf das ich mich so gefreut habe, das ich so vermisst habe, das ich auf meinem Jakobsweg so schätzen gelernt habe. Das Meer. Es ist die Weite, die Unendlichkeit, die Ruhe und doch die Kraft, das Reduzierte. Auf das Wesentliche. Leben. Ebbe und Flut. Kommen und Gehen. Dazwischen alle Nuancen. Von glatter und zauberhafter Schönheit bis rauer und wütender Macht.

Und ich dachte darüber nach, wie es mir hier wohl im Sommer ginge? Wenn die Strände von unzähligen Touristen heim gesucht werden. Wenn man kaum noch ein Stückchen Strand sehen kann, ein Strandkorb sich an den nächsten reiht, Menschen das Meer mit Sonnenöl schwängern, Kinder den Strand umgraben, Sonnenverbrannte Leiber im Sand den ungehinderten Blick auf das Meer verhindern? Nein, danke. Es gefällt mir. Genauso so wie es jetzt ist.

Müde falle ich ins Bett, Frühstück gibt es noch VOR dem Aufstehen 🙂 07:00 Uhr. Ich hoffe, mir bleibt genügend „Frei“Zeit, um die Natur hier in vollen Zügen genießen zu können, wandern, laufen, träumen und den „Stecker ziehen“ (der vom Firmen-Handy ist übrigens schon seit Montag gezogen)

Es ist MEINE Zeit. Zeit für mich und meine Gesundheit.

Gute Nacht und luftige Grüße aus Sylt….

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