Ein Tag mit Tücken

Das Frühstück habe ich heute in vollen Zügen genossen. Zumal ich in der Nacht damit zu kämpfen hatte, im Bett zu bleiben. Nicht weil ich nicht schlafen konnte, sondern weil das Bett mich nicht haben wollte. So schmal, ich glaube 80 cm, die für mich einfach zu schmal sind 😉 einmal umgedreht und Zack beinahe die Balance verloren…

Hagelslag 😍, noch aus Kindertagen und bis heute herrlich, aber nur aus Holland! Dazu zwei Kaffee – auch immer der Beste in Holland – zwei Brötchen, eine Banane, ein Ei, Kirschen und O-Saft. Uff. Satt. Der Rucksackgurt muss ein wenig nachlassen nach dieser Völlerei.

Gerade schüttet es wie aus Eimern. Gut dass ich hier gerade im Trockenen in meiner „Werft“ auf dem Sofa lümmele und nicht auf dem Campingplaats … aber dazu später mehr…

Nach dem Frühstück ging es los, mit Blaumann! Es regnet. Aber ich bin gut mit Energie versorgt und schon jetzt froh, noch eine Behausung gebucht zu haben. 20 km liegen vor mir. Zuerst eine Dorfroute, dann den Kustpad am Deich bis Lauwersoog, meinen heutigen Ziel.

Trotz des leichten Regens komme ich gut voran. Nur wenige sind unterwegs , nichts Neues eben.

Achso, beinahe vergessen, auf dem Parkplatz neben dem Dorphuis gibt es eine Bäckerei in einem alten Zirkuswagen….typisch Holländisch eben.

Ich schaue heute nicht auf meine Trekkinguhr. Das habe ich mir fest vorgenommen. Ich möchte einfach laufen, genießen, den Gedanken nachhängen oder eben einfach nichts denken. Ich habe Zeit, den ganzen Tag….

Das gelingt mir tatsächlich bis ich nach gut 9 km vor diesem Schild stehe:

Folge „K“ verstehe ich, aber das das heißt, 11 km ontop, das steht da nicht! Ich bin zutiefst verärgert 😠. Dank Google Maps gelingt es mir tatsächlich 2 km abzukürzen. Die nächste Abkürzung, die ich in Angriff nahm bescherte mir zwar erst eine lustige Mittagspause inmitten einer Schafherde…dazu gleich, endete aber vor einem Militärzaun. Heißt nochmal 4 km Umweg bzw. Zurück!

Mann. Entweder Polder oder Zäune…was ist denn hier los?

Die Schafe. Die Schafe weiden auf dem Deich. Auf dem ich auf einer Bank gedenke zu rasten.

Als ich im Rucksack herum wurschtele – es hat gerade mal aufgehört zu regnen – kommen sie angelaufen – endlich mal was los hier auf dem öden Deich – und stehen nahezu 1/2 Stunde regungslos geduldig aber voller Erwartungen so da:

Regungslos. Im Ernst. Irgendwann finden sie mich auch nahezu so langweilig wie den Deich und ziehen es vor ein Verdauungsschläfchen zu machen… 😂

Nach meiner Exkursion zur Militäreinheit begrüße ich sie mit einem lauten: „ Bin wieder da“. Diesmal aber nehmen sie komischerweise keine weitere Notiz von mir. Vielleicht wegen der persönlichen Ansprache, die ich hier nicht wiederholen möchte….

Mir ist das egal, ich bin eh sauer. Sauer um die vielen km, die heute praktisch umsonst sind.

Mit letzter Kraft und nach etlichen km an der Hauptstraße entlang komme ich am Naherholungsgebiet an. Inzwischen regnet es schon wieder. Noch 7, noch 6, noch…. Ich fange an runter zu zählen. Habe keinen Bock mehr. Bin sauer. Müde. Will ankommen.

Kein Blick mehr für den großen See, ist eh sch…. Wetter. Nur ankommen. Bitte.

Dann endlich habe ich es geschafft. Bin da. Freue mich auf trockene Klamotten, ein Bett. Ausruhen. Was soll ich sagen. Heute ist irgendwie der Wurm drin. Keiner da. Auch ein Wohnmobilcamper sucht. An der Rezeption ein Zettel: Such Dir eine Platz. Komme 19:30h. Betale in Briefkasten. Hä?

Ich habe kein Wohnmobil, sondern einen Schlafplatz in einem Sluiphuisje oder so ähnlich gebucht. CheckIn laut Bestätigung 15:00 Uhr. Von den kleinen „Baracken“ gibt es hier drei. Aber zwei sind belegt, das andere abgesperrt. Sonst nur eine alte Lagerhalle….wenn ich mal gewusst hätte…

Zwei Anrufe und eine Stunde später, die ich im Flur der Rezeption auf dem Boden sitzend zusammen mit einer Motte verbracht habe, zur Erinnerung es regnet immer noch, kommt endlich der Sohnemann. Can I help you? Und ob!

Er telefoniert mit Mum Karla und siehe da ich soll mitkommen. Und dann die mega Überraschung. Diese alte Lagerhalle, die ich liebevoll in meine „Werft“ umgetauft habe, entpuppt sich als geniales Konzept für Kurzreisende und Camper. Aber seht selbst:

Hier werde ich also nächtigen. Inzwischen habe ich zwei junge Männer als Nachbarn. Lustige Typen, die glaube ich frisch verliebt sind…

Hätte ich das mal eher gewusst, hätte ich längst in mein Sluiphaus einziehen können. Der Schlüssel steckt und das Schild an der Türe weist meinen Namen auf.

Dann erstmal ab zum einzigen Supermarkt auf dem Campingplatz.

Hier oben geht es rein um Hafen, Fähren und kleinen Segelbooten. Am See gibt es 40 Wohnhäuser. Das war’s. Ich mache mit meinen Einkäufen noch eine Hafenrundtour auf der Suche nach der „Beach“ oder nach einem schönen Sitzplatz am Meer???

Nix da, schön. Alles Baustelle und oder eben schon zubetoniert.

Nun sitze hier wie eingangs erwähnt auf dem Sofa bei einem Glas Wein, Pflege meine heute tapfer durch gehaltenen Füße, höre dem Regen zu und hoffe, dass meine Hütten-Nachbarn die Bettruhe ab 23:00 Uhr ernst nehmen!

Und dann hört er doch noch auf, ich nehme mein Glas Wein und genieße den restlichen Abend am Anleger.

Die beiden Jungs kommen spät zurück. Ich höre sie wie sie verzweifelt versuchen leise zu sein. Nagut, irgendwann höre ich nichts mehr und jetzt am Morgen, wo ich schon startklar bin, schlummern die beiden noch tief und fest.

Auf gehts zur nächsten Etappe! Im Regen, was sonst 😅

2 Kommentare zu „Ein Tag mit Tücken“

Hinterlasse eine Antwort zu Barbara Mertens Antwort abbrechen