Nachdem meine Füße nun einen Tag entspannen durften und versorgt wurden, bin ich startklar für die letzte Etappe des Fischerpfades nach Lagos.
Um 08:00 Uhr verlasse ich ausgeschlafen Salema. übernachtet hatte ich in einem alten typischen Fischerhaus. Die junge Besitzerin gibt sich augenscheinlich Mühe, die Unterkunft in Schuss zu halten. Allerdings entspricht das nicht ganz deutschen Vorstellungen. Aber für eine Nacht war es in Ordnung.


Schon als ich stetig auf dem Pflaster bergauf laufe und später auf steinigem Weg zu den Klippen hoch wird mir klar, dass ich die beiden zwar versorgten Blasen an den unteren Seiten der Fersen (so eine richtig blöde Stelle) unterschätzt hatte. In der Nacht hatte es wieder geregnet, die Erde ist noch glitschig, die Steine auch.
Dann fallen auch noch winzig kleine Moskitos über mich her, eine sticht sogar in meine Nasenspitze, die daraufhin merklich dicker wird. Fängt ja gut an heute …
Ich seufze einmal tief und überlege mir zumindest bis Luz zu laufen.
Die Felsen, der Atlantik, die Aussichten, das alles geben mir Recht. Zu schön ist es hier zu wandern. Dann eben langsam Schritt für Schritt. Ich habe keine Eile.


Gefühlt geht es ständig hoch und runter und irgendwie entspannt kann ich heute nicht laufen, nicht wirklich genießen. Aber diese Tage gibt es.
Bis Burgos geht es noch relativ entspannt, ein hübsches Örtchen, das ich durchlaufe.






Auch die Vegetation ändert sich hier unten im Süden. Riesige Kakteen und Sukkulenten säumen den Weg.

Nach Burgos geht es wieder hinauf auf die Klippen und relativ ohne Höhen und Tiefen bis nach Luz.

Ich mache so viele Bilder, dass die Entscheidung schwer fällt…
Kurz vor Luz kommen mir sehr viele Spaziergänger und Tageswanderer entgegen. Fernwanderer treffe ich nicht einen einzigen. Nur zwei Französinnen, die mich über den Trail ausfragen.

Luz ist bereits sehr touristisch. Mit einer kleinen Promenade, Bars und Geschäften. Ich fühle mich fremd, gehöre hier nicht her. Ich bin kein Tourist wie diese. Ich laufe. Zu Fuß. Komme von weit. Liebe die Natur und nicht den Kommerz.

Ich lasse auch Luz sozusagen links liegen und fange den stetigen Anstieg hinaus aus dem Ort an.
Ich weiß was auf mich zukommt, ich muss da oben hinauf zu dem Obelisken und es wird steil sein.

Mit ganz vielen Stopps und viel Zeit schaffe ich es. Puh, das Schlimmste der Tour heute habe ich hinter mir.
Es ist schon unglaublich welche Kräfte man entwickeln kann, wenn man etwas wirklich will. Ein Ziel hat. Und wenn dieses Ziel auch eine mega Belohnung für die Mühen bereit hält: unglaubliche Aus/ und Weitsichten. Farben der Elemente so klar und unverfälscht.


Ab jetzt heißt es wandeln auf breiten Pfaden. Immer Lagos entgegen.

Und dann stehe ich wieder mitten in der Zivilisation, Baumaschinen lärmen, Wege werden zubetoniert. Hochhäuser, Luxusimmobilien und Hotels so weit das Auge reicht.

Ich bahne mir meinen Weg bis ich schließlich wieder Anschluss an den Fischerpfad habe. Es ist heute heiß, 20 Grad, die Sonne brennt. Zu warm eigentlich schon zum Wandern mit Gepäck. Abends kühlt es blitzartig ab und die Temperaturen fallen auf unter 10 Grad.
Über endlose Touristen-gerechte Holzstege geht es entlang der Felsenküste, die mit beeindruckenden Formationen aufwartet. Dazwischen kleine Badebuchten. Und wieder fühle ich mich wie ein Alien zwischen den Hunderten Touristen, die hier entlang flanieren. Als käme ich aus einer anderen Welt…



Noch eine kurze Rast und ein Drink, an einer Bar, dann bin ich schon in Richtung meiner heutigen Unterkunft unterwegs.

Das Sensation Guesthouse bietet trotz günstigem Preis sogar einen kleinen Roof-Top Pool mit Blick über Lagos. Leider ist es schon zu spät für ein Bad und viel zu kühl.
Hier endet nun meine Wanderreise.
Über 200 km bin ich bis hier her zu Fuß gelaufen. (Eine kleine Etappe ausgenommen).

Die letzten zwei Tage erhole ich mich von den Strapazen 😆 bevor es am Sonntag morgen von Faro aus wieder nach Hause geht.
Rückblickend kann ich nur bestätigen, dass dieser Trail unbeschreiblich schön, abwechslungsreich und beeindruckend ist. Natur pur.
Mal sehen, was Albufeira und Faro noch zu bieten haben….
Hallo Birgit,
herzlichen Glückwunsch und den größten Respekt zur Durchführung dieser Tour.
Liebe Grüße und bis bald
Jörg
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Danke lieber Jörg, es war mal wieder eine phantastische Auszeit in die Freiheit 😘😍
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