Trotz der sehr einfachen Unterkunft habe ich gut geschlafen, kein Wunder nach der langen Anreise.
Da morgens noch kein Shuttle-Bus ab Pontorson fährt und es in Strömen regnet, lasse ich mir ein Taxi kommen, dass mich nach La Caserne bringt, wo die Shuttle-Busse bereits früh fahren. Dort gibt es einen riesigen Parkplatz und auch mehrere touristische Hotels. Eines davon darf ich heute Abend auch meines nennen. Umso besser, ich lasse den Rucksack bereits dort und gehe in Anbetracht der Hunderten Treppen die mich erwarten mit leichtem Gepäck zur Insel.
Im Bus treffe ich auf zwei Stuttgarterinnen, die ebenfalls die Bretagne bereisen – mit dem Auto. Bin gespannt ob wir uns irgendwo nochmal begegnen, man weiß ja nie…die Magie des GR34 hat mich bereits im Griff, da kann auch das schlechte Wetter nicht dagegen halten.
Die Flut kommt wirklich „im Galopp“ man dreht sich kurz weg und bah! ist das Meer bereits zwei Meter weiter vorgedrungen!
Diese kleine Mittelalterliche Stadt erbaut auf alten Ruinen eines frühzeitlichen ersten Sakralbaus aus dem 10. JH ist grandios. 1000 Menschen lebten hier, wurden hier geboren und beerdigt und sahen nichts anderes in ihrem Leben als diese winzige Insel, die sogar eine Schule aufwies. Unfassbar. Heute leben hier noch dauerhaft 30 Menschen. Welch ein Geschenk, dass wir heute reisen können wohin auch immer, ob großes oder kleines Budget um die Welt zu entdecken.




Den Guide im Ohr krabbele ich Stufen rauf und runter, durch enge Gassen und über kleine romantische Plätze. Auf der Grand Rue wo einst das geschäftige Treiben im Mittelalter stattfand gönne ich mir einen Café und ein Stück Kuchen zum späten Frühstück das ich noch nicht hatte. Dann geht es über weitere viele Stufen in die Abtei.
Was für ein Segen, dass das Ungetüm von Rucksack brav auf mich im Hotel wartet.
Ein uraltes Gemäuer erwartet mich, verschlungene Wege treppauf und treppab führen durch die dicken Mauern der Abtei. Danach besuche ich noch das historische Museum, das mich aber nicht umhaut, leider.




Einen kurzen Moment lässt sich die Sonne blicken und da ich genug habe beschließe ich zurück zu laufen. Keine gute Idee. An der Bushaltestelle bereits vorbei beginnt es zu tröpfeln um dann in Sekunden in strömenden Regen umzuschlagen. Shit.
Mit nasser triefenden Trekkinghose erreiche ich nach 40 Minuten Marsch La Caserne. Es ist gerade Mal 13:30 h. CheckIn 16:00 h. Was jetzt. Der einzig trockene Ort ist ein Touristengeschäft mit angrenzendem Imbiss. Hunger wäre da schon. Also schlage ich mit einem Baguette und einem Kaffee die Zeit tot. Immerhin kann ich das Handy an einer Steckdose laden und erstehe sogar im Laden einen Adapter. Vermutlich werde ich diesen wie gestern in meiner Unterkunft noch benötigen. Ältere Häuser haben offensichtlich noch keine Steckdosen für „jedermann“.
Es schüttet unaufhörlich. In Ermangelung eines Supermarktes – clever hier – reserviere ich mir noch einen Tisch im sündhaft teuren Restaurant am Platze und ziehe in die Wartezone im Hotel um, um dort die letzte Stunde bis zum CheckIn aus zu harren und zu schreiben. Bleibt zu hoffen, dass es bei einem schwierigen Start bleibt und ab morgen, wenn es heißt „Tag 1 auf dem GR 34“ zumindest der Wettergott ein Einsehen mit mir hat.
Es bleibt noch immer ein flaues Gefühl ob der langen Strecke durch die Salzwiesen, die morgen vor mir liegt.
All das gehört aber zum Weit- oder Fernwandern dazu. Wie schrieb mir meine liebe Camiga Sevda 😘 heute morgen: genieße jeden Tag, auch die nassen, die einsamen und die, die weh tun! Mach ich Sevda, versprochen! We must finally meet again 🤞
