Tag 2 Ankommen auf dem GR34

Ich habe lange und gut geschlafen. So ausgestorben der Ort ist so ruhig ist er. Am Morgen noch einen Kaffee bei Pirette, dann geht es los. Es wird heute nicht regnen, aber kalt ist es. Wie im Winter sagt Pirette. Pirette hat meine trockenen Schuhe bereits abmarschfertig bereit gestellt, so richtig warmherzig! Danke Pirette für die Zeit in Deinem Haus!

Zuerst geht es weiter am Strand entlang. Als ich die erste Biegung am Ende der Bucht erreicht habe wird der Weg abwechslungsreicher und erste Weggefährten tauchen auf. Ein Franzose und ein französisches Pärchen.

Mit jedem Schritt kommt Cancale näher, mein Zwischenziel heute. Ohja. Und ich habe ein Versprechen einzulösen. Ich weiß.

Heute ist es wie ankommen. Ankommen auf dem Trail. Das Laufen fällt mir heute schon leichter, ich genieße die Landschaft um mich herum, die frische Meeresluft, den Wind der mir um die Nase bläst und die Zeit, die ich mit mir habe. Unendlich viel Zeit, die vor mir liegt. Ohne irgendwelche Verpflichtungen.

Walk. Eat. Sleep. Repeat.

Dann geht es einmal steil bergauf um oben angekommen wieder in Richtung Cancale abwärts entlang der Zufahrtsstraße. Der Blick auf das Küstenörtchen als auch der Blick zurück wo ich herkomme ist so schön.

Und jetzt löse ich tatsächlich mein Versprechen ein. Zuerst beäuge ich kritisch die hier an kleinen aufgereihten Marktständen angebotenen Austern. 12 Stück! Niemals.

Die Touristen sitzen hier aufgereiht auf Treppen mit ihren Tellern voll Austern und ein Glas Wein vom mobilen kleinen Foodtruck und nach dem Essen wirft man die Schalen einfach über Bord äh die Kante. Die Möven hoffen auf Reste und bevölkern die Berge von Muschelschalen.

Hinsichtlich der Auswirkungen der Antibiotika, die ich immer noch schlucken muss, verzichte ich heute besser auf Austern, wenn da nicht, ja wenn da nicht die nette Dame vom letzten Stand eine Probierauster für 1 Euro anbietet. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Ich bekomme gezeigt, wie man vorgeht und dann einfach rein damit. Pur, frisch aus dem Meer (hoffe ich) ohne Zitrone, einfach roh und Natur!

Das war mein letzter Versuch. Ich schwöre. Was die alle nur daran finden?? Ein Glas Wein wäre jetzt gut, die nette Austern-Französin lacht.

Ich nehme da lieber noch ein paar Fritten die echt gut sind und sogar mit Pelle zubereitet. Formidable! Für 3 Euro!

Noch 6 km bis zu meiner Unterkunft der Auberge de Jeunesse. Dazu aber später mehr. Zuerst einmal geht es auf wunderschönen verschlungenen Pfaden entlang der Küste mit herrlichen Ausblicken auf den Atlantik und – immer noch fest im Blick – Le Mont Saint Michel. Was mich auch immer begeistert ist, wenn man sieht welche Strecke man schon zu Fuß zurück gelegt hat. DAS motiviert immer zum Weiterlaufen.

Ein bisschen auf und ab geht es allerdings auch, auf ungeheuren großen Stufen. Mir kommt in den Sinn dass die Menschen früher viel kleiner waren. Warum machten sie so riesige Stufen? Sollten die Zöllner damit sportlich fit gehalten werden? Aber vielleicht sind die auch nur im Laufe der Zeit vom Wasser so ausgewaschen, dass man echt lange Beine braucht!

Es sind einige Tageswanderer unterwegs, kommen mir entgegen oder ich lasse sie vorbei weil sie schneller sind als ich heute oder eigentlich immer, egal.

Eine Stunde vor CheckIn erreiche ich die Bucht und – es fängt wieder an zu regnen. Ich verkrieche mich unter das Betondach der Herberge, wo auch schon eine französische Wanderin sitzt. Ich spreche sie an. Sie kann kein Englisch. Na gut. Dann nicht. Schweigend warten wir darauf dass wir reingelassen werden.

Ich habe ein Einzelzimmer mit Dusche. Luxus. Als ich fertig bin mit duschen kommt tatsächlich die Sonne kurz vorbei. Also nix wie raus an die Bucht. Dort gibt es einen Imbiss. Ich teste Galette mit Wurst und Käse. Ist ok. Stillt den Hunger. Ein Chardonnay rundet das luxuriöse Abendmahl ab. Und ich schreibe… ihr lest es gerade…

Apropos „Jeunesse“ oder „Jugend“Herberge. Mir kommen nur Menschen mindestens über 50 an der Rezeption entgegen. Ganze Gruppen Rentner. Hier bin ich genau richtig 😎

Es wird langsam kühl, die Sonne weg der Wein leer.

Ach, ich habe beschlossen jeden Tag ein schönes Highlight zu definieren, für das es sich gelohnt hat unterwegs zu sein. Heute war es definitiv das Erreichen von Cancal und das Beobachten des Treibens der Touristen dort. ( die Auster lass ich mal außen vor ) …

Bonne nuit!

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