Tag 7 Ein Engel auf Als

Gestern Abend noch habe ich mir ein Ticket für die Fähre nach Fünen gebucht. Online. 30 Minuten mindestens. Aber hey, ich habe es und um 10:00 Uhr legt die Fähre am Anleger in Fynshav ab.

Die Sonne scheint, und so ärgert es mich schon ein wenig, dass ich erst so spät von hier wegkomme aber gut. Gemütlich packe ich meinen Rucksack und schlendere nach vorne, um mein gestern noch bestelltes Brötchen zum Frühstück abzuholen. Dazu gesellt sich noch ein Orangensaft und eine Packung Cookies. Und dann vergeht die Zeit doch wie im Flug. Ich kehre die Hütte noch einmal raus, schultere meinen Rucksack und gehe nach vorne um zu bezahlen und auszuchecken.

Ich schnappe mir noch das letzte Stück selbst gebackenen Kuchen und verabschiede mich von Stefan. Ich habe mich hier richtig wohl gefühlt es ist eine sehr familiäre Atmosphäre, sehr kreativ und eben einfach hyggelig. Ich jedenfalls kann diesen Platz nur sehr empfehlen: https://naldmose.dk/

Made by Stefan

Am Fährhafen weiß ich nicht wirklich wie das alles funktioniert. Die Fähre ist bereits in Sicht. Aber in Zeiten der Digitalisierung ist hier nicht einmal mehr ein Mensch, an dem man eine Frage hätte richten können.

Ich Trottel nämlich, greife in meine Hosentasche und finde den Hüttenschlüssel Nummer zwölf. So ein Mist. Ich versuche natürlich sofort Stefan telefonisch zu erreichen. Der erste Gedanke, ich deponiere den Schlüssel hier, aber bei wem? Die zweite Möglichkeit ich buche das Ticket um. Online. Laut Website geht das. Als ich es versuche wird mir nur die 10:00 Uhr Fähre angeboten. Was nun. Mir bleibt nur zu warten, bis die Fähre anlegt und ich dort einen Mitarbeiter frage, ob ich mit diesem Ticket auch die nächste Fähre um 11:00 Uhr nehmen kann. Und dann steht er vor mir mein Engel, wie aus dem Nichts. bei den Thru Hikern heißen diese Menschen auch Trail Angels. Sie kümmern sich am Rande des Trails um Leib und Wohl der Hiker. Völlig selbstlos. Mein Engel heute heißt Susanne, sie bekam offensichtlich meine Ratlosigkeit mit. Auf die Frage, ob sie mir helfen kann, erzählte ich ihr von meinem Missgeschick. Da sagt sie einfach nur, ich kann ihn mitnehmen. Ich gehe jetzt sowieso an dem Campingplatz vorbei. Warum überhaupt sie hier am Anleger war? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass es sie gibt. Die Magie des Camino und vielleicht auch hier auf dem Alstien. Als ich bereits schon auf der Fähre bin, versichere ich mich noch einmal bei Stefan, dass er den Schlüssel wirklich erhalten hat. Ich erreiche ihn endlich per Telefon. Alles ist gut.

Ich genieße die Überfahrt bei herrlichem Sonnenschein in vollen Zügen. Ich bin die einzige Fußpassagierin. Der Bauch der Fähre voll mit Wohnmobilen, Autos und kleinen LKW. Da heute Feiertag in Dänemark ist, es ist Vatertag, steht offensichtlich auch kein Bus an der Fähre .

Also mache ich mich auf den Weg in Richtung Faaborg. Aufgrund des drohenden Regens heute, habe ich die Etappe leicht verkürzt. Ich komme dabei nur einmal bis an die Küstenlinie. Trotzdem aber habe ich immer das Meer im Blick. Rechts herum, links herum, im Zickzack geht es rauf und runter quer durch den südlichen Teil vom Fünen.

Die Dänen sind einfallsreich, das muss man ihnen lassen. Fast überall werden Habseligkeiten verkauft in den kleinen Schaubuden direkt vor den Häusern. Es gibt Lebensmittel, selbst gemachte Marmelade, Weine, Porzellan, bemalte Steine, Kartoffeln und sogar Brennholz. Einfach alles, was gebraucht werden kann. Bereit stehen vertrauensvoll Gelddosen oder man bezahlt per App.

Eine nagelneue Kultur- und Rasthütte Wanderhütte lädt verweilen ein.

Und dieses kleine Häuschen mit zwei Nummern ist – ich bin ja immer extrem neugierig und öffne die Truhe – ein übergroßer Briefkasten!

Da ich die Etappe heute etwas gekürzt habe, was auch klug war, denn der Himmel verdunkelt sich Zunehmend, muss ich leider die letzten 4 km auf der Bundesstraße in Richtung Faaborg laufen. Kein Spaß. Alle 10 Meter springe ich in den Straßengraben um den vorbei rauschenden Autos sicher zu entgehen. Ok. Ich übertreibe. Auch diese nehmen Rücksicht. Ich möchte aber nicht wissen, was sie von mir halten als ich da mit einem Riesen Rucksack mit Neonverdeck auf der Straße herum spaziere.

Sage und schreibe 10 m vor meiner Unterkunft setzt dann schließlich doch der Regen ein. Alles richtig gemacht heute. 18 km ohne Pause. Das spüren heute auch meine Füße.

Nach einer Dusche und einem ebenso erfrischenden Gespräch mit Marianne, meiner Wirtin, drehe ich noch eine Runde durch die City und esse in einer Fischbude am Hafen leckeren Fisch. Dann beginnt es erneut zu regnen. Es reicht auch heute wirklich!

Ich bin dankbar dass ich diese Art von Freiheit und Gelassenheit auf genau diese Art erleben kann und darf. Eine Woche bin ich schon unterwegs und wie immer fühlt es sich an wie eine Ewigkeit und eine Ewigkeit liegt noch vor mir…

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