Mein AirBnB war sehr schön, doch geschlafen habe ich kaum. Das Schlafsofa mit Toppern viel zu weich und draußen tobte der Wind und es regnete unaufhörlich. Da galten die Gedanken der kommenden Etappe.
So bin ich bereits mit Sonnenaufgang (also dass, was man eigentlich als Sonne bezeichnet ) damit beschäftigt mir die Etappe und die Wetterlage nochmals anzuschauen. Vor elf ist mit einem Start nicht zu rechnen. Ich wäre in Minuten pitschnass trotz aller Regenschutzmassnahmen. Also erstmal Kaffee und Kekse – was anderes habe ich nicht – und auf ein Ende des Wassersegens warten. Um 10 Ihr packt es mich in einer Regenpause und ich steuere Faaburg City an. In meinen Rucksack wechseln Baguette, spanische Chorizo und Käse, Bananen und Kräcker ihren Lagerort vom Supermarkt. Im wohl teuersten Café am Ort – die Auswahl an Törtchen und Co. erschlägt mich – begnüge ich mich mit einem belegten Sandwich für schlappe 7,50 €. Zugegeben, es war sein Geld wert. Echt lecker!
Ich war bereit. Inzwischen ist es zwar kalt aber immerhin trocken, nur selten noch vereinzelte Regenschauer.
Heute geht es auf dem Øhavsstien weiter, mit 220 km dem längsten Wanderweg Dänemarks durch die südfünische Inselwelt. Er wird mich noch zwei Tage begleiten.

Die Route führt aus der Stadt hinaus und wieder im steten Zickzack- geradeaus wäre ja einfach – erst rauf dann wieder an die Küste hinunter.

Von da erstmal nur direkt am Meer entlang. Ich komme an einem ganz besonderen Shelter vorbei. Geschickt konstruiert, schläft man dort auf einer erhöhten Ebene.

Der heftige Wind macht ein Vorwärtskommen fast unmöglich. Der Rucksack ist zudem die Angriffsfläche für die Windböen, und ich bin froh, dass ich die Wanderstöcke dabei habe, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Ich muss mich so auf dem Weg konzentrieren, der sich schmal und uneben durch Wiesengräser windet, dass ich die Natur um mich herum nur im stehen bleiben, genießen und aufsaugen kann. Alles andere wird durch den ohrenbetäubenden Wind erdrückt. Und wieder fühlt es sich ein bisschen an wie an der schroffen Küste Portugals. Die Gedanken wandern immer wieder zu vergangenen Wanderungen, egal wo man unterwegs ist, es sind immer wieder ähnliche Situationen, Gefühle, Stimmungen und auch frustrierende Momente dabei. Am Ende aber, und das ist eben die Gewissheit, überwiegt das einmalige Erlebnis und das, was man davon mit nach Hause nimmt. Ein Andenken, dass man nicht kaufen kann ☺️




Genug Melancholie, zurück zum Weg. Die Sonne hat ein Einsehen und lässt sich blicken.
Und wie ich mich so langsam fortbewege kommt mir heute tatsächlich eine Backpackerin entgegen. Im T-Shirt!! Ich hingegen trage heute Lagenlook: ein Top, darüber ein Shirt, darüber die Merinojacke, die Regenjacke, Mütze und alles zu bis obenhin! Da nehmen sogar die gelassenen dänischen Pferde auf der Weide im rasanten Galopp reißaus…
Wir grüßen uns, mehr nicht. Sie läuft an der Wasserkante, ich nehme den ausgetretenen Wiesenweg, der mir einfacher fällt.
Mit einer kleinen Alternative muss ich mich einigen. Der hohe Wasserstand lässt vermuten dass ein Stück kurz vor meinem Campingplatz nicht begehbar ist. Ich nehme lieber gleich den Umweg von 700 m in Kauf, der mich über einen asphaltierten Weg im Landesinneren Aber direkt zum Campingplatz führt.
Meine Hütte ist einzigartig klein, aber fein und ich habe Ausblick auf das Meer. Alles in allem ist es auch ein schöner Campingplatz nur eben sehr unpersönlich da man einfach seinen Platz bezieht und die Betreiber am Abend herum gehen und kassieren. In der kleinen Info Hütte bekommt man kleine Snacks, kleine Getränke kann sich einen Kaffee kochen und bezahlt bar in eine dafür vorgesehene Kasse oder via e-Pay.


Trotz der schönen Lage und Sonnenschein wird auch heute nichts aus einem chilligen Abend am Ufer. Es ist einfach viel zu windig und kalt! So bleibt mir nur, mich in meine Hütte zurückzuziehen und auf einen trockenen Wandertag morgen zu hoffen während es – schon klar – wieder zu regnen anfängt …