Tag 14 …die letzten Meter

Nach einem gemütlichen und reichhaltigen Frühstück breche ich zur allerletzten Etappe und damit dem Ausklang oder besser „Auslaufen“ auf.

Ich bin begeistert und zugleich etwas verärgert über das phantastische Wetter. Windstille, Sonne, blauer Himmel, dazu max 17 Grad mit einem lauen kühlen Lüftchen. Ein Traum! So hätte ich mir mehrere Tage gewünscht. Ein paar wenigstens. Beim Fernwandern aber lernt man Bescheidenheit. Und so freue ich mich über diesen sensationellen Abschied von der Ostsee. Also noch nicht ganz. Aber die Tage bis ich Sonntag über Lübeck nach Hause reise, sind sozusagen meine privaten Tage des Revue passieren lassen’s. Wichtig sind diese Tage, um nicht urplötzlich wieder in den Alltag zu stürzen. So bleiben die Eindrücke lange präsent und in schönster Erinnerung.

Zurück zum Tagesgeschehen. Der Weg unspektakulär so mittendurch die Insel. An einer Bushaltestelle werde ich von einem jungen Mann angesprochen. Ob ich Sonnencreme habe? Klar. Sogar getönte lache ich. Wir kommen ins Gespräch. Er ist hier wegen des Tunnelbaus. Er ist Bauingenieur aus Karlsruhe und schaut sich gerne große Bauprojekte an. Auch ist er mit Zelt unterwegs und macht professionell Cheerleader. Verrückte Kombi. Fast schon verleitet er mich dazu in das Infocenter zum Tunnelbau in Burg mitzukommen. Interessant ist es bestimmt, aber das schöne Wetter überwiegt hält mich davon ab. Unsere Wege trennen uns wieder.

In der Kirche hole ich mir einen Stempel vom Mönchsweg. Leider haben sie keinen vom Jakobsweg. Und ich habe extra meinen Pilgerpass dabei. Schade.

Beim Bummel durch die Touristenzone – schrecklich – kaufe ich mir noch ein Armband zur Erinnerung. Noch befinden sich alle am Handgelenk, seit 2015! Das erste Bändchen vom Camino del Norte, das als solches nicht mehr zu erkennen ist, aber der Beginn einer unstillbaren Leidenschaft wurde.

Aus Burg heraus genieße ich jeden Meter und werde immer langsamer. Ein Phänomen dass ich schon kenne. Nicht aufhören wollen zu laufen, egal wie weh die Füße tun.

Als ich die Zufahrtsstraße zur Fehmarnbrücke queren muss und aufgrund einer Baustelle etwas verloren am Straßenrand stehe, hält eine Frau und fragt ob ich trampen möchte. Ich zuerst perplex sprachlos, lache dann und antworte Nein, will hier nur rüber. Das ist mir auch zum ersten Mal passiert , ich wäre mit ihr gefahren, so nett, aber es ist die falsche Richtung …

Die letzten 4 km gehen wie von allein. Ich habe eine reizende Unterkunft in einem Gästehaus für zwei Nächte gefunden. Unweit vom Strand, zu dem ich mich dann aufmache nachdem ich die kurze Hose Juhu! aus dem Rucksack fische.

Einfach nur herrlich. Genau das richtige zum Ausklang.

Getoppt wird das Ganze durch ein Sonnenbad im Sand und einen chilligen Abend im Strandkorb der Strandbar mit einem leckeren Aperol Spritz zum heutigen Sundowner.

Und dann – während ich hier im Sonnenuntergang sitze und euch schreibe ist mein WordPress Speicher ist voll, dann heißt es wohl Abschied nehmen…

Rückblick 👀

Meine Reise zu Fuß 👣 von Padborg (deutsch-dänische Grenze) über die Inseln Dänemarks (fast) immer an der Küste entlang nach Fehmarn.

Anreise im Zug 👣Erwandert: Den Gendarmstien komplett, Alsstien, Fünen, Langeland, Tåsinge, Lolland auf dem Olavsstien, dem Helenæsstien, dem Margeritenweg, dem Jakobsweg, dem Mönchsweg und vielen km Nebenstraße (leider) auf 289 km und einige mehr ohne Gepäck. 👣 Höhenmeter ca. 1.210 (lächerlich) 👣 Verlaufen 1x durchs Weizenfeld retour 👣 Verkehrsmittel 1xBus, 1xTaxi,1xZug (alles wegen dem Schietwetter!) 3xFähre 👣 Handicaps 1 Blase unter der Ferse (echt fies) 👣 verbraucht 1m Tape 👣 im Meer Baden kein einziges Mal 👣 Geschlafen im Zelt, Wanderhütten, im Airbnb, in der Pension, im Hostel, im Gästehaus, im Gartenhaus, in der Ferienwohnung 👣 Umsonst mitgeschleppt Badeanzug, Isomatte, 1 „Ausgeh-Shirt“, FirstAid Kit (🙏) 👣 Verluste mein unteres Ende des Wanderstocks (steckt irgendwo im Strand von Mommark) 👣Gefunden die absolute Natur und Entspannung 👣 Abreise im Bus und Zug

Ich sage hej hej, Servus, moin und tschüss bis zum nächsten Mal, wenn es heißt „Birgit läuft..“

Das war‘s

Ein Gedanke zu „Tag 14 …die letzten Meter“

  1. Ein schönes Ende! Glückwunsch zu deiner sehr beeindruckenden Leistung.
    Lübeck ist übrigens eine tolle Stadt. Ich war dort im November 2021, im ersten Coronawinter ( s. Blog). Es gab Maskenpflicht in der Altstadt, auch im Freien, aber die Infektionszahlen waren viel niedriger als in Bayern und die Leute freundlich und entspannt. Auf dem Turm der St.Petri hat man eine grandiose Aussicht.

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu wanderlustig Antwort abbrechen