Am Morgen verlasse ich Lagos in Richtung Bahnhof. Was soll ich sagen. Es regnet und ist nebelverhangen kühl. Das Bad im Rooftop-Pool fällt also auch aus. Die Stimmung gerade ziemlich mies. Die beiden Blasen schmerzen bei jedem Schritt. Trotz der gestern noch gekauften Ultra Compeed Pflaster. Also fahre ich mit einem Antikzug nach Albufeira.
… noch mal von vorn. Nach einer ruhigen Nacht nehmen Markus und ich ein kleines Frühstück in der Bar gegenüber ein. Die Kaffeemaschine ist leider defekt. Also gibt es einen Orangensaft. Das Casa Mestre war eine sehr schöne und doch preiswerte Unterkunft, sogar mit Pool.
Warum nur begibt man sich immer total unvorbereitet auf einen Trailabschnitt?
Ganz einfach. Weil man hier ist um eben nichts zu planen, nach keiner Uhrzeit oder Outlook-Kalender zu leben. Weil Zeit nur eine Rolle spielt zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Weil jeder Tag ein neuer ist. Mit neuen Herausforderungen, neuen Erkenntnissen und neuen Begegnungen.
Ob das ein Spaziergang wird? Mal sehen. Auf jeden Fall geht es durchs Inland bis ich am Strand von Carrapateira ankomme. Hoffentlich. Rund 20 km liegen vor mir.
Zwischenbilanz: Ich bin seit 7 Tagen unterwegs. 130 km zu Fuß gelaufen (mit allen Umwegen), habe in 8 Dörfern in privaten Alojamentos übernachtet (Lissabon ausgenommen), meinen Rucksack 8 mal aus- und wieder eingepackt und mit 15 mir eigentlich wildfremden Menschen aus verschiedenen Nationen (Österreich, Polen, UK, Holland, Dänemark und der Ukraine) Zeit verbracht und viel gelacht. Kein Radio gehört, kein fern gesehen und keine Zeitung gelesen. Auszeit. Gelaufen bin ich immer alleine, es ist mein Weg. Ich sagte es bereits ☺️
Und ich bin nicht müde. Heute geht es weiter in Richtung Süden…mir bleiben noch 8 Tage. Bis Lagos oder noch ein Stück in Richtung Albufeira …das wäre schön…
Die Nacht war sehr erholsam. Bis. Ja, bis um 06:00 Uhr morgens als vermutlich die Gasheizung für das Wasser laut heulend ansprang. Zwei Minuten später schlug der Handywecker meiner Mitbewohnerinnen laut Alarm. Es lag im Flur an der Steckdose – vor meinem Zimmer! Wer macht sowas?
Ich bin megafrüh wach. 5 Uhr. Um 07:00 h macht die Bar fürs Frühstück auf. Ok. Ich lümmel noch etwas im Bett rum, ein Blick aus dem Fenster – es ist trocken ( es hat heute Nacht wieder geschüttet) und ich packe langsam den Rucksack.
Eigentlich ist es hier mitten im Nirgendwo totenstill. Zumal ich offenbar der einzige Gast in dieser Anlage bin. Und auch nur, weil mir mein Zimmer vor wenigen Tagen aufgrund eines Sturmschadens storniert wurde. Ich bin hier untergekommen. Die Differenz zu meiner vorherigen Buchung soll ich von Booking.com. Zurück bekommen. Es war nichts anderes mehr frei.
Nein, ich mache keine Kreuzfahrt. Aber ich fand es zufällig am Hafen. Noch nie stand ich vor einem Kreuzfahrtschiff. Das ist ähnlich imposant und zugleich spektakulär wie ein A380. Wie diese Dinger fliegen und äh schwimmen können ist auch für mich als „versuchter “ Bauingenieur ein Wunder, das man so einfach nicht erklären kann. Und trotzdem verhält es sich auch hier für mich wie mit dem Fliegen: nicht meins 👣
in dieser Zeit bringt mich morgen die TAP-Airline nach Lissabon. Die dann folgenden ca. 230 km dauern etwas länger, dafür aber umso schöner 😎
Mein dezentes Reisegepäck ist startklar, ich bin eingecheckt, der Firmenrechner ist zugeklappt, die Abwesenheitsmeldung aktiv. Meine Füße wurden noch einmal von meiner lieben Fußpflegerin in Augenschein genommen und wanderfertig gemacht. Dafür ein liebes Dankeschön!