Die Nacht war sehr unruhig. Schon vor Sonnenaufgang war an Schlaf nicht mehr zu denken. Dafür ringen sich meine Gedanken um die heutige Route. Ja, Nein, Vielleicht??
Die heutige Route, die die Jungs festgelegt haben hat zwei lange und steile Anstiege. Dazwischen zwar wenig Höhenmeter aber Geröllfelder und stufiges Auf- und Ab teils festgetreten, teils lockere Steine. Genau solche Pfade haben mir in der Bretagne den einen oder anderen Tag verhagelt. Es ist schwierig zu entscheiden ob und wie gut solche Touren zu bewältigen sind, wenn die Erfahrung fehlt. Die Erfahrung hier nämlich in den Bergen.
Also plane ich mir eben diese Route auch in Komoot um besser vergleichen und einschätzen zu können wie ich damit umgehen kann. Leider mit mäßigem Erfolg. Dann noch diese fast schlaflose Nacht. Kein guter Start in den Tag. Ich finde eine andere Option für mich kurz vor dem zweiten heftigen Anstieg der noch mehr Höhenmeter aufweist. Damit steht mein Plan…
Da es heute lange keine Almhütten gibt, packen wir uns beim Frühstück ein Kehrpaket, mein Bruder besorgt noch PET Flaschen Wasser, da es auch nur eine Möglichkeit gibt, Wasser gegen Gebühr aufzufüllen. Und die Sonne brennt.
Dann bringt uns der Almi auch heute zur Aualm. Aber nicht nur uns, auch Theresa hat heute ihren freien Tag und wird uns als unser persönlicher Local Guide begleiten. Nein Scherz. Sie kommt natürlich einfach gerne mit.
Von der Aualm steigen wir heute in der anderen Richtung auf. Die Hofpürgelhütte ist unser erstes Etappenziel. Dieser steile und lange 1-stündige Aufstieg direkt nach dem Frühstück ist enorm anstrengend und schlimmer noch, dazu heizt die Sonne schon jetzt ordentlich ein! Und es ist gerade mal kurz vor 10Uhr.


Endlich oben, werden auf der Hofpürgelhütte die Wasserflaschen aufgefüllt (0,50 Cent /Liter) Auch hier gibt es heuer kaum noch Wasser. Wasser, das meist mit dem Heli herangeschafft werden muss wenn es keine Lastenbahn gibt.
Die nächste Etappe entlang des Austriasteiges und immer fast direkt unter dem Bergmassiv beginnt sehr moderat. Wir kommen noch schnell voran. Eine echte Erholung und Motivation.Doch zu früh gefreut, ein stetiges Auf- und Ab, wechselnde Untergründe, stufiges Gelände und enge Passagen die ihre volle Aufmerksamkeit fordern werden zunehmend anstrengender. Zumindest bei mir!




Dann kommen die ersten großen Geröllfelder und schnell wird mir klar, dass hier wertvolle Reserven aus meinen Muskeln einfach schwinden. Jetzt heißt es erst einmal einen gangbaren Weg finden, dann vorsichtig über große Felsbrocken balancieren und dabei nicht das Ziel aus den Augen verlieren. Einfacher wird es als mein Neffe voran geht und ich mich so ganz auf meine Trittfolge konzentrieren kann.



Die ein oder andere kleine Scharte, die durch Muren oder Felsbrüche entstehen erfordert sogar manchmal Klettergeschick, zwei Stellen sind zu meiner Freude mit Klettergriffen versehen um sich festhalten zu können.
Mit etwas weichen Knien meistere ich auch diese und geschafft: Erste Wiesen tauchen wieder auf und die Wege lassen sich angenehmer laufen.
Da sind wir nun am Abzweig mit der Option für mich, hier abzubrechen. Ich muss nicht lange überlegen. Es fällt mir schwer aber Sicherheit geht vor. Ein „ach komm, das wird schon“ ist hier fehl am Platz. Mein Körper sagt mir etwas anderes. Ja, ich werde mit dem Rinderfeld, dem Sulzenschneid und Sulzenhals eine tolle Landschaft verpassen. Frei laufende Pferde, eine großartige Aussicht und ein Gipfelkreuz. Doch mein Entschluss steht. Nein, ich werde nicht weitergehen sondern von hier ins Tal absteigen. Zum Sulzenhals und Gipfelkreuz hinauf führt ein ca 900 m langer steiler Zickzackpfad. Es klingt machbar aber ich weiß inzwischen wie anstrengend und quälend solch ein Aufstieg in diesen Höhen sein kann. Und dann folgt ja noch der lange Abstieg. Denn. Wer rauf ist muss bekanntlich auch wieder runter! Über 3 weitere Stunden … nein.
Auch Dirk entscheidet sich heute unabhängig von mir für den Abstieg hier. Jeder Tag ist anders, gestern so und heute eben so. Wir verabschieden uns von den „Gipfelstürmern“ und starten hinunter ins Tal.

Bei jedem Schritt – denn auch dieser Weg hat seine Herausforderungen, wenngleich er landschaftlich auch sehr schön ist – sind wir uns beide klarer dass diese Entscheidung die richtige war.
Auf einer schön gelegenen Wiese legen wir noch eine kurze Pause ein, um dann über den Almsee und einer im Jahr 2015 neu errichteten Kapelle zur oberen Hofalm zu gelangen. Thomas, der heute eine Pause eingelegt hat erwartet uns schon beim bekannten Almwirt.




Ich beschließe die Wanderung mit einem erfrischenden Aperol und wenig später bringt der Wanderbus zwei müde „Alpinisten“ zurück ins Wohlfühlhotel.

Den Rest der Kletterbande treffen wir noch rechtzeitig vor dem „Duett vom Hirschen“ und Dirk findet, ein Schnapserl sei nach diesen Gottlob verletzungsfreien Tagen nun wirklich angebracht! Na dann, Prost!
So werden die Wanderschuhe nun in der Balkonecke zum Lüften geparkt, denn morgen warten 7 e-Bikes auf einen Ausflug in die Umgebung.
Ich bin nicht minder gespannt auf diese Tour mit den „Wandervögeln“ und falle todmüde ins Bett.